Wasser deutlich teurer

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Prien(CH-Z) - Dieser Tage flatterten Hauseigentümern die Gebührenbescheide der Gemeinde für Trink- und Abwasser ins Haus.

Viele müssen deutlich mehr bezahlen als bisher. Am stärksten betroffen sind Besitzer von Einfamilienhäusern, weil die Grundgebühr anders berechnet wird und sich praktisch vervierfacht hat.

Im Rathaus und in der Redaktion der Chiemgau-Zeitung machten zahlreiche Hauseigentümer ihrem Ärger Luft. Auslöser ist ein Beschluss des Marktgemeinderates, der Ende März gegen die Stimmen von Alfred Schelhas (SPD), Hans Herzinger und Michael Schlosser (beide ÜWG) eine neue Gebührensatzung rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres verabschiedet hatte. Grundlage war eine Überprüfung und verbindliche Empfehlung des Kommunalen Prüfungsverbands. Die Chiemgau-Zeitung hatte seinerzeit unter der Überschrift "Frisches Wasser wird in Prien teurer" ausführlich über die neuen Tarife berichtet.

Die Gemeindeverwaltung hat gestern mit einer Presseerklärung auf die Beschwerden reagiert. "Der Grund liegt darin, dass seit mehr als zehn Jahren eine Kostendeckung der Wasser- und Kanalgebühren nicht mehr gegeben war. Entgegen einer angebrachten, moderaten Erhöhung wurden 2003 die Kanalgebühren auch noch abgesenkt. Deshalb ist bei der jetzigen Gebührenangleichung der Preissprung nach oben größer als dies hätte sein müssen", heißt es in der Presseerklärung. "Auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel in diesem Zeitraum konnte das Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsnetz nicht entsprechend unterhalten und sukzessive erneuert werden, was sich zum Beispiel mittlerweile in mehr als 100 Wasserrohrbrüchen pro Jahr ausdrückt."

Wasser und Kanal sind so genannte kostenrechnende Einrichtungen, das heißt, Gemeinden dürfen keine Gewinne, aber auch keine Verluste machen.

Der so genannte Arbeitspreis pro Kubikmeter Wasser beträgt jetzt 43 Cent (sechs mehr als bisher), die Kanalbenutzungsgebühr pro Kubikmeter Abwasser 1,29 Euro für Misch- beziehungsweise 1,22 Euro für Trennsysteme. "Im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden ist unser Arbeitspreis immer noch günstig", heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung.

Die Grundgebühr war bisher von der Zahl und Größe der Wohneinheiten abhängig. Jetzt wird sie nach dem so genannten Nenndurchfluss der verwendeten Wasserzähler berechnet und beträgt bis 2,5 Kubikmeter in der Stunde 96 Euro im Jahr. In diese niedrigste von vier Kategorien fallen Einfamilienhäuser, für die bisher - je nach Wohnlage - eine Grundgebühr zwischen 23 und 25,50 Euro erhoben wurde. Etwa 3000 Wasserzähler mit einem Nenndurchfluss bis 2,5 Kubikmeter pro Stunde gibt es im Gemeindegebiet.

Weil die Gebühren vom Marktgemeinderat rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres verabschiedet worden waren, fließt in die jetzigen Bescheide auch die Differenz zum bisher gezahlten Grundbetrag mit ein.

Bei einer Familie mit eigenem Haus geht man von einem Verbrauch von 80 bis 100 Kubikmetern Frischwasser jährlich aus. Bei 80 Kubikmetern musste die Familie in der Summe aus Grund- und Verbrauchsgebühr nach einer Beispielrechnung der Verwaltung bisher 53 Euro jährlich zahlen, jetzt werden 130 Euro fällig.

Die Grundgebühr für Kanal (Abwasser) beträgt bei Wasserzählern mit einem Nenndurchfluss bis 2,5 Kubikmeter jetzt 180 Euro.

Die Gemeinde will aufgrund der zahlreichen Anrufe Erschrockener und Verärgerter den Bürgern jetzt entgegenkommen. "Um finanzielle Härtefälle zu vermeiden, kann bei der Verwaltung ein Antrag auf Stundung gestellt werden", kündigte die Gemeinde an.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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