Wildtierschützer kämpfen um Hegedaten

Welche Chance hat die Gams in der Region?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Berchtesgaden - „Kartell des Schweigens zerschlagen“, so lautet der Titel einer Presseinfo, die BGLand24.de erhalten hat. Wildtierforscher fühlen sich in ihrer Arbeit behindert. BGland24.de wollte wissen warum.

„Der Umgang mit Gamswild in Bayern ist beschämend!“ Diesen Vorwurf hört man immer wieder in den Landkreisen und bei Wildtieren ist es bekanntermaßen schwierig diese genau zu zählen. Genaue Daten über Zustand und Struktur dieserCharakterart der Bayerischen Alpen sind daher in manchen Gebieten leider Mangelware. Diese Wissenslücke wollen die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller und ihre Mitstreiter in einem großen Forschungsprojekt der Deutschen Wildtierstiftung und der Universität für Bodenkultur in Wien beheben.

Jährliche Hegeschauen

 „Im Frühjahr finden landauf, landab sogenannte Hegeschauen statt. Der gesetzliche Auftrag dafür: Die Bürger müssen sich dort ein Bild vom Zustand der Wildpopulationen machen können. Da werden die Hörner der im vergangenen Jahr geschossenen Gams gezeigt und man kann hier recht einfach nachprüfen,wie alt denn die Gams in den jeweiligen Gebieten werden“, so Miller.

Hegeschau in Ainring

Auch dieJagdbehörde vom Landratsamt Bad Reichenhall veranstaltet zusammen mit der örtlichen Jägerschaft im März und April sogenannte „Hegeschauen“. Wie die Beschau genau aussehen darf, darüber ist nun, so Frau Dr. Miller: "ein erbitterter Streit entstanden." 

ZurDatenerhebung bat sie die Jagdbehörden und Kreisgruppen der Jäger um Unterstützung. "Leider", so Dr. Miller weiter, "weigern sich die bayerischen Staatsforsten inzwischenflächendeckend irgendwelche Angaben über das Geschlecht und das Alter der geschossenen Gams zu machen. Ein genauer Blick auf die Hörner könnte den Experten ermöglichen, das Alter zu bestimmen und damit zu erfahren, ob nur noch junge Tiere vor die Büchse der Förster und Jäger laufen."

Forschungsarbeiten aus der Ferne?

Die Aussage, die die Biologin dazu erhalten hat: Sie könne ja während des öffentlichen Teils der Hegeschau, in gerade mal zwei Stunden, die fast 800 Trophäen anschauen, während sie an den Wänden hängen. Das stimmte die aufgebrachte Wildtierbiologin nicht wirklich zufrieden. „Hier wird nicht nur vernünftige Forschung behindert, sondern auch die gesetzlichen Vorgaben für den Ablauf von Hegeschauen vorsätzlich unterlaufen,“ empört sich Miller. „Ein Jäger aus dem Vorstand der Jäger-Kreisgruppe, ließ sogar durchblicken, dass man nicht zimperlich sein werde, wenn ich mich nicht an die willkürlichen Regeln halte.“

Eskaliert die Hegeschau?

Nun hat sich Miller Hilfe bei den Jagdprofis aus Salzburg, Tirol und Bayern Hilfe geholt und geht gemeinsam mit dieser Truppe nach Weng. „So leicht gebe ich nicht auf! Schließlich fordern wir nur unser Recht und wir müssen rasch etwas tun, damit die Gams nicht vollständig in der Knochenmühle in Staatforst und Nationalpark zerrieben werden.“ Außerdem hat sie die Polizei gebeten Präsenz zu zeigen um mögliche Eskalationen zu verhindern. Die Gams wecken eben Emotionen!

Und auch an die Bürger erfolgt ein Appell: "Nehmt Euer Recht wahr und informiert Euch auf der Hegeschau über den Zustand des Wildes." 

Und was sagt die Jagdbehörde dazu?

BGLand24.de hat bei der Jagdbehörde nachgefragt. Nach Rücksprache mit dem Leiter der Unteren Jagdbehörde Florian Kosatschek (Geschäftsbereich Bauen und Umwelt) wurde bestätigt, dass keine detaillierten Daten, über das genaue Alter der abgeschossenen Tiere vorliegen. 

Das liegt daran, dass "wir dieTiere in Altersklassen zusammenfassen und nicht nach einzelnen Jahren. Also in Altersklassen wie Kitz, Jugend, Mittleres Alter und Ältere Tiere. Unser Ziel ist es, den Gamsbestand gesund und lebensfähig zu erhalten. Wenn nach einzelnen Jahrgängen differenziert werden soll, dann müsste die kompletten Hegerichtlinien umgestellt werden." so Kosatschek weiter. 

Ausstellungsrichtlinien beachten

Wobei Frau Dr. Miller mit ihrer Forschungsarbeit ja im Prinzip auch genau diese Daten liefern würde. Auf Nachfrage von BGLand24.de sieht er "keine Behinderung der Arbeit von Frau Dr. Miller, denn sie kann sich die Kruppen auf der Hegeschau in Ainring gerne persönlich anschauen. Allerdings" so Kosatschek weiter "kann sie diese in der Tat nicht einfach von der Wand nehmen. Allerdings nicht aus Willkür sondern aus haftungsrechtlichen Gründen

"Es gibt Jäger in unserem Kreis, denen ist es einfach nicht reicht, wenn die abgenommen werden, denn falls mal eine Kruppe herunterfällt und beschädigt wird, wer haftet dann dafür? Frau Dr. Miller könne aber gerne bis auf wenige Zentimeter an die Kruppen herangehen, um die für sie notwendigen Informationen zu erhalten."

Bei der Forstbehörde nachgefragt

Und was sagt die Forstbehörde dazu, in deren Revieren ja schließlich die Wildtiere gejagt werden? Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller sieht die Arbeit der Wildtierbiologin positiv, denn "Forschungen zum Thema Gamswild sind berechtigt", so Müller. Derartige Unstimmigkeiten sind ihm persönlich nicht bekannt, aber "die Exponate hängen auf Augenhöhe und können leicht untersucht werden". 

Frau Dr. Miller kommentierte die freundliche Aufforderung zur Untersuchung abschließend mit den Worten: "Ich freue mich, wenn ich bei der kommenden Hegeschau die Daten komplett aufnehmen kann und wenn mein Vorstoß dazu gedient hat dass in Zukunft mehr Wert darauf gelegt wird zu informieren wie sich die Wildbestände entwickeln. Dann waren es die Mühen sicher wert und ich freue mich auf die nächste Hegeschau."

Die Hegeschau findet am 9. April von 10 - 12 Uhr im Wenger Hof in Ainring statt. 

Weitere Informationen zur Gamsstudie finden sich auf www.wildes-bayern.de.

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Ainring

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser