Reinheitsgebot als Bremse für Truchtlachinger Brauerei

Letzter Ausweg für Brauerei: Raus aus Bayern?

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Gerade mal 4000 Hektoliter werden am Standort in Truchtlaching jährlich gebraut. Durch den weiteren Bau in Seeon könnten es dann insgesamt 16.000 werden.

Seeon-Seebruck - Von zwei Seiten sieht sich die kleine Truchtlachinger Brauerei derzeit unter Beschuss: Zum einen ein erzwungener Baustopp, zum anderen lässt das Reinheitsgebot zu wenig Spielraum - schon lockt das Nachbarland Österreich.

Es ist ein Kreuz für Markus Lohner: Auf der einen Seite hindert den Geschäftsführer eine Klage an der Produktionsausweitung, auf der anderen Seite engt ihn das "Vorläufige Biergesetz" ein - also das, was als Reinheitsgebot bekannt ist und gefeiert wird. "Wir stehen unter Beschuss", so der Geschäftsführer der "Camba Bavaria".

Keine Chance für das "Coffee Porter" in Bayern

Von Anfang an hat sich die kleine Truchtlachinger Brauerei ihre Nischen gesucht: Mehr als 50 verschiedene Sorten werden seit Gründung 2008 inzwischen gebraut. Ein fruchtiges Pale Ale ist dabei, oder ein "Imperial Stout", gelagert in Cognac-Eichenholzfässern. Ideen hätte Lohner noch viele in der Schublade, doch das deutsche Lebensmittelrecht macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Markus Lohner auf der Kundgebung gegen den Baustopp in Seeon am Montag.

Bier gewürzt mit Orangen und Koriander oder das "Coffee Porter" - nur zwei Beispiele an denen in Truchtlaching schon experimentiert wurde. Beim "Coffee Porter" ließ man das Brauwasser durch Kaffeebohnen strömen und es so die Aromen aufnehmen. "Aber diese Sorten mussten wir nach und nach wieder aus dem Sortiment nehmen", so Lohner. Andere Bundesländer erlassen für Brauer regelmäßig Sondergenehmigungen, nicht aber in Bayern: "Dort gibt es keine Möglichkeit der Deklaration für solche Getränke", meint der Camba-Geschäftsführer und spricht von einem Wettbewerbsnachteil.

Brauereien-Boom in Berlin dank liberalerer Gesetze

1993 wurden die Gesetze zwar gelockert und Regelungen für die sogenannten Biermischgetränke geschaffen - das Reinheitsgebot konnte so unberührt bleiben. Doch für gewisse Biermischgetränke "made in Truchtlaching" gibt es keine gesetzliche Basis, solange der Freistaat keine Sondergenehmigung erteilt. Die Bier-Kaffee-Idee dürfe er nicht mal gewerblich herstellen, um sie anschließend ins Ausland exportieren zu können, klagt Markus Lohner.

Der Camba-Geschäftsführer wagt nicht, das Reinheitsgebot abschaffen zu wollen, aber: "Eine Deklaration über EU-Recht sollte doch möglich sein. Oder eine Anpassung, was als Biermischgetränk verkauft werden darf." Die kleinen Brauereien hätten einfach noch keine Lobby, um ihre Forderungen auch in Bayern durchzusetzen. Dank der liberaleren Gesetzgebung beispielsweise in Berlin seien dort im Laufe der letzten zehn Jahre um die 20 neuen Brauereien entstanden.

Salzburg als letzte Option

Sollte sich auch am Baustopp in Seeon-Seebruck nichts ändern, der das Unternehmen monatlich rund 100.000 Euro kostet, überlegt Lohner mit "Camba Bavaria" auszuwandern: Es gäbe bereits konkrete Grundstücksangebote aus Salzburg. Zwei Fliegen mit einer Klappe? Denn in Österreich dürfte er sein "Coffee Porter" dann nicht nur brauen, sondern dank EU-Gesetzen auch nach Deutschland exportieren.

xe

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