Zweiter Versuch für 50 Zentimeter Weg

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Prien - Wird der Uferweg zwischen Forellenweg und Stippelwerft jetzt doch verbreitert? Zumindest wagt die Marktgemeinde einen zweiten Versuch.

2009 hat die Naturschutzbehörde am Landratsamt eine Verbreiterung des Chiemsee-Uferwegs zwischen Forellenweg und Stippelwerft abgelehnt. Jetzt will die Gemeinde einen zweiten Anlauf nehmen, damit das knapp 500 Meter lange Teilstück auch wieder für Radler freigegeben werden kann, denn die Ausweichroute gilt als unfallträchtig.

Statt seenah am Schilf entlang zu strampeln, müssen Radler bei der Umrundung des Bayerischen Meeres ein paar hundert Meter vom Wasser weg den Forellenweg entlang fahren, um dann scharf nach links in einen schmalen, 150 Meter kurzen Stichweg einzubiegen, der durch eine recht unübersichtliche Kurve in den Renkenweg führt. Wer den See im Uhrzeigersinn und Sattel umrundet, wird an der "Stocker Spinne", wie die große Kreuzung nahe des Hafens wenig liebevoll genannt wird, durch Wegweiser vom See weg geleitet und gelangt durch Osternach am sogenannten Polizeisteg wieder auf den eigentlichen Uferweg.

Seit die Untere Naturschutzbehörde eine Verbreiterung des Uferwegs zwischen Polizeisteg und Stippelwerft, einen Wunsch der Gemeinderatsmehrheit und einer Bürgerwerkstatt, bei einem Ortstermin im März 2009 abgelehnt hatte, versuchte die Gemeinde mehrfach, einen Streifen Grund entlang der alternativen Stichverbindung zwischen Forellen- und Renkenweg zu bekommen. Nun erklärte Bürgermeister Jürgen Seifert die Verhandlungen endgültig für gescheitert. Beide Eigentümer (zwei Brüder aus einem anderen Bundesland, Anm. d. Red.) wollten nicht verkaufen.

Im heutigen Zustand gilt die Ausweich-Radlroute durch Osternach, vor allem durch den schmalen Weg, bei Polizei und ortskundigen Bürgern als unfallträchtig. Ella Pelzl (MDfP) wusste in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats von einer Anwohnerin zu berichten, die in der Radlsaison den Verbandskasten immer griffbereit hat.

Ende September hatte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand den Anliegergemeinden des Bayerischen Meeres nahegelegt, ihre Hausaufgaben in Sachen Neukonzeption des Chiemsee-Rundwegs zu machen, also die geplanten Maßnahmen auf ihren Hoheitsgebieten zu verwirklichen. Denn die Fördermittel der Regierung fließen nur zeitlich begrenzt.

Bürgermeister Jürgen Seifert ließ im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung zudem durchblicken, dass Hillenbrand es gerne sehen würde, wenn das knapp 500 Meter lange Stück zwischen Forellenweg und Stippelwerft wieder für Radler freigegeben würde.

Voraussetzung dafür wäre eine durchgehende - und geförderte - Verbreiterung auf 2,50 Meter, damit der Weg breit genug für Spaziergänger und Radler ist. Mit Abböschungen an beiden Seiten würde sich eine größere Gesamtbreite des aufgekiesten Bereichs ergeben. Derzeit ist der Abschnitt laut Laurentius Fischer von der Bauverwaltung etwa zwei Meter breit. Es müsste kein einziger Baum gefällt werden, betonte Seifert.

Beim Ortstermin im März 2009 war laut Protokoll von einer Breite von 3,75 bis vier Metern ausgegangen worden: mindestens 2,0 Meter Rad-, 1,5 Meter Gehweg und 0,25 Meter Trennstreifen dazwischen. Das hatten die behördlichen Naturschützer abgelehnt.

Mit den gescheiterten Grundstücksverhandlungen für Verbesserungen der Sicherheit auf der Ausweichroute und den Worten des Regierungspräsidenten im Gepäck nimmt die Marktgemeinde nun einen zweiten Anlauf - unterstützt von der Mehrheit des Marktgemeinderats. Zwar hat niemand etwas gegen eine Verbreiterung auf 2,50 Meter, aber nicht alle Mitglieder des Gremiums wollen den Radlern die Rückkehr auf die ufernahe Trasse ermöglichen. Zweite Bürgermeisterin Renate Hof (CSU) und die komplette vierköpfige Fraktion der Bürger für Prien (BfP) würden es lieber sehen, wenn im Kurort Prien dieses Stück für die Fußgänger für Spaziergänge in Ruhe reserviert bliebe.

Befürworter der Öffnung argumentierten unter anderem damit, dass ein unfallfreies Miteinander von Fußgängern und Radlern auf einem 2,50 Meter breiten Uferweg an anderen Stellen auch funktioniere. Hans Herzinger (ÜWG) nannte als ein Beispiel den Abschnitt zwischen Prien und Bernau. Auch der Gleichbehandlungsgrundsatz wurde mehrfach als Argument ins Feld geführt. Georg Fischer (CSU-Fraktion/parteilos) hatte noch einen ganz anderen Ansatz: Der Uferweg sei ein Programm, für das es Zuschüsse gebe. Rund um den See würden es die anderen Gemeinden vormachen, wie es geht, also wie man mit Fördermitteln Radwege neu baut oder ausbaut. "Und wir machen genau die beiden teuersten Stücke (die Brücken in Harras und nahe der Rimstinger Strandanlage, Anm. d. Red.) und da machen wir nichts."

Am Ende beschloss der Rat mit 18 zu fünf Stimmen, einen zweiten Anlauf zur Verbreiterung des Wegeabschnitts zu nehmen.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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