"Semmeltasten" jetzt in Betrieb

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Die "Semmeltaste" an den Parkscheinautomaten - wie hier am Bahnhofsplatz - ist der grüne Knopf. Wer hier drückt, erhält ein 15-Minuten-Gratis-Ticket.

Prien - Die Parkzeiten im Priener Zentrum bleiben wie sie sind. Einstimmig hat der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag des Verbands Priener Unternehmer abgelehnt.

Der VPU hatte gefordert, dass Autos überall mindestens drei Stunden stehen bleiben dürfen. Dafür ist Parken seit gestern an bestimmten Plätzen für bis zu 15 Minuten umsonst, weil nun die "Semmeltaste" gilt.

Erst Ende September hatte der Marktgemeinderat eine Reihe von Änderungen verabschiedet. Die wichtigste war die Einführung der so- genannten Semmeltaste. An bestimmten Plätzen (Wendelsteinplatz und -straße, Bahnhofsvorplatz, Hochriesstraße zwischen See- und Wendelsteinstraße, Schulstraße zwischen Höhenbergstraße und Marktplatz, Parkplatz am Heimatmuseum) können Autofahrer ihre Wagen bis zu 15 Minuten kostenlos abstellen, um schnelle Besorgungen zu machen, zum Beispiel in die Apotheke gehen oder zum Bäcker (daher der Name). Nach Auskunft der Rathausverwaltung soll die Umrüstung und Beschilderung der Parkscheinautomaten mit der "Semmeltaste" in diesen Tagen abgeschlossen werden. Am Wendelsteinplatz hatte es technische Probleme gegeben.

Die bewirtschafteten Parkplätze im und um das Zentrum hatte das Gremium vor drei Monaten neu in sieben Zonen aufgeteilt. Dabei gilt das Prinzip: Je zentraler ein Parkplatz gelegen ist, desto höher die Gebühr und kürzer die Höchstparkdauer. Auch in der jüngsten Sitzung wurde mehrfach betont, dass das eigentliche Zentrum von jedem der bewirtschafteten Parkplätze in höchstens fünf Minuten zu Fuß zu erreichen sei.

Wer so zentral wie möglich parken möchte, also in der Zone 1 ("Semmeltastenbereich") zahlt nun 20 Cent pro angefangene zehn Minuten, für eine Stunde also 1,20 Euro. Wer ein paar Schritte in Kauf nimmt, kommt billiger weg. So kostet es auf dem Parkplatz westlich der Beilhackstraße je angefangene 15 Minuten zehn Cent, eine Stunde also 40 Cent und damit nur ein Drittel dessen, was auf dem Wendelsteinplatz zu bezahlen ist.

Auch die Höchstparkdauer ist gestaffelt. Auf dem Wendelsteinplatz darf kein Wagen länger als eine Stunde stehen bleiben, sonst droht ein Strafzettel. Der VPU hatte nun beantragt, die Höchstparkdauer grundsätzlich überall auf drei Stunden zu erweitern. Schriftlich begründet wurde die Forderung nicht, was aus den Reihen des Gremiums auch bemängelt wurde. Gleichzeitig hatte der VPU auch die Ausweitung des "Semmeltastenbereichs" auf die Geigelsteinstraße gefordert. Dem stimmte der Marktgemeinderat auch fast einstimmig zu. Die Umsetzung wird wegen der nötigen Umrüstung und Beschilderung der dortigen Parkscheinautomaten allerdings mindestens einige Wochen dauern.

Mehrfach wurde aber auch kritisch angemerkt, dass sich eine flächenmäßige Ausweitung des "Semmeltasten"-Bereichs und die Forderung nach längeren Höchstparkzeiten widersprechen. Denn je länger Autos stehen bleiben dürfen, desto mehr steige auch der Parksuchverkehr, wenn Stellplätze über Stunden belegt bleiben, gab Thomas Ganter (SPD) zu bedenken. Michael Anner (CSU) mahnte: "Wir beschränken die Kurzparker, wenn weniger gewechselt wird."

Zudem dürften in die Überlegungen nicht nur die Kunden des Einzelhandels einbezogen werden, sondern vor allem auch Patienten von Ärzten, die ihre Praxen im Zentrum haben. "Bei drei Stunden Parkdauer hat kein Patient mehr eine Chance, dass er irgendwo einen Parkplatz kriegt", warnte beispielsweise Dr. Ursula Stahlbusch (MDfP). Joachim Bensemann (FW) gab die langen Wartezeiten bis zur Behandlung zu bedenken. "Wer heute um 8 Uhr einen Termin beim Arzt hat, kommt um 11 Uhr dran."

Ohne große Diskussion lehnte das Gremium einstimmig das dritte Ansinnen des VPU ab - die Einführung von Parktickets, die per SMS vom Mobiltelefon aus gelöst werden können. Der finanzielle Aufwand zur Umrüstung der Automaten würde in keinem Verhältnis zum Ertrag stehen, hatte Germana Beer vom Ordnungsamt erläutert. In Bernau-Felden, wo es SMS-Parktickets seit gut einem Jahr gebe, würden nur zwei Prozent der Autofahrer diese Alternative zur Barzahlung per Münzeinwurf nutzen.

db/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser