Wahlen im Zeichen des Wohnheims

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Die Wände des Erdgeschosses werden derzeit beim Wohnheim des Vereins "Leben mit Handicap" gemauert. Im Hintergrund ist der große Kursaal zu erkennen.

Prien - Ganz im Zeichen des Wohnheims, das der Verein derzeit in Stauden nahe des großen Kursaals baut, stand die Mitgliederversammlung von "Leben mit Handicap".

In etwa einem Jahr sollen die ersten Bewohner einziehen. Die fünfköpfige Vorstandschaft mit dem Priener Günther Bauer an der Spitze wurde einstimmig bestätigt.

Gerade erst hat der relativ junge Verein die Marke von 200 Mitgliedern durchbrochen. Das Interesse an der Mitgliederversammlung im "Schützenwirt" im Eichental war mit 22 Stimmberechtigten bei den turnusmäßigen Neuwahlen da eher gering. Wichtige Entscheidungen zum Bau, der nahe des großen Kursaals entsteht, werden aber vor allem auch in nichtöffentlichen Sitzungen der Kommanditisten getroffen. Für das Projekt war eigens eine GmbH & Co KG gegründet worden. Und in der KG wiederum sind die Eltern der jungen Leute mit Anteilen von jeweils gut 50000 Euro, die einen der 30 Plätze bekommen werden. Damit decken die Familien rund ein Drittel der Gesamtkosten ab.

Für über vier Millionen Euro entsteht seit Ende August ein viergeschossiger Bau. In Erdgeschoss, erstem und zweitem Stock werden jeweils zehn nahezu baugleiche Zimmer mit Nasszellen geschaffen, das oberste wird ein zurückgesetztes Terrassengeschoss mit großem Gemeinschaftsraum. Ziel von "Leben mit Handicap" ist es, den überwiegend jungen Erwachsenen, die in den Wendelstein-Werkstätten oder Förderstätten arbeiten, ein weitgehend selbstständiges Leben weg vom "Hotel Mama" zu ermöglichen.

Der Weg dorthin war schwer und ist es offenbar noch. Nach langer vergeblicher Suche hatte der Verein ein 2000-Quadratmeter-Grundstück in Stauden gefunden und gekauft, mit Unterstützung von Bürgermeister und Gemeinderat Bedenken künftiger Nachbarn überwunden.

Über "viel Ärger, Frust und Freude" berichtete der Vorsitzende in seinem Rückblick. Die Schwierigkeiten bis zum tatsächlichen Bau lassen sich wohl vor allem damit erklären, dass es bisher in ganz Bayern kein vergleichbares Projekt gab und gibt. Bauer ließ durchblicken, dass die "Wohnanlage Prien" kurz vor Baubeginn noch einmal auf der Kippe stand. Denn der Bezirk Oberbayern, mit dem "Leben mit Handicap" eine Leistungsvereinbarung über die künftigen Betriebszuschüsse abschließen wollte und musste, stellte als eine der Bedingungen den Verzicht auf Belegungsrechte. Die Eltern/Kommanditisten hätten also keinen Anspruch auf einen Platz für ihr Kind gehabt.

Nun wird das Heim Bauer zufolge "rein ambulant" betrieben, das heißt, jeder Bewohner gilt als einzelner Mieter - für 4,25 Euro kalt pro Quadratmeter, wie es im sozialen Wohnungsbau festgelegt ist. Als solcher gilt das Heim, deshalb hat der Bauherr auch ein äußerst zinsgünstiges langfristiges Darlehen von der Regierung von Oberbayern bekommen. Mit den Mieteinnahmen wird der Kapitaldienst (Zins und Tilgung) bedient.

Jeder einzelne Mieter beziehungsweise Bewohner muss auch seine Betreuungs- und Pflegeleistungen, die ihm aufgrund seiner Behinderung zustehen, selbst einfordern. Bezahlt werden sie in der Hauptsache vom Bezirk, erbracht wohl vom ambulanten Pflegedienst "Mayer & Reif", sodass es in der Praxis doch eine Art Betreiber geben wird, nicht aber auf dem Papier.

Die Streitfrage, ob das Heim als stationäre oder ambulante Einrichtung betrieben werden muss oder darf, hatte zuvor schon dazu geführt, dass "Leben mit Handicap" die Vereinbarung mit dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über dessen Trägerschaft wieder stornieren musste, weil der AWO das finanzielle Risiko aufgrund der bürokratisch vorgegebenen Rahmenbedingungen laut Bauer zu groß geworden wäre.

Nun sind die Blicke der Mitglieder wieder nach vorn gerichtet. In rund einem Jahr sollen die ersten Bewohner einziehen. Laut Bauer sind 28 der 30 Plätze bereits vergeben. Ein Teil wird wohl zeitlich befristet vermietet, weil die eigentlichen Nutzer, deren Eltern Kommanditisten sind, noch nicht alt genug sind.

Die Wahl verlief unspektakulär. Vorsitzender Günther Bauer wurde ebenso einstimmig für zwei Jahre bestätigt wie seine beiden Stellvertreter Emmi Aigner aus Raubling und Günter Jegg aus Hochstätt, Schatzmeisterin Doris Räder aus Breitbrunn und Schriftführer Fritz Hefter aus Rosenheim.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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