"Social Web" im Kommen

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Fraueninsel - Schneemangel, Naturschutz und das soziale Netz beeinflussen den Tourismus: Wie stark und mit welchen Folgen? Damit setzten sich 16 Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auseinander.

Die Deutsche Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) hatte zum wiederholten Mal Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Europa zur gemeinsamen Positionsbestimmung in einem Doktoranden-Kolloquium eingeladen.

Professor Dr. Hans Hopfinger vom Lehrstuhl für Kulturgeographie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Vize-Präsident der DGT: "Wir sehen eine Reihe von großen Herausforderungen auf die Tourismuswirtschaft in Europa und weltweit zukommen. Nur wer sich dem Klimawandel stellt, neue Technologien wie das ,Social Web' berücksichtigt und offen ist für innovative Produkte, wird in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen. Wir als Forscher verstehen uns hier als Aufklärer und Wegweiser für die Akteure in der Praxis."

Die 16 Forscher beschäftigten sich am Chiemsee beispielsweise eingehend mit der Fragestellung, wie man die touristische Nutzung und den Naturschutz in Großschutzgebieten wie Nationalparks in Einklang bringen kann. Die großen Naturparks in Nordamerika machen es erfolgreich vor. Die Untersuchungen der Forscher zeigen jedoch, dass in Europa und insbesondere in Deutschland hierzu großer Nachholbedarf besteht. Hier steckt nach Meinung der Wissenschaftler großes touristisches Potenzial, das es intelligent zu nutzen gelte.

Der Themenschwerpunkt Internet zeigte eindringlich, wie stark die moderne Technologie des sozialen Netzes und das veränderte Mediennutzungsverhalten die Akteure in der Industrie beeinflussen und zum Handeln zwingen. Die neuen Möglichkeiten des ,Social Web' liefern den Reisenden neben den objektiven Informationen zudem persönliche Bewertungen und Empfehlungen, die die Reiseentscheidung stark beeinflussen. Dies erfordere von den touristischen Anbietern ein Umdenken ihrer gesamten Prozesse, ohne heute wirklich genau zu wissen, wohin die Reise geht. Auch die Forschung könne hier noch nicht endgültig Licht ins Dunkel bringen - die Teilnehmer des Kolloquiums konstatieren das Fehlen intensiver Grundlagenforschung in dieser noch recht jungen Disziplin.

Heiß diskutiert wurde der Bereich Klimawandel und seine Bedeutung für den Naturtourismus. Was werden Skiregionen tun, wenn ab den 2030er-Jahren - wie die Prognosen lauten - der Skibetrieb unter 1500 Metern erheblich eingeschränkt sein wird?

Hoch gelegene Skigebiete können den Wissenschaftler zufolge noch bis Ende dieses Jahrhunderts ausreichende bis gute Pistenverhältnisse bieten, nicht jedoch ohne kostenintensiv mit Schneekanonen und anderen Maßnahmen nachzuhelfen.

re/Chiemgau Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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