Bald urteilt der Verwaltungsgerichtshof

Baustopp bei "Camba"-Brauerei: Darum klagen die Anwohner

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Die halbfertige Baustelle im Seeoner Gewerbegebiet.

Seeon - Für die Brauerei geht es um den Fortbestand in der Region, für die Anwohner um Lebensqualität und Recht. Was hinter ihrer Klage um den Camba-Baustopp steckt:

"Wir sind nicht gegen die Baustelle und auch nicht gegen BrauKon", betont Berth Schalow gegenüber chiemgau24.de. Seit 2000 wohnt er mit seiner Frau Gudrun neben dem Seeoner Gewerbegebiet, wo nun die Baustelle der Camba-Brauerei und des Brauanlagenherstellers BrauKon wegen ihrer Klage ruht. Eine Entscheidung, wie es weitergeht, fällt das Verwaltungsgericht in München am 20. April. Die Schalows fühlen sich nicht gehört, BrauKon und Camba fürchten um ihre Zukunft im Chiemgau.

Baugenehmigung "nicht hinreichend bestimmt"

2012 erstellte BrauKon den Bebauungsplan für die Anlage in Seeon. 2014 gab es gut besuchte Informationsveranstaltungen für die Bürger, der Gemeinderat stand einstimmig hinter den Plänen. 2015 rollten die Bagger an - doch seit Ende Februar 2016 herrscht Stillstand. Die Klägergemeinschaft um Berth Schalow klagte gegen das Landratsamt Traunstein, das die Baugenehmigung letztlich erteilte.

"Das Verwaltungsgericht war der Ansicht, dass in der Baugenehmigung die Schallschutzkonzeption nicht hinreichend bestimmt sei", so Roman Schneider vom Landratsamt. Heißt: In der Betriebsbeschreibung wurde nicht deutlich genug, welche Fertigungsmaschinen in der Produktionshalle errichtet werden. Das Verwaltungsgericht forderte deshalb eine genaue Auflistung, die inzwischen nachgereicht wurde.

Darüber ärgern sich die Kläger

Berth Schalow ärgert sich darüber, dass der Gemeinderat die Bedenken mancher Anwohner nicht ernst genug nahm und die Baugenehmigung für BrauKon zu ungenau gewesen sei: Daher die Klage. Weitere sieben Seeoner stehen hinter ihm. Aber sie stören sich noch an weiteren Punkten: Gegen Gewerbebetriebe "herkömmlicher Größe" habe man nichts einzuwenden, aber durch den "Industriebau" würde sich das Umfeld "bedeutend verschlechtern", so Schalow.

"Ganz nebenbei verliert auch der Grundbesitz erheblich an Wert." Für die BrauKon-Produktion sei dies schlicht der falsche Standort meint Schalow: "Das idyllische Dorf bekommt durch den Fabrikbau ein wenig schönes Ge­sicht mit viel Lkw- und Besucherverkehr."

Österreich als letzter Ausweg für das Unternehmen?

Markus Lohner, der BrauKon-Geschäftsführer, meint dagegen, dass man sehr wohl auf die Bedenken der Anwohner eingegangen sei: "Um die Anwohner zu entlasten wurde der Baukörper um 25 Meter in westliche Richtung verschoben. Zudem wurde eine direkte Anbindung der Grundstückszufahrt an die Hauptstraße geschaffen, um zusätzliches Verkehrsaufkommen zu vermeiden." Allein durch diese Änderungen habe man ein weiteres Jahr in die Planungen gesteckt.

Zu viel Zeit will und kann die Camba-Brauerei und der Brauanlagenhersteller BrauKon nicht mehr verlieren: Die Vergrößerung der Produktion sieht Lohner als überlebensnotwendig: "Wir können es uns nicht leisten, die halbfertige Baustelle ein Jahr so stehen zu lassen." Ein Abwandern nach Salzburg wurde bereits angedacht.

Auch wenn der Prozessgegner der Klägergemeinschaft nicht das Unternehmen sondern das Landratsamt ist, gibt es doch immer wieder Gespräche zwischen Schalow und BrauKon. Auch diese Woche wird man sich wieder zusammensetzen. Eine Entscheidung wird allerdings erst am 20. April vor Gericht in München fallen.

xe

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