Interview mit Stefan Dettl

Soul-Platte in Harlem: "Da schwitzt du erst einmal"

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Soultrain - das neue Album von Stefan Dettl erscheint am 18. März 2016.

Truchtlaching - Stefan Dettl ist für seinen Mut bekannt: Der Frontmann von LaBrassBanda probiert sich gerne immer wieder an neuen Stilrichtungen - mit Erfolg. Nun holt er den Soul aus seiner Stimme.

Im Interview mit chiemgau24.de erklärt Stefan Dettl, wie es zu der Soul-Platte kam, wieso ihn Harlem ins Schwitzen brachte, warum er mit LaBrassBanda anfangs in Bayern nicht auftreten durfte und wie es zur Kooperation mit dem Media Markt kam.

chiemgau24.de: Dein neues Album „Soultrain“ erscheint am 18. März. Wie würdest du es in drei Worten beschreiben?

Stefan Dettl: Ruhig. Gemütlich. Schön.

chiemgau24.de: Was genau unterscheidet das neue Album von den Vorgängern?

Dettl: Die LaBrassBanda-Alben sind schnell und sehr laut und eher auf Party- oder Festivalstimmung ausgelegt. Beim Soul-Album habe ich von der Plattenfirma die Chance bekommen, das zu tun, worauf ich Lust habe. Da habe ich einfach mal ein ganz ruhiges Album gemacht, mit vielen Bläsern und Vintage-Mikrofonen.

chiemgau24.de: Warum auf einmal Soul?

Dettl: Ich habe einfach Lust darauf, immer neue Sachen auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Nach der Rock-Platte „Rockstar“ und dem 70er-Jahre Happy-Musikalbum „Summer of Love“ kommt jetzt eben der Soul. Das ist natürlich in Sachen Klänge und Intensität die Königsdisziplin. Das war eine Herausforderung, aber auch eine schöne Reise, die ich im vergangenen halben Jahr bestreiten durfte.

chiemgau24.de: Du hast mal gesagt, dass du von den Auftritten in Afrika, Amerika und England viel gelernt hast. Was genau hast du mitgenommen?

Dettl: Das Allerschönste war, dass man keine Angst haben darf, Musik zu machen. Und auch dann keine Angst hat, wenn die Leute sagen, das kannst du nicht oder das darfst du nicht machen. Auf unserer Reise in Afrika haben uns die Leute nicht ausgelacht, sondern zu unseren rhythmischen Klängen getanzt und sich gefreut. So war es auch in Amerika. Da haben die Leute gesagt: 'Cool, was ihr da macht.' Wenn du nämlich als Deutscher in Harlem Soul-Platten vorspielst, da schwitzt du erst einmal.

chiemgau24.de: Inwiefern?

Dettl: Die Leute in Harlem haben eine klare Vorstellung, was Soul ist und was keiner ist. Und wenn sie dir sagen 'das ist gut, mach weiter so', das ist dann das schönste Lob, das man bekommen kann.

chiemgau24.de: Wieso der Mix aus Deutsch und Englisch?

Dettl: Das hat sich so ergeben. Bei der Soul-Platte war es das erste Mal, wo ich bei einigen Liedern dachte, da hört sich bayerisch aber komisch an, da brauchst du ein anderes Wort. Deshalb habe ich nach Gefühl entschieden und bei einigen Liedern sogar Deutsch und Englisch gemischt. Viele, die die Platte gehört haben, waren ganz überrascht und meinten: 'Hey, man erkennt deine Stimme gar nicht, aber es ist sehr gut umgesetzt.' Solche Komplimente sind natürlich schön.

chiemgau24.de: Hattest du keine Angst davor, dass der Mix bei den Fans schlecht ankommt?

Dettl: Unsere Platten sind ja nicht auf den maximalen Erfolg ausgelegt, dafür müssten wir auf Hochdeutsch singen (lacht). Unsere Fans wissen, dass wir Musik so machen, wie wir sie spüren und nicht darauf achten, was der Markt oder die Verkaufszahlen sagen. Manche Leute in Norddeutschland würden sich wünschen, dass ich doch endlich mal ein Lied auf Hochdeutsch singe. Aber so weit bin ich noch nicht (lacht). Vielleicht in ein paar Jahren.

chiemgau24.de: In Harlem kam die Doppel-A-Single „Superman/Soultrain“ bei den Probanden gut an. Was ging da in dir vor?

Dettl: Der Moment, als das Lob kam, war ja super. Aber davor war ich schon ängstlich und meinte zu den Leuten von Sony: 'Boah, die Idee ist schon krass! Das machen wir lieber nicht.' Selber hätte ich mich das niemals getraut, den Leuten dort meine Lieder vorzuspielen.

Was halten die Menschen in Harlem eigentlich von einer Soulplatte aus Bayern?Soultrain im Check auf den Straßen von New York.

Posted by Stefan Dettl on Freitag, 5. Februar 2016


chiemgau24.de:
Du hast jüngst gesagt: 'In New York oder New Orleans in einem kleinen Soul-Club zu spielen - und nicht rauszufliegen, das wäre das Ziel.' Sind Auftritte in New York das große Ziel?

Dettl: Auf alle Fälle. In den Metropolen wie New York oder London, wo die Leute viel Live-Musik hören, ist die Konkurrenz natürlich riesengroß und die Leute wissen ganz genau, was man macht. Das waren auch unsere ersten Erfahrungen.

chiemgau24.de: Kannst du das genauer erläutern?

Dettl: In Bayern wollte uns am Anfang niemand auftreten lassen. Lederhosen und Barfuß war den Clubs zu plakativ. Deshalb sind wir in den Clubs in England aufgetreten, dort hat man das verstanden. Als man uns dann nicht rausgeschmissen hat, wurde uns klar, dass das gar nicht so schlecht ist, was wir da machen (lacht). Da kam bei uns das Selbstbewusstsein, dass uns bayerische Clubs auch mal buchen könnten. So war es dann ja auch.

chiemgau24.de: Was erwartet deine Fans beim Konzert am 19. März?

Dettl: Es wird ein bisschen anders, also nicht so sehr auf Partystimmung gemacht. Sondern es wird viele Soul-Momente geben. Ich habe eine kleine Big Band, Background-Sänger, eine riesengroße Hammond-Orgel und viele Vintage-Instrumente dabei. Es wird ein großes Musikerlebnis.

chiemgau24.de: Es soll ja bei diesem einen Solo-Konzert bleiben. Wieso werden keine folgen?

Dettl: Es wird die größte Show sein, die ich bisher umgesetzt habe. Es steckt viel Aufwand dahinter. Auf der Bühne sind 13 Musiker, unterstützt von zehn Technikern. Die Musik ist sehr aufwendig. Außerdem stehen mit LaBrassBanda die Proben für die nächste Tour an. Unsere Devise ist: lieber machen wir nur ein Konzert, dafür aber gescheit. Und wenn es den Leuten wirklich so gut gefällt, dann kriegt man bestimmt einen weiteren Termin irgendwie hin.

chiemgau24.de: Zu deinem Konzert werden vom Media Markt Traunstein und Traunreut jeweils zehn Kunden eingeladen. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Dettl: Normalerweise würde man LaBrassBanda ja niemals für ein Media Markt-Sponsoring nehmen. Aber beim Media Markt Traunstein ist das anders. Geschäftsführer Ludwig Obermaier macht schon seit einem Jahr bei "Radio Buh" eine Schallplattensendung und lässt auch viele junge unbekannte Künstler bei Veranstaltungen im Media Markt auftreten. Ein Markt im Markt sozusagen, das war für uns auch ganz neu. Aber es ist super, dass er etwas für die junge bayerische Musikszene macht. Deshalb ist die Kooperation mit dem Media Markt Traunstein für uns total cool und absolut vertretbar. Wir sind stolz darauf, dass wir so einen Media Markt bei uns im Landkreis haben.

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