Neue Baugebiete

Ainring hat "Mammutaufgabe" zu bewältigen

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Im Anschluss an die vor einigen Jahren vollzogene Wohnbebauung am Mühlenweg in Feldkirchen wird an der Siedlung „Am Hammerbach“ weitere, bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche in der Größenordnung von 0,77 Hektar von Grundstückseigentümer Johann Hogger freigegeben. Es sollen sechs Einzelhäuser und vier Doppelhaushälften errichtet werden. Wegen der in der frühzeitigen Auslegung eingegangenen Stellungnahmen erfolgten durch den Bauausschuss Beschlüsse zum Bebauungsplan und Vollzug der 49. Änderungsabsicht des Flächennutzungsplanes.

Ainring - Eine "Mammutaufgabe", heißt es, ist die Umsetzung der neu geplanten Baugebiete in Ainring. Dass das nicht einfach wird, musste jetzt auch der Bauausschuss merken. 

Dem Wunsch, neue Baugebiete zu erschließen, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, Bauabsichten für ein Eigenheim zu verwirklichen, verschließt sich die Gemeinde Ainring nicht. Allerdings sind freie bebaubare Flächen, die nicht dem Außenbereich zugeordnet sind, nicht so ohne weiteres aus dem Ärmel zu schütteln.

In Fortsetzung der vor einigen Jahren entstandenen Siedlung "Am Hammerbach" mit schmucken Häusern im nordöstlichen Ortsteil von Feldkirchen eröffnet sich für die Gemeinde die Chance, einvernehmlich mit dem Grundbesitzer tätig zu werden. Mit dem Bebauungsplan „Feldkirchen Am Hammerbach Nord“ zeichnet sich ab, dass vorab die gesetzlichen Regelungen erfüllt werden können.

Nicht nur für die Verwaltung im Rathaus sondern auch für Behörden und Planungsbüro bedeuten solche Maßnahmen freilich eine recht zeitaufwändige Mammutaufgabe. In der vergangenen Sitzung brütete der Bauausschuss über die umfangreiche Thematik bei der Behandlung der in der frühzeitigen Auslegung eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen der 49. Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans. Um die Materie Punkt für Punkt abzuarbeiten, war der planende Architekt Wolfgang Schuardt anwesend. Er stand für eventuelle Rückfragen aus der Sitzungsrunde neben Bürgermeister und Bauverwaltung hilfreich zur Verfügung.

Sechs Einzelhäuser, Vier Doppelhaushälften

Anhand der vorliegende Bauleitplanung für die Errichtung von sechs Einzelhäusern und vier Doppelhaushälften am nordöstlichen Ortsrand von Feldkirchen gilt es, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Der Geltungsbereich umfasst im Wesentlichen das Grundstück mit der Flurnummer 1997 der Gemarkung Ainring und hat eine Größe von insgesamt 0,77 Hektar. Das Plangebiet im rechtswirksamen Flächennutzungsplan - derzeit als landwirtschaftliche Fläche dargestellt - soll wunschgemäß im Rahmen der Bauleitplanung als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden. Unter anderem gaben die Regierung von Oberbayern, Landratsamt und dessen Sachgebiete, Bayerisches Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaftsamt Traunstein, Bayernwerk, ESB Energie Südbayern, Amt für Landwirtschaft, Telekom und weitere Behörden bzw. Verwaltungen ihre Bewertungen ab.

Das Verlangen auf eine an die Umgebung angepasste Bauweise und schonende Einbindung der geplanten Neubauten in das Orts- und Landschaftsbild ist eine Forderung, die natürlich die Gemeinde in ihren textlichen Festsetzungen nachkommt und sicherstellt. Wie Sachbearbeiter Klaus Kalb erwähnte, werde hinsichtlich der Gestaltung der Baukörper eine ortsbildverträgliche Bebauung sichergestellt und im Hinblick auf die festgesetzten Durch- und Eingrünungsmaßnahmen das Neubaugebiet in die Landschaft eingebunden.

Kabelverlegung möglich

Zwischenzeitlich seien die Belange von Natur und Landschaft sowie die erforderlichen Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Vom Bauausschuss zur Kenntnis genommen wurde unter anderem, dass zur elektrischen Versorgung des geplanten Gebiets Niederspannungskabel erforderlich seien. Eine Kabelverlegung könne in der Regel nur in Gehwegen, Versorgungs-, Begleit- oder Grünstreifen ohne Baumbestand möglich sein. Sollten sich während der Baumaßnahmen Bodenauffälligkeiten ergeben, welche auf Altlasten oder ähnliches hinweise, seien sofort das Landratsamt Berchtesgadener Land und das Wasserwirtschaftsamt Traunstein zu verständigen.

Die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser müsse durch den Anschluss an das zentrale Versorgungsnetz der Gemeinde sicher gestellt werden, dabei die Leistungsfähigkeit der örtlichen Versorgungsanlagen hinsichtlich Menge und Qualität vom Versorgungsträger eigenverantwortlich zu überprüfen. Gleiches treffe in der Erfassung für die Abwässer im Trennsystem zu. Das Schmutzwasser müsse über die zentrale Kanalisation entsorgt werden. Wasserschutzgebietsbelange werden gemäß Aussage aus der Bauverwaltung durch das Projekt nicht berührt. Weil im Planungsbereich dem Wasserwirtschaftsamt zufolge keine Angaben zu Grundwasserständen vorliegen, werde die Gemeinde den aktuellen Informationsstand bei der zuständigen Kreisverhaltungsbehörde einholen.

Im Hochwasserfall könnten trotzdem erhöhte Abflüsse auftreten

Erörtert wurde in einer der Stellungnahmen, dass östlich des Erschließungsgebiets der Hammerauer Mühlbach verlaufe, westlich der Hammerbach. Beide Gewässer seien im Abfluss gesteuert und erhalten den Zufluss aus der Saalach. Ausgeprägte Hochwasserabflüsse entstünden in den ehemaligen Mühlkanälen nicht. Im Hochwasserfall der Saalach könnten trotzdem erhöhte Abflüsse auftreten. Angeraten wurde, von den Ufern der beiden Gewässer mindestes einen Abstand von fünf Meter von jeglicher Bebauung freizuhalten. Dazu zählen auch Nebengebäude oder andere feste Einbauten. Die Abstandsstreifen sollten als gesonderte Grundstücke herausgenommen und im Eigentum der Gemeinde verwaltet werden. Die Gemeinde versperrt sich diesem Ansinnen nicht: Entlang des Hammerbachs wird ein vier Meter breiter Streifen als öffentliche Grünfläche festgesetzt. Diese bleiben im Eigentum der Gemeinde und werden von der Bebauung freigehalten.

Der Empfehlung für den gesamten Ortsbereich von Feldkirchen ein städtebauliches Entwicklungskonzept zu erarbeiten, welches als Grundlage für die anstehende Überarbeitung und Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes dient, wird die Gemeinde nicht nachgehen. Eine neuerliche Auslegung wurde von den Räten übereinstimmend gebilligt. Teils identisch waren die Stellungnahmen zum Bebauungsplan, wozu auch das Tiefbauamt der Gemeinde Ainring, die Gemeindewerke und Kreisbrandrat Kaltner sowie Grundbesitzer Johann Hogger ihr Statement abgaben. Hoggers Schreiben beinhaltete zahlreiche Anregungen und Einwände zum Planentwurf. Konkret wünschte er Änderungen bei vier Parzellen und eine Änderung der Erschließung. Dazu gab Klaus Kalb bekannt, dass zwei Abstimmungsgespräche im Beisein von Johann Hogger, Architekt Wolfgang Schuardt und den Vertretern der Gemeinde stattgefunden hatten.

Über Mühlenstraße anfahren

Aufgrund der Änderungswünsche des Grundeigentümers sei der Bebauungsplanentwurf umgezeichnet worden. Diese neue Planungsvariante lieferte Diskussionsstoff im Gremium. Gegenstand der neuerlichen Planung sind geänderte Zufahrten bei den Grundstücken entlang der Mühlenstraße.Der Neuentwurf sieht vor, dass die Grundstücke dieser Parzellen über die Mühlenstraße angefahren werden. Im Zuge der Debatte zeichnete sich ab, dass der Bauausschuss diese neue Variante äußerst kritisch beurteilt. Es wird befürchtet, dass bei den neuen Zufahrten es zu gefährlichen Situationen beim Ein- und Ausfahren der Grundstücke mit dem relativ starken Verkehr auf der Mühlenstraße kommen kann.

Bei allem Verständnis für den Änderungswunsch des Grundeigentümers wurden von nahezu allen Mitgliedern des Bauausschusses Probleme hinsichtlich der Verkehrssicherheit gesehen. Speziell diese neue Planungsvariante wird deshalb nicht weiter verfolgt. Hingegen sprach sich der Ausschuss mit Ausnahme von Sven Kluba, der wegen persönlicher Beteiligung an Beratung und Abstimmung nicht teilgenommen hatte, dafür aus, den alten Planentwurf entsprechend der Abwägungen zu ändern und erneut auszulegen.

Schlosser

Quelle: BGland24.de

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