Seit 50 Jahren am Puls der Zeit

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Vorsitzender Peter Fischer (rechts) ehrte bei der ÜWG-Geburtstagsfeier Klaus Schlaipfer (links) und Ferdinand Thoma, der dem Verein seit 40 Jahren die Treue hält.

Prien - Vor einem halben Jahrhundert organisierten sich berufstätige Priener in einer Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG). Seitdem hat diese Gruppierung einen festen Platz im Marktgemeinderat.

Im kleinen Kursaal feierte der Verein seinen runden Geburtstag und blickte auf seine bisherige Geschichte zurück.

Am 4. Februar 1960 wurde die Gruppierung erstmals in der Chiemgau-Zeitung erwähnt - damals noch als ÜWB, Überparteiliche Wählergemeinschaft der Berufstätigen. Nur ein paar Wochen später schaffte die ÜWB auf Anhieb den Einzug in den Marktgemeinderat und eroberte vier Sitze. Einen davon gewann Michael Haslinger, der die treibende Kraft zur Gründung der ÜWB war.

Einen weiteren Sitz gewann Franz Seebauer. Der heutige Ehrenbürger der Marktgemeinde zog sechs Jahre später für die ÜWB als Erster Bürgermeister ins Rathaus ein. Der inzwischen 96-jährige Seebauer hatte es sich denn auch nicht nehmen lassen, mit seiner Gattin als Ehrengast zur Geburtstagsfeier in den Kursaal zu kommen.

Vorsitzender Peter Fischer junior hatte eingangs nach einem Sektempfang im Foyer nur wenige wichtige Daten der 50-jährigen Geschichte erwähnt, denn Vorstandsmitglied Richard Hacker hatte eigens für die Feier eine gut zehnminütige Präsentation mit Daten, Namen, Fotos und sogar alten Tonmitschnitten zusammengestellt. "Kommunalpolitik ist gar nicht so einfach", zog Fischer für sich als Fazit nach zweieinhalb Jahren im Marktgemeinderat.

Bürgermeister Jürgen Seifert attestierte der ÜWG in seinem Grußwort, ihr Ohr stets am Puls der Zeit gehabt und immer die Sprache des Volkes gesprochen zu haben. "Vor allem kleine politische Vereine haben das politische Leben nach dem Zweiten Weltkrieg extrem mitgeprägt", unterstrich Seifert die Bedeutung solcher parteiunabhängiger Gruppierungen. "Sie stützen mit ihrer Arbeit unsere Demokratie."

Dieter Kannengießer, Rosenheimer Kreisvorsitzender der freien und unabhängigen Wählergruppen, hob die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in Personen als Erfolgsgaranten solcher politischen Gruppierungen hervor. Weil sie keinerlei parteiliche Bindungen hätten, könnten sie neutrale Lösungen auf kommunaler Ebene verwirklichen. Die Unabhängigkeit der Priener ÜWG untermauerte Kannengießer auch mit dem Hinweis darauf, dass diese 1997 aus dem Landesverband ausgetreten sei, um sie sich zu bewahren.

Zusammen mit Fischer ehrte der Kreisvorsitzende langjährige Mitglieder: Klaus Schlaipfer, der auch für das reichhaltige Büfett sorgte, für zehn, Elisabeth Drexler in Abwesenheit für 20 und Ferdinand Thoma gar für 40 Jahre Treue zur ÜWG.

In der Präsentation von Richard Hacker wurde nicht nur die Rolle von Michael Haslinger als Initiator der damaligen ÜWB, sondern auch von Georg Dingler als "treibende Kraft" und "Aushängeschild" über viele Jahre deutlich. Er hatte sich für die ÜWG auch um das Amt des Ersten Priener Bürgermeisters beworben.

1963 war auf Betreiben Dinglers aus der Gruppierung ein eingetragener Verein geworden, der sich Anfang der 1970er-Jahre dann in ÜWG umbenannt hatte, um sich neben Berufstätigen auch anderen Personen zu öffnen.

1978 hatte diese ihren bis dato größten Erfolg verzeichnet, als sie bei der Kommunalwahl sechs von seinerzeit 20 Sitzen gewann. Derzeit stellt die ÜWG mit Fischer, Hans Herzinger und Michael Schlosser drei Marktgemeinderäte, die - so kam es am Ende der Präsentation zum Ausdruck - mitunter das "Zünglein an der Waage" sind.

Zu den Klängen der Berger Dirndl aus Bernau, die den Abend volksmusikalisch umrahmten, wurden noch lange nach dem offiziellen Teil lebhaft Erinnerungen ausgetauscht.

db/Chiemgau-Zeitung

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