Gemeinderat: Bohrtürme unerwünscht

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Breitbrunn - Die RAG Austria will nach Erdgas suchen. Wenn sie fündig wird, soll die Förderung Ende 2013 beginnen. Der Gemeinderat sieht Probleme.

An die Vorgeschichte können sich nicht nur die Gemeinderäte gut erinnern: Vor drei Jahren hatte RWE Dea viel Unruhe in die Region gebracht, weil das deutsche Energieunternehmen mit unterirdischen Sprengungen bislang unentdeckte Erdgasspeicher aufspüren wollte. Seismische 3D-Messungen sollten über deren Lage Aufschluss geben. Speicher wurden damals zwar nicht entdeckt, doch interessierte sich die österreichische RAG, Spezialist für Rohöl- und Rohgas-Aufsuchung, für die Messergebnisse, wertete sie erneut aus und vermutet nun Erdgasvorkommen unter dem Langbürgener See. Um Gewissheit darüber zu erlangen, sind Probebohrungen erforderlich, für die das Bergamt München eine Sondergenehmigung erteilen muss.

Offenkundig hat die RAG Austria, an der die deutsche Eon zu knapp 30 Prozent beteiligt ist, die Bürgerproteste von damals aufmerksam registriert. Nun schickten sie frühzeitig Firmenvertreter nach Breitbrunn, um über das Vorhaben zu informieren. Im nördlichen Gemeindegebiet, zwischen Gattern und Zell, direkt am Rande des Landschaftsschutzgebietes und östlich der Kreisstraße RO 10, sollen zwei Bohrlöcher in die Tiefe gehen: einmal bis in 1100 Meter "Teufe", wie die Fachleute sagen, beim anderen Bohrloch wollen sie die Teufe zwischen 1800 und 2400 Meter erkunden. Doch die zweite Bohrung hat es in sich, sie geht nicht gerade abwärts, sondern soll nach 400 Metern die Richtung ändern: unter den Langbürgner See.

Oberirdisch tut sich selbstverständlich auch einiges: Der Bohrplatz wird in einer Breite von 95 mal 65 Meter betoniert, ein Entwässerungsgraben angelegt, eine Zufahrtsstraße eingerichtet, zwei Bohrtürme werden aufgestellt. Geht es nach den Wünschen der RAG, starten die Testbohrungen im ersten Quartal des nächsten Jahres - und weisen ausreichend Erdgasfunde nach. Man hofft auf 100 bis 200 Millionen Kubikmeter Gas.

In diesem Fall folgen Genehmigungsverfahren für Produktion und Leitung des Gases sowie die Installation der erforderlichen Begleittechnik. Denn das geförderte Gas muss getrocknet werden, später, wenn der erforderliche Druck von unten nachlässt, muss es außerdem verdichtet werden, damit es in die Weiterleitung gepumpt werden kann. Elektrozuleitungen und Lärmdämmungen sind nötig. Wenn für die RAG alles gut geht, beginnt die Erdgasproduktion Ende 2013.

Kirche kümmert sich um Kinderhaus

Soweit die Technik. Doch die Gemeinderäte sehen andere Probleme: Mitten in einer Zone, die aus Gründen des Landschafts- und Wasserschutzes unberührt bleiben soll, ragen Bohrtürme auf, die Ruhe ist dahin. Was aber hat die Gemeinde davon? Wie wird sie in die Entscheidung darüber einbezogen, hat sie ein Mitspracherecht? Beim Bayerischen Gemeindetag, beim zuständigen Bergamt und notfalls auch noch einmal bei dem Förderunternehmen RAG wird sich die Gemeindeverwaltung in den nächsten Wochen über Details informieren.

Die weiteren Themen der Gemeinderatssitzung enthielten deutlich weniger Sprengpotenzial. Was seit 15 Jahren bewährte Praxis ist, bekommt nun endlich einen rechtlichen Rahmen. Die Gemeinden Gstadt, Breitbrunn und Chiemsee übertrugen in einer Zweckvereinbarung der Verwaltungsgemeinschaft die Aufgabe der Führung eines Kinderhauses in Gstadt, die Verwaltungsgemeinschaft ihrerseits delegierte diese Aufgabe an die Pfarrkirchenstiftung St. Johannes Breitbrunn; alles bleibt, wie es war, aber jetzt ist es schriftlich - und einstimmig.

Einstimmig erfolgte auch der Beschluss, dass die Gemeinde Breitbrunn der Arbeitsgemeinschaft der Wasserversorgungsunternehmen in Oberbayern beitritt. Denn mit der Novellierung der Trinkwasserverordnung, die zum 1. November 2011 in Kraft tritt, wird die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften so kompliziert, dass die Wasser-Fachleute in der Gemeindeverwaltung das Know-how der Arbeitsgemeinschaft nutzen sollten.

Zum Schluss des öffentlichen Teils der Sitzung wurde es allerdings noch ungemütlich: Bürgermeister Hans Thalhauser hatte einen Brief der Bayerischen Schlösserverwaltung an den Breitbrunner Jugendclub zu verlesen. Sie beklagte sich über die mangelnde Zusammenarbeit im Vorfeld des Peterlfeuers an der Kailbacher Bucht und untersagte dem Club daher für das nächste Jahr die Durchführung. Der Gemeinderat forderte nun seinerseits den Jugendclub auf, sich zu erklären, zur Vermittlung ist er bereit.

Chiemgau Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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