Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt

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Prien - Das geplante Biowärmeprojekt der Marktgemeinde hat bei seiner Vorstellung Befürworter und Skeptiker auf den Plan gerufen.

In der Diskussion ging es unter anderem um Fragen der Wirtschaftlichkeit und der Effektivität. Wie berichtet, plant die Gemeinde ein Biomasseheizkraftwerk (BHKW) samt Leitungsnetz für 13,5 Millionen Euro, das umgerechnet 3000 Haushalte mit Nahwärme versorgen kann. Nachdem ein renommiertes Münchner Büro die bisherigen Berechnungen der Planer und damit einen wirtschaftlichen Betrieb bestätigt hatten, stellten Bürgermeister und Ingenieure das Vorhaben im großen Kursaal öffentlich vor (wir berichteten).

Auch wenn konkrete Zahlen für die Kunden in der frühen Planungsphase noch fehlen und diese Daten für die Abnehmer der Nahwärme erst gewonnen werden müssen, ließen die Verantwortlichen im großen Kursaal keinen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Bürgermeister Jürgen Seifert sagte: "Gehen Sie davon aus, dass wir es so planen, dass wir es auch abbezahlen können." Er und seine Mitstreiter stützen sich vor allem auch auf positive Vorgespräche mit potenziellen Großkunden, darunter die Romed-fKlinik als Endpunkt des mehrere Kilometer langen Leitungsstrangs, und auf Vorverhandlungen mit regionalen Waldbauernvereinigungen. Diese sollen jährlich bis zu 11000 Tonnen Hackschnitzel liefern.

In der Diskussion gab Ernst Mayer zu bedenken, dass angesichts der langen Leitungswege hohe Energieverluste auf dem Weg der Wärme zum Kunden drohten. Seifert hielt dem entgegen, dass man sich im Vorfeld etwa 20 BHKW-Anlagen angeschaut habe und nannte als Beispiel eine in Südtirol, die hochwirtschaftlich betrieben werde, obwohl deren Leitungen um ein Mehrfaches länger seien. Chef-Planer Reinhard Brodrecht von der Gesellschaft beratender Ingenieure (GBI) bezifferte den Wirkungsgrad der geplanten Anlage auf "weit über 80 Prozent".

Auf spätere Nachfrage von Elke Garczyk nach Energieverlusten bezifferte Stefan Schubert vom Priener Ingenieurbüro "Kess" diese auf "vielleicht zehn bis zwölf Prozent" und damit "absolut normal". Prien habe aufgrund der vergleichsweise kurzen Leitungswege eine "sehr hohe Energiedichte".

Garczyk wollte außerdem wissen, wie viel Geld bisher in die Planung geflossen sei. Konkrete Zahlen nannte Seifert zwar nicht, aber er verwies auf die Summen in den Haushalten von 2010 (350000 Euro) und 2011 (375000), die "im Gesamtpreis enthalten" seien. Außerdem seien alle Ingenieurleistungen nach bundesweit einheitlichen, gesetzlich verbindlichen Sätzen abgerechnet worden.

Wie Ernst Mayer, der auf eine Preissteigerung für Hackschnitzel in den vergangenen fünf Jahren nach einer Fraunhofer-Studie um 70 Prozent verwies, hegte auch ein weiterer Redner Zweifel an der Versorgungssicherheit und Preisstabilität des Brennstoffs. Seifert hielt dem entgegen, dass diese Punkte in erster Linie eine Frage der Langfristigkeit der Verträge mit den Lieferanten, also der Waldbauern sei. Diese hätten bei Vorgesprächen "große Bereitschaft" gezeigt. Er sei sich sicher, dass schon in der angestrebten ersten Ausbaustufe "wir den durchschnittlichen bayerischen Arbeitspreis halten können", und der sei "günstiger als Öl und nicht teurer als Gas".

Seifert zerstreute auch die Bedenken von Hans Axenböck und einem weiteren Redner, die einen "Anschlusszwang" befürchteten, falls nicht genug Kunden freiwillig ans Nahwärmenetz gehen. In der angestrebten Betriebsform einer GmbH könnten weder das Landratsamt noch die Kommune einen solchen Zwang ausüben.

Auf die Frage von Katharina Götz nach dem zu erwartenden Lkw-Verkehr zur Anlieferung der Hackschnitzel prognostizierte Seifert in Absprache mit den Ingenieuren im Sommer zwei bis drei, im Winter maximal zehn Lkw am Tag auf der Straße, "die vom Betreiber ausgebaut wird". Im Gegenzug werde sich zudem der Verkehr durch Tanklastzüge, die Heizöl liefern, verringern.

Die Initiatoren ernteten aber nicht nur Skepsis, sondern auch Zustimmung. Für den studierten Forstwirt Christoph Bach ist "eine solche Energieinvestition die sicherste Sache der Welt". Weil nur minderwertige Hölzer für Hackschnitzel verwendet würden, werde ein BHKW zudem "unseren Wäldern helfen, zu erstarken".

Ein flammendes Plädoyer pro BHKW hielt Energieberater Bernhard Stangl aus Reit im Winkl, der dort vor 13 Jahren ein solches Bürger-Kraftwerk initiiert und geplant hatte, an dem die Kommune zu einem Fünftel beteiligt ist. Der Holzpreis sei zwar in den vergangenen Jahren tatsächlich um 70 Prozent gestiegen, der Ölpreis habe sich aber in der gleichen Zeit vervierfacht. Auch Vorbehalte wegen Energieverlusten oder die Sorge im Heizungshandwerk um künftige Arbeit seien Punkte gewesen, "mit denen wir auch kämpfen mussten. Aber unsere Heizungsbauer leben alle noch".

db/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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