Helferkreis Asyl wünscht sich mehr Unterstützung in Seeon-Seebruck

Asyl-Situation macht Hoffnung, hat aber noch Schwachstellen

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Die syrischen Flüchtlinge, die seit Ende letzten Jahres in der ehemaligen „Gruber Alm“ in Roitham leben und vom Helferkreis Asyl ehrenamtlich betreut werden, fühlen sich sichtlich wohl. In der Sitzung des Gemeinderats wurde aber deutlich, dass sich der Helferkreis mit seinem Sprecher Hubert Aicher (Bildmitte) mehr Unterstützung von der Gemeinde wünscht.

Seeon-Seebruck - Großteils scheinen die Integrationsmaßnahmen in der Gemeinde Seeon-Seebruck gut zu funktionieren. Mancherorts war man jedoch stark überfordert.

Die Gemeinde Seeon-Seebruck hat bisher in die Umbaumaßnahmen der ehemaligen "Gruber Alm" in Roitham insgesamt knapp 300.000 Euro gesteckt. Wie wiederholt berichtet, ist in der ehemaligen Gastwirtschaft wegen des Rathausneubaus in Seebruck die Gemeindeverwaltung für zirka zwei Jahre ausgelagert. Auch die Gemeinderatssitzungen finden währenddessen in der Übergangsunterkunft statt. 

Seit rund sechs Wochen leben im südlichen Trakt des Gasthauses auch 15 syrische Flüchtlinge. Der Umzug der Verwaltung von Seebruck nach Roitham Ende letzten Jahres sowie die Ankunft der Flüchtlinge gaben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. "Es war schon eine Herausforderung", sagte Bürgermeister Bernd Ruth. Parallel zum Umzug musste sich die Verwaltung auch um die Ankunft der Flüchtlinge kümmern. "Wir waren überfordert, weil wir auf den Tag X nicht genau gewusst haben, wann die bereits für Anfang Dezember angekündigten Flüchtlinge eintreffen", so Ruth. Zuletzt habe es geheißen, dass sie am 15. Dezember eintreffen, gekommen seien sie aber erst zwei Tage später. 

"Wir fühlen uns sehr wohl!"

Die 15 Syrer, die sich in der Unterkunft selber verpflegen, haben sich zwischenzeitlich schon eingelebt. "Wir fühlen uns sehr wohl", sagt Ahmad, mit 38 Jahren der Älteste unter den Bewohnern. Die Unterkunft ist bislang nur mit dem Nötigsten eingerichtet, einiges wäre durchaus noch verbesserungsfähig. Im Erdgeschoss befinden sich ein Gemeinschaftsraum und eine Küche sowie die sanitären Anlagen. Die Schlafräume liegen im oberen Stockwerk. Wie Bürgermeister Bernd Ruth vor dem Ratsgremium erklärte, seien bislang in den Ausbau der Flüchtlingsunterkunft 67.000 Euro gesteckt worden. Die Kosten, die für Umbaumaßnahmen, Ersatzbeschaffungen und den Umzug der Verwaltung angefallen sind, bewegen sich bei 179.000 Euro. 

Außerdem sei die Gemeinde vom Landratsamt Traunstein aufgefordert worden, eine Brandmeldeanlage zu installieren. Die Brandmeldeanlage für den Verwaltungstrakt und die Flüchtlingsunterkunft habeweitere 50.000 Euro verursacht. In der Sitzung wurde auch dem Helferkreis Asyl Seeon-Seebruck-Truchtlaching die Möglichkeit gegeben, ihre Sorgen und Nöte los zu werden und ihre Erfahrungen zu schildern. Dem Helferkreis gehören rund 35 Personen an, die sich ehrenamtlich um die Neubürger kümmern und mittlerweile auch schon Erfahrungen in der Unterkunft in Pavolding gesammelt haben, in der seit Sommer 2015 25 Afghanen und sechs Syrer leben. 

Einige Flüchtlinge absolvieren bereits Praktika

Während die Unterkunft in Pavolding von einem Privatvermieter betrieben wird, ist in Roitham die Gemeinde zuständig. Nach Aussagen ihres Sprechers Hubert Aicher läuft es in Pavolding insgesamt gut, wenn gleich auch die räumlichen Bedingungen nicht ganz optimal seien. Der Raum in dem die Sprachkurse durchgeführt werden sei zu kalt und man bräuchte noch einen zweiten Raum, hieß es. Die Möglichkeit, ob mit den Kursen in die Grundschule Seeon ausgewichen werden kann, soll jetzt untersucht werden. Die Bemühungen des Helferkreises, die Neubürger, die in Pavolding leben, in das Arbeitsleben zu integrieren, haben offenbar auch schon gefruchtet. Nach Angaben der Mitinitiatoren hätten einige in örtlichen Betrieben im Rahmen der sogenannten Einstiegsqualifizierungen Praktikumsplätze bekommen. Aicher: "Was in Pavolding gelaufen ist, ist eine wunderschöne G´schicht." 

"In Roitham war man gnadenlos überfordert"

Dass die Situation in Roitham etwas "kränkelte", blieb in der Diskussion nicht verborgen. Nach Aussagen von Gemeinderat Andreas Dorn, 3. Bürgermeister und "Sprachrohr" zwischen Gemeinde und Helferkreis, sei bei der Ankunft der Flüchtlinge vieles schief gelaufen. "In Roitham war man gnadenlos überfordert." Er kritisierte, dass kein Ansprechpartner dagewesen sei und beklagte unter anderem eine fehlende Koordination der Fahrdienste (zum Beispiel Arztfahrten). Bürgermeister Ruth erklärte dazu, dass seit dem 28. Dezember letzten Jahres ein Taxidienst eingerichtet worden sei und auch Telefonnummern für Notfälle hinterlegt worden seien. Außerdem, so Ruth, sei "arbeitstechnisch immer jemand drüben gewesen." 

Auch die Vertreter des Helferkreises würden sich mehr Unterstützung von der Gemeinde wünschen. "Wir sind gerne bereit mitzuarbeiten", sagte Aicher. Um Integrationsarbeit zu leisten, müsse jedoch eine gewisse Grundversorgung von der Gemeinde gewährleistet sein und ein besserer Kontakt zur Bevölkerung hergestellt werden, forderte Aicher. Wünschenswert wäre, aus den Reihen der Verwaltung einen Ansprechpartner für ein paar Stunden in der Woche abzustellen, um gemeinsam mit dem Helferkreis Organisatorisches zu koordinieren. Michael Regnauer (CSU) machte den Vorschlag, dass sich Vertreter der Gemeinde und des Helferkreises in kleiner Runde unterhalten sollten. "In dem Konfliktthema stecken wir alle drin." Um das Thema noch mehr in der Öffentlichkeit anzusprechen, schlug er weiter vor, den Helferkreis bei den anstehenden Bürgerversammlungen zu Wort kommen zu lassen. 

Dass der Asyl-Helferkreis eine beispiellose Arbeit leistet, ist unbestritten. "Eure Arbeit kommt von Herzen. Ich verlass mich auf Euch. Ihr macht das hervorragend", lobte Ruth. Auch er regte an, noch mehr nach außen zu werben, dass die Flüchtlingsarbeit nicht Unmenschliches, sondern notwendig ist.

Gabi Rasch

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