Zivis sind unverzichtbar

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Acht junge Männer leisten derzeit ihren Zivildienst an der Romed-Klinik, dem Priener Krankenhaus. Nikolaus Prenner, Matthias Paul und Andreas Thusbaß (von links) sind drei von ihnen.

Prien - Ab 1. Juli verkürzt sich die Zivildienstzeit von neun auf sechs Monate - sehr zum Leidwesen der Einrichtungen, in denen Zivis ein fester Bestandteil des Personals sind.

Wie in anderen örtlichen Kliniken ist das auch in der Romed-Klinik Prien, dem Kreiskrankenhaus, so. Dort bedauern die Verantwortlichen die politische Entscheidung außerordentlich.

"Die Abschaffung des Zivildienstes wäre eine Katastrophe", will Doris Hoffmann gar nicht an die Auswirkungen denken, sollte die Pflicht zum Wehr- und Zivildienst ganz gestrichen werden. Zuletzt haben einige führende Politiker im Rahmen der Sparmaßnahmen laut über eine Aussetzung des Wehrdienstes nachgedacht, was auch ein zumindest vorübergehendes Aus des Zivildienstes bedeuten würde.

Hätte die Leiterin des Pflegedienstes an der Romed-Klinik freie Wahl, würde sie sich für jede Pflegestation einen zusätzlichen Zivi wünschen. Insgesamt sind es acht junge Männer, die zeitgleich ihren Zivildienst leisten - mehr erlauben die Reglementierungen des Bundesamtes für Zivildienst nicht. Fünf sind im so genannten Hol- und Bringdienst (HBD) eingesetzt, drei im technischen Bereich. Letztere kommen der Klinik in Zeiten des Umbaus gerade recht, zumal sie schon handwerkliche Ausbildungen absolviert haben. So baut Andreas Thusbaß als gelernter Schreiner zum Beispiel Einbauschränke für die Neubauten oder repariert defekte Türen. "Es steht immer was an", hat er in bisher sieben Monaten als Zivi keinen Leerlauf erlebt. Nikolaus Prenner, gelernter Landmaschinenmechaniker, kann sich in bisher zwei Monaten seines Zivildienstes ebenfalls nicht über mangelnde Auslastung beklagen. "Die Ausbildung kommt uns zugute", freut sich der kaufmännische Leiter Klaus Papke, dass die Zivis mit beruflicher Vorbildung dank ihrer Kenntnisse wertvolle Arbeit leisten können.

Matthias Paul ist einer des Zivi-Quintetts im HBD. Das heißt, sie fahren Patienten in deren Betten durch den weitläufigen Komplex, manövrieren den Essenswagen durch die Gänge und helfen auch bei Bedarf in den Stationen bei der Betreuung der Patienten mit. Paul schätzt die Erfahrungen sehr, die er im Umgang mit kranken Menschen gemacht hat. Und der junge Mann, der mit der Bundeswehr als Alternative zum Zivildienst gar nichts anfangen kann, hat auch erlebt, dass seine Arbeit geschätzt wird - von Vorgesetzten ebenso wie von Patienten.

Auch Thusbaß, der anfangs skeptisch war, wie er freimütig bekennt, blickt ausnahmslos positiv auf seine Zivi-Zeit. "Ich habe viel gelernt." Prenner pflichtet ihm bei. "Man lernt Sachen, die man im Betrieb nicht lernt." Dass der Zivildienst prägend sein kann, weiß Hoffmann gut, die die Zivis am Krankenhaus seit fünf Jahren betreut. Sie erzählt stellvertretend von einem jungen Mann, der mit dem Berufswunsch Schauspieler zum Zivildienst antrat und als angehender Medizinstudent wieder ging.

Die politisch angeordnete Verkürzung von neun auf sechs Monate bedauern die Verantwortlichen sehr, zumal die Zivis in ihrer Anfangszeit wegen vorgeschriebener Lehrgänge einige Wochen nicht zur Verfügung stehen. Außerdem bräuchten diejenigen, die mit Patienten umgehen, einen Monat, um sich auf die Arbeit im Pflegebereich einzustellen, weiß Papke aus Erfahrung. Unterm Strich bleiben also ab Juli nur etwa vier Monate (abzüglich Urlaub), in denen die Zivis im Hol- und Bringdienst das feste Personal tatsächlich unterstützen und entlasten können.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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