Umgehung: Chance oder Risiko?

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Obing - Die Meinungen in Obing sind gespalten: Ist eine Umgehung eine Chance oder ein Risiko? Antworten gab‘s jetzt von zwei Gemeinden, die bereits eine Umgehung realisiert haben.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus der Wasserburger Zeitung:

Umgehung: Auf Erfahrungen anderer zurückgreifen

Um die Diskussionen um das Für und Wider einer Ortsumgehung aus der Sicht von Orten zu beleuchten, die bereits eine Umgehungsstraße haben, lud die BI "L(i)ebenswertes Obing" Vertreter der Gemeinden Teisendorf und Grabenstätt ein.

Die Thematik war in den vergangenen Monaten sehr emotional zwischen der BI und der Initiativgruppe "Obinger Weg" diskutiert worden und hatte zu Verstimmungen auf beiden Seiten geführt. Die BI fürchtet, dass die Forderung des "Obinger Weges" nach einer Bemautung der Bundesstraße für Lkws und verkehrsberuhigender Maßnahmen ihr Vorhaben, möglichst schnell in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegegesetzes zu kommen, gefährden könnte. Der neue Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer hatte sich kürzlich in einem Interview mit Verweis auf die Uneinigkeit in Obing ähnlich geäußert.

Die Initiativgruppe hingegen befürchtet mit der geplanten Umgehungsstraße unwiederbringliche Eingriffe in die Natur und eine Benachteiligung der Obinger Geschäfte durch ein mögliches Gewerbegebiet an der Umgehung mit großflächigen Einzelhandelsgeschäften. Daher fordert die Initiativgruppe umfassende Gutachten, um alle Varianten für eine Verkehrsberuhigung und deren Auswirkungen für den Ort aufzuzeigen.

Der Gemeinderat hat sich jedoch gegen ein Gutachten ausgesprochen und so habe er den Auftrag, die Realisierung der Umgehungsstraße voranzutreiben betonte Bürgermeister Hans Thurner. Unabhängig davon sei Kontakt mit anderen Anliegergemeinden bezüglich eines gemeinsamen Antrags auf Bemautung der B 304 aufgenommen worden.

Mit der Informationsveranstaltung wollte die BI nun die Gelegenheit geben, bereits realisierte Ortsumfahrungen kritisch zu hinterfragen. Dazu hatte sie den Bürgermeister der Marktgemeinde Teisendorf, Franz Schießl, und die Vorsitzende des Wirtschaftskreises, Elisabeth Uxa, sowie den Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Grabenstätt, Andreas Lindlacher, eingeladen. Nach den Ausführungen der beiden Gemeindevertreter war schnell klar: Von der Idee bis zum ersten Spatenstich vergehen rund 30 Jahre und der Druck der Bevölkerung auf die Politik muss permanent und nachhaltig sein. "Wenn die Bürger etwas erreichen wollen, müssen sie ihre Kräfte bündeln und massiv für ihr Anliegen eintreten", sagte der Teisendorfer Bürgermeister. Diskussionen ermöglichten der Politik sich zurückzulehnen und abzuwarten.

Auch in Teisendorf habe es seit den 60er-Jahren emotionsgeladene Diskussionen gegeben. Landwirtschaft, Geschäftswelt und Naturschutz hätten Bedenken gegen das Vorhaben geäußert oder Umsatzeinbußen befürchtet. Doch heute könne er behaupten, dass Teisendorf durch die Verkehrsberuhigung und die damit möglich gewordene Ortskernsanierung im Rahmen der Städtebauförderung nur profitiert habe. Heute könne der Dorfplatz für Veranstaltungen und Straßencafés genutzt und der Verkehr bedarfsweise ganz ausgesperrt werden. Allerdings räumte Schießl ein, dass der Verkehr durch die Umgehung in Oberteisendorf zugenommen habe. Die Vorsitzende des Teisendorfer Wirtschaftskreises beurteilte die Situation ähnlich und merkte an, dass man sich für Oberteisendorf dem Antrag einer Bemautung anschließen sollte. Sie freute sich über die neugewonnene Lebensqualität und stellte Umsatzeinbußen nur bei den Geschäften mit Laufkundschaft fest. Dennoch müsse darauf geachtet werden, dass an der Umgehungsstraße kein Gewerbegebiet entstehe, das eine direkte Konkurrenz für die örtlichen Geschäfte bedeute, betonte Elisabeth Uxa. Dazu bedürfe es des engen Schulterschlusses zwischen Gewerbe und Gemeinde. Eine Infobucht an der Umgehung könne zudem auf das Branchenangebot des Ortes hinweisen.

Die Forderung des "Obinger Wegs" nach aussagekräftigen Gutachten unterstützte die Geschäftsfrau ausdrücklich. Professionell interpretiert, bringe das gewonnene Zahlenmaterial wertvolle Informationen auch für andere Bereiche.

Positiv bewertete auch Geschäftsleiter Andreas Lindlacher die Ortsumgehung Grabenstätts, die in zwei Abschnitten 2002 und 2006 fertiggestellt wurde. Er gab zu bedenken, dass Gewerbegebiet nicht automatisch Discounter bedeute. In Grabenstätt hätten sich viele mittelständische Firmen und Handwerksbetriebe angesiedelt und das bedeute Arbeits- und Ausbildungsplätze und nicht zuletzt auch Steuereinnahmen.

Bürgermeister Thurner verwies nochmals auf den Gemeinderatsbeschluss, wonach es in Obing keine weiteren Discounter geben werde. Derzeit werden in Obing Verkehrszählungen durchgeführt, die vom Straßenbauamt angeordnet wurden. Die Zahlen werden sowohl von der BI als auch von der IG mit Spannung erwartet.

ca/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © fkn

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