Gemeinderat beschloss einen Antrag auf Städtebauförderung

Wird ehemaliges Ainringer Mesnerhaus  zur Asylunterkunft?

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Eine bewegte Geschichte hat der ehemalige Pfarrhof, einst Schulgebäude und Mesnerhaus hinter sich. Das sanierungsbedürftige Anwesen am Feldkirchener Dorplatz gegenüber der Marienkirche - soll, so die Absicht der Gemeinde Ainring – als Asylantenunterkunft umgebaut werden. Ein entsprechender Antrag auf Städtebauförderung in nichtöffentlicher Gemeinderatssitzung beschlossen und jüngst öffentlich bekannt gegeben, wird von der Verwaltung gestellt.

Ainring – Auf eine lange und bewegte Geschichte kann das alte Pfarrhaus am Dorfplatz in Feldkirchen zurückblicken. Einst Schulgebäude, dann Mesnerhaus und nunmehr nach Gemeinde-Antrag auf Städtebauförderung soll das Anwesen zu einer Asylunterkunft umgebaut werden.

Ob die beabsichtigten drei Wohnungen für anerkannte Asylbewerber tatsächlich realisiert werden können, steht freilich auf einem anderen Blatt, denn das Gebäude – äußerlich recht ordentlich in Schuss - müsste innen grundsätzlich saniert und umgebaut werden. Bisher diente das Mesnerhaus als Lagerstätte für verschiedene kirchenbetreffende Gegenstände.

Die Mängelliste in dem im Jahre 1771 auf Anregung von Pfarrer Ehrenreich gegenüber der Kirche errichtete Mesnerhaus ist groß: Schon seit vielen Jahren unbewohnt drang zunehmend Feuchtigkeit in die Mauern, völlig überaltert ist die Elektro- und Wassertechnik, untragbar die sanitären Anlagen. Außerdem bestehen durch schadhafte Böden und Treppenaufgang Gefahrenquellen um nur einige der Hauptmängel zu nennen, deren umfangreiche Sanierung beträchtlich ins Geld gehen.

Sollte tatsächlich eine 90-prozentige Städtebauförderung erreicht werden, ist natürlich der Antrag gerechtfertigt und die Angelegenheit überlegenswert, zumal die Gemeinde neben den bisher in Hammerau und Mitterfelden untergebrachten 60 Migranten heuer noch weitere 128 Asylbewerber aufnehmen soll. Schon deshalb ist Bürgermeister Hans Eschlberger mit seiner Verwaltung und gemeinsam mit dem Landratsamt ständig auf der Suche nach geeigneten Quartieren in allen Gemeindeteilen, auch, um zu starke Konzentration an wenigen Plätzen zu vermeiden.

Interessant ist die Historik dieses Gebäude, denn darin untergebracht war seinerzeit die Feldkirchner Schule, zunächst bestehend aus einem Zimmer. Zum Vergnügen der damaligen Schüler führte direkt am Klassenzimmer die Straße nach Reichenhall vorbei mit florierendem Salzhandel. Wie im ersten Ainringer Heimatbuch nachzulesen, ließ so mancher Fuhrmann, wissend, dass hier geplagte Kinder saßen, seine Peitsche aus Übermut just am Mesnerhaus lautstark knallen. Die Rösser wieherten und stampften und die Kinderschar rannte an die Fenster, um zu winken. Der Lehrer hatte dann wohl alle Mühe, sie wieder für den Unterricht zu gewinnen.

Wie Christel Pyka in der „Geschichte der Schule Feldkirchen“ weiter zitiert, war nach wie vor der Katechismus Lehr- und Lernaufgabe Nr. 1. Das Lesen, Schreiben und Rechnen erschien eher als Nebensache. Der Lehrer Chrysant Wallner hatte im Jahr 1800 im Dezember schwere Stunden im Angesicht des Todes zu überstehen, da plündernde Franzosen im Mesnerhaus mit Mäusegift gebackene Kekse aufaßen und sich um keinen Preis von Wallner davon abhalten lassen wollten. Natürlich war man der Ansicht, dass dies die Absicht des Lehrers gewesen war und verurteilte ihn zum Tode, da einige Soldaten sich schwer vergiftet hatten. Ein sterbender Soldat berichtete mit letzter Kraft, wie es wirklich zugegangen war, dass eben Verständigungsschwierigkeiten zu dieser verzwickten Situation geführt hatten. Der Soldat starb kurz darauf. Wallner, über Nacht ergraut, wurde begnadigt. Er durfte weiterhin Schule halten. Eine Mammutaufgabe mit alle sieben Jahrgänge in einer Klasse. Auch Johannes Eder mühte sich noch im Parterre des Pfarrhofes mit 32 Sommer und 36 Winterschülern ab. Bald aber sprengte die Zahl der Kinder das kleine Klassenzimmer und im ersten Stock baute man einen größeren Raum aus.

Zwischenzeitlich war Andreas Oellerer Schulmeister in Feldkirchen geworden und wurde zum Schuljahresbeginn, am 1. Mai 1864, von Johann Frühtrunk abgelöst. Verfolgt man die weiteren Ereignisse, so stellt man mit Erstaunen fest, dass vor über 100 Jahren schon ein recht geregelter Schulbetrieb herrschte. Die 1802 eingeführte Schulpflicht ließ die Schülerzahlen im Laufe der Jahre rasch ansteigen, auch der „Verbrauch“ der Lehrer stieg entsprechend. Christian Rubenbauer hielt als letzter Lehrer im Mesnerhaus seinen Unterricht ab. 1883 traf bei der Gemeinde ein Antrag zur Erweiterung um zwei Räume des käuflich von der Kirche zu erwerbenden Mesnerhauses ein.

Der Verwalter der Annahütte, Lorenz Tafel, wollte dagegen für die Kinder aus Hammerau, Bicheln und Bichlbruck in Hammerau ein Schulhaus haben Da damals die größten Steuerzahler bei Abstimmungen auch die meisten Stimmen hatten, konnten die Vertreter der „Gewerkschaft Hammerau“ zusammen mit einigen Gesinnungsgenossen die Abstimmung gegen den Bau zu Ende bringen. „Ein Glück!“ schreibt Lehrerin Christel Pyka in ihrem Heimatbuch-Beitrag. Denn nach einigem Hick-Hack wurde nämlich der Auftrag des kgl. Bezirksamtes vom 8. Mai 1884, ein neues Gebäude zu errichten, natürlich in Feldkirchen, einstimmig angenommen. Den Zuschlag für den Bau, dessen Kosten sich auf 22.500 Mark beliefen, erhielt Simon Kern, Bauunternehmer aus Adelstetten. Mathias Wolferstetter konnte schließlich im Spätsommer 1886 ins neue, und bis dato in seinen Mauern seit Generationen bestehende, später erweiterte Schulhaus, umziehen.

Viele ältere Ainringer Gemeindebürger werden sich erinnern: Im Jahr 1919 begann die „Ära Georg Lapper“. Mit ihm als Schulleiter kam ein frischer Wind in die Feldkirchener Schule. Neue Lehr- und Lernmethoden, welche sicher angenehme, aber wahrscheinlich auch manch unangenehme Erinnerungen bei jenen wecken, die in dieser Zeit hier in die Schule gingen. Erwähnenswert, dass wegen hoher Schülerzahlen und fehlender Räumlichkeiten sogar nochmals vorübergehend eine Klasse im alten Mesnerhaus von Hilfslehrer Sperber unterrichtet werden musste. Am 21. Juni 1939 war dann noch ein besonderer Tag für Feldkirchen, denn die „Umgehungsstraße“ – heute die B 20 – wurde dem Verkehr übergeben. Die Dorfstraße blieb zwar noch lange eine Staubstraße, aber große Gefahren für die Schulkinder waren gebannt. Mit Beginn des Schuljahres 1985/86 - also vor gut 30 Jahren – kam auf die Feldkirchener Schulfamilie ein großes Ereignis zu, denn der älteste Gebäudeteil des Schulhauses feierte hundertjähriges Bestehen. Deshalb sei hier die Auflistung der Lehrkräfte gestattet, die zusammen mit den Schülern und zum Tel mit Eltern eine würdige Feier von langer Hand vorbereiteten. Unter der Leitung von Rektor Herbert Meigel waren dies: Ute Aumüller, Manfred Huber, Siegfried Knapp, Anita Lugmair (LAA), Christel Pyka, Elke Siegert, Konrektorin, Angelika Streichsbier, Margret Sturm-Wiersig, und Michéle Wiktorin. Weiter waren für die Region zuständig: Pfarrer Anton Parzinger, Heinz Bassl, Wolfgang Scharnagel, für Handarbeit Michaela Schönsmaul und Christa Fitz.

Schlosser

Quelle: BGland24.de

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