Zivilcourage gezeigt: 16-Jährige hilft Schüler

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Priens Polizeichef Rudi Kick, Franziska Berneder und Klaus Daiber, Vorsitzender der Sicherheitsgemeinschaft.

Prien/Traunstein - Ein voller Bahnsteig in Traunstein. Zwei 14 und 15 Jahre alte Jugendliche schlagen auf einen Zwölfjährigen ein. Keiner hilft. Bis auf eine 16-jährige Schülerin.

Das beherzte Eingreifen der 16-jährigen Prienerin Franziska Berneder war der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei eine Ehrung wert.

Franziska wartete am 23. November vergangenen Jahres auf dem Traunsteiner Bahnhof auf den Zug. Die Wirtschaftsschülerin war nach dem Französischunterricht auf dem Weg nach Hause. Auf dem Bahnsteig waren viele Menschen, als zwei Jugendliche anfingen, auf einen kleineren und jüngeren Schüler einzuschlagen.

Es war nicht das erste Mal, dass sie es auf den Zwölfjährigen abgesehen hatten, wie sich später herausstellen sollte. Ihre Kumpels ringsum animierten die beiden sogar noch weiterzumachen. Das Duo traktierte sein Opfer mit Schlägen ins Gesicht. Andere Wartende standen da und sahen tatenlos zu. "Ein Mann hat sich sogar umgedreht und zum anderen Bahnsteig geschaut", erinnert sich die 16-Jährige.

Die jugendlichen Schläger hatten nicht mit der Zivilcourage von Franziska gerechnet, der ihre Mutter Petra Berneder einen "ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit" attestiert. Deshalb dachte die 16-Jährige nicht lange nach, bat einen anderen Jugendlichen, den sie gar nicht kannte, ihr zu helfen, und ging dazwischen. "Wenn irgendjemand was machen kann, dann sollte er es auch tun", so einfach hört sich die Begründung der 16-Jährigen an - und ist doch heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Für die gebürtige Bernauerin schon. "Ich hätte mir auch gewünscht, dass jemand eingreift", versetzte sie sich in die Lage des Zwölfjährigen. Mit Unterstützung des anderen Jugendlichen gelang es ihr, die Schlägerei zu stoppen.

Aber damit war der Fall für Franziska noch nicht erledigt. Wenig später im Zug nahm sie den Zwölfjährigen, der mit einem blauen Auge sichtbar gezeichnet war, an die Hand und stellte die beiden Täter zur Rede. Die gaben sich zunächst frech und uneinsichtig. Ihre Namen wollten sie nicht preisgeben.

Aber Franziska gelang es schnell, durch Nachfragen bei anderen Jugendlichen im Zug, die Namen und Wohnorte der Schläger herauszufinden. Direkt angesprochen, wurden diese dann merklich kleinlauter, als die 16-Jährige ihnen unmissverständlich erklärte, dass auch "Mobbing" strafbar ist.

Offenbar durch die Hilfe ermutigt, berichtete der Zwölfjährige seinen Eltern später von dem Vorfall, und die erstatteten dann Anzeige gegen die 14 und 15 Jahre jungen Rabauken.

Franziska würde jederzeit wieder genauso handeln, erzählte sie jetzt in der Polizeiinspektion (PI) Prien. Dorthin hatten PI-Chef Rudi Kick und Vorsitzender Klaus Daiber sie im Namen der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei eingeladen, um sich für das "couragierte und verantwortungsvolle Verhalten" der 16-Jährigen mit einer Urkunde und einem Geldgeschenk zu bedanken. Die Schülerin lässt sich nicht beirren, vielleicht auch, weil sie selbst vor zwei Jahren auf dem Bahnhof in Köln angepöbelt worden war und einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte. Das hat ihrer Zivilcourage keinen Abbruch getan.

Im Dankschreiben des Vereins heißt es unter anderem: "Seit dem brutalen Vorgehen von Tätern gegen den dabei ums Leben gekommenen Dominik Brunner in München-Solln wird das Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern bei solchen Vorfällen in der Öffentlichkeit diskutiert unter dem Motto ,Hinsehen statt wegschauen' oder ,Zivilcourage zeigen'. Das soll sich aber eben nicht nur auf die spektakulären Fälle beziehen. Viele Bereiche und Situationen im öffentlichen Leben bieten sich täglich als beispielhaft an, das ,Miteinander' für eine gute menschliche Gemeinschaft auch zu leben.

Ihr Verhalten hebt sich erfreulich positiv ab vom Üblichen, weil es eben nach wie vor nicht ,selbstverständlich' ist. Bemerkenswert ist, dass Sie als junger Mensch spontan so handelten, wie es von den Erwachsenen viel eher einzufordern gewesen wäre."

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser