Fachgespräch mit CSU-MdL Steiner

Hotelgewerbe: Ist die Hoffnung auf Flüchtlinge berechtigt?

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Mit einem guten Dutzend Experten der Arbeitsagentur, der IHK, der Kreishandwerkerschaft sowie aus den Bereichen Hotellerie und Schulen diskutierte der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner über Tourismus und Lösungsansätze für den Fachkräftemangel, verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten für Azubis im Gastgewerbe und die Möglichkeiten zur Qualifizierung von Flüchtlingen als Fachkräfte von morgen.

Seeon-Seebruck - In einem Fachgespräch diskutierten Fachleute mit MdL Klaus Steiner (CSU) über die Ausbildung im Hotelgewerbe, welche Gründe es für den Fachkräftemangel gibt, was man dagegen tun könnte - und ob das Einstellen von Flüchtlingen sinnvoll wäre.

Die Wirtschaft brummt, aber sie findet nicht mehr genügend Fachkräfte. Rückläufige Schülerzahlen und der massive Trend zum Studium werden die Situation insbesondere im Handwerk und den Dienstleistungsberufen in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Sehr angespannt ist die Situation bereits jetzt im Hotel- und Gaststättenbereich. Er bildet das Rückgrat der Tourismusbranche, die allein in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zwischen 5,6 bis 11,4 Prozent der wirtschaftlichen Wertschöpfung ausmacht..

Eine aktuelle Bestandsaufnahme und die Suche nach individuellen Lösungsansätzen zum Thema Fachkräftemangel waren Ziel eines Fachgesprächs des Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner. Er diskutierte mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft, der IHK, der Agentur für Arbeit, der Berufs- und Fachschulen sowie des Staatlichen Schulamts Traunstein und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Sektion Bayern im Hafenwirt in Seebruck über die Erfahrungen aus den einzelnen Bereichen. Als besondere Schwerpunkte kristallisierten sich dabei die Nachwuchsfrage im Bereich Gastronomie heraus sowie Überlegungen, ob die Qualifizierung von anerkannten Flüchtlingen geeignet ist, den wachsenden Fachkräftemangel aufzufangen.

Gründe des Fachkräftemangels

Als Grundlage für den starken Tourismus in Bayern und speziell auch Südostoberbayern sei die Hotel- und Gaststättenbranche unverzichtbar, hob Steiner einleitend hervor. Im Gegensatz dazu stünden angeblich gravierende Mängel bei der Ausbildung und hohe Abbrecherzahlen von Lehrlingen. Rosa Mayer, Leiterin der Staatlichen Berufsschule im Landkreis BGL, bestätigte die „markante Zahl von Abbrechern“ im Hotelleriebereich. Nicole Wagner, Direktorin der Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement in Traunstein, ergänzte, dass fehlende Wertschätzung und „chaotische Einsatzplanung“ bei den Dienstschichten wichtige Gründe für den Abbruch wären. Wolfgang Kurfer, Leiter der Berufsschule I in Traunstein, machte die „völlig falsche Einschätzung des Berufsalltags“ von Auszubildenden im Gastgewerbe sowie lange Arbeitszeiten und die Bezahlung für die Situation mitverantwortlich.

Die andere Seite der Medaille schilderten der Kreisvorsitzende der DEHOGA Bayern, Peter Stocker vom Hotel Wassermann aus Seebruck, und sein Vorstandskollege Marcus Eismann, Chef des Alpenhotels Wittelsbach & Gillitzer’s in Ruhpolding. Demnach sei der Arbeitsdruck in den Betrieben mit durchschnittlich zehn bis 15 Mitarbeitern sehr hoch. Wettereinflüsse und Tagespflichten sowie Mitarbeiter- und spontane Kundenwünsche im Schichtplan unter einen Hut zu bringen, sei eine sehr anspruchsvolle und zeitaufwändige Kunst, die manchen an seine Grenzen bringe.

Schlugen nachdenkliche Töne an (v.l.): Michael Rumpff, Hotellerie- und Gastronomieberater der IHK im Landkreis BGL, Wolfgang Kurfer, Schulleiter der Berufsschule I in Traunstein, sowie Marcus Eismann und Peter Stocker (v.l.) vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Sektion Bayern, im Expertengespräch mit dem Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner.

Dazu komme der Druck durch ständig neue Vorschriften wie Sauna- oder Parkplatzbesteuerung oder Einnahmeausfälle in schwachen Zeiten. Umgekehrt eröffne eine gute Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich die Möglichkeit, „ein Leben lang überall auf der Welt sofort einen interessanten und vielseitigen Job zu finden“. Die duale Berufsausbildung sowie die vermittelten Fähigkeiten wie z.B. Kundenbezug und Kommunikationssicherheit, Organisationstalent und Umgang mit Stress seien auch bei einem Wechsel in andere Berufe von Nutzen.

Reibungsflächen bieten offensichtlich die unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Auszubildenden und Hoteliers. Sind für Lehrlinge der Generation Smartphone nach einer Umfrage des neuen Hotels Klosterhof in Bayerisch Gmain „Spaß, Teamgeist, Anerkennung und offene Kommunikation“ sowie Familienfreundlichkeit zentrale Anliegen bei der Ausbildung, so sehen die Hoteliers beim „professionellen sauberen Erscheinungsbild“ und der Arbeitseinstellung noch Nachbesserungsbedarf. Viel hänge dabei auch von der Wertevermittlung im Elternhaus ab. In der Diskussion mit den Schulleitern und IHK-Bildungsbeauftragten zeigte sich, dass sich die Ansprüche junger Menschen und die Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich „stark verändert“ haben und auch in den Betrieben zeitgemäßere Umgangsformen erforderlich machen. Marcus Eismann ergänzte, dass die „gute Qualität der Ausbildung“ von Verbandsseite her erkannt und ein "wichtiges Anliegen" sei. Als wichtiges Brückenglied wurden Schulprojekte mit geeigneten Betrieben ausgemacht.

Lösungsmaßnahmen

Liegt das Heil zur Minderung des Fachkräftemangels also in der Qualifizierung von anerkannten Asylbewerbern? Nur sehr bedingt, lautete das Fazit der Fachgesprächsrunde. Bereits bei der Vermittlung von rund 40 jungen Spaniern als Azubis an regionale Betriebe im Rahmen eines EU-Projekts habe sich die sprachliche Barriere als deutlich höher als gedacht erwiesen. Wesentlich seien deshalb auch berufsspezifische Sprachkenntnisse. Bei Flüchtlingen aus Syrien, Afrika oder Afghanistan komme häufig ein völlig anderes Kulturverständnis der Arbeitswelt dazu. Die IHK hat deshalb neue Mitarbeiter eingestellt, die bei der Betriebsintegration und Sprachbarrieren helfen, erklärte Wolfgang C. Jahnsen, Geschäftsstellenleiter in Rosenheim.

Schuldirektor Wolfgang Kurfer ergänzte, dass die Bereitschaft zur fünfjährigen Schul- und Ausbildungsphase bei vielen Flüchtlingen begrenzt sei: „Die haben bis zu 10.000 Euro Schulden und suchen auch auf Druck der Familie möglichst schnell nach Jobs, auch schlecht bezahlten.“ Umgekehrt berichtete Hotelier Marcus Eismann von einem jungen Nigerianer als „Vorzeigebeispiel“, der als Prüfungsbester mit sehr guten Deutschkenntnissen in einem Münchner Top-Hotel anfange.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner machte deutlich, dass angesichts begrenzter Mittel, aber steigender Zahlen von Flüchtlingen und Berufsintegrationsklassen – bayernweit im Schuljahr 2016 rund 1.200 Klassen mit 22.000 Schülern -, eine nachhaltige Strategie gefragt sei. Als Anreiz für Flüchtlinge stellte Schulleiterin Nicole Wagner die Tatsache heraus, dass die in Deutschland praktizierte duale Berufsausbildung im Ausland großes Ansehen genieße. Deren Stellenwert gegenüber Abitur und Studium verbessern könnte eine größere Durchlässigkeit für Nichtakademiker, wenn es um Aufstiegschancen gehe.

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