Kollegialer Spatenstich oder "neuer Kalter Krieg"?

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Von links: MdB Bärbel Kofler, Salzburgs Verkehrslandesrat Hans Mayr, MdL Michaela Kaniber, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher.

Freilassing - Die Arbeiten fürs "dritte Gleis" haben längst begonnen, doch der Spatenstich der Politik war noch nicht getan: Genutzt wurde er aber mehr für grenzüberschreitende Giftpfeile.

Das Gezerre um die Salzach, die deutsche Pkw-Maut, der Fluglärm-Streit, der Salzburger Taxi-Boykott... die Liste der Probleme zwischen dem grenznahen Bayern und Salzburg scheint derzeit immer länger zu werden. Kreisrat Sven Kluba nannte die Situation gar einen "neuen Kalten Krieg". Beim Spatenstich für das dritte Gleis von Freilassing nach Salzburg standen zwischen den Politikern beider Regionen dann beinahe auch mehr die Konflikte im Mittelpunkt, als das Großprojekt in der Grenzstadt. Die Bauarbeiten haben derweil längst begonnen: Erst vorige Woche fanden zwischen 22 und 6 Uhr am Bahnhof wieder die "Rammarbeiten" statt - wenn auch unumgänglich: aber erholsame Nächte klingen für die Freilassinger sicher anders.

Es waren prominente Namen, die sich am Montag zum offiziellen Spatenstich einfanden: Verkehrsminister Alexander Dobrindt, MdB Bärbel Kofler, MdL Michaela Kaniber, Bürgermeister Josef Flatscher, Salzburgs Verkehrslanderat Hans Mayr sowie die Landräte Georg Grabner und Siegfried Walch. 54 Millionen Euro wird das ganze Projekt kosten - in erster Linie dient es schlicht dem besseren Verkehrsfluss über die Schiene nach Österreich. Profitieren soll nicht nur die Industrie im Chemiedreieck: Ein 15-Minuten-Takt in die Mozartstadt soll außerdem dabei herausspringen. "Die Engstelle Freilassing wird ab heute aufgelöst", fasste es Dobrindt zusammen.

Wenn der Fluglärm die Reden stört...

Doch noch bevor zu den Spaten gegriffen wurde, um sie in den eigens herangekarrten Sand zu stecken, kamen die anderen, bereits erwähnten "Baustellen" zwischen beiden Ländern wieder zum Vorschein. Salzburgs Verkehrslandesrat Hans Mayr hielt sich zuerst noch zurück: "Ich habe Verständnis für die Mautpläne, und schließlich profitieren ja auch wir dann von besseren Autobahnen in Deutschland". Doch ausgerechnet bevor er zum nächsten Thema ausholte, musste er kurz seine Rede unterbrechen: Ein Flugzeug tief über Freilassing. Trotz technischer Unterstützung wären seine Worte nicht mehr zu verstehen gewesen. "Auch wenn wir es verbessern können, es wird weiter Fluglärm über Freilassing geben", so Mayr.

Freilassings Bürgermeister Flatscher wollte und konnte das kaum auf sich sitzen lassen: "Der Lärm der Bauarbeiten wird wieder vergehen. Aber mit dem Fluglärm werden wir uns nicht arrangieren. Ich darf dabei an die Durchführungsverordung erinnern." Und Flatscher konnte sich einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen: Die Dauerbaustelle an der Münchner Bundesstraße nach Salzburg hinein. "Wenn dort, wie bei uns, auch nachts gearbeitet würde, wären der Stau und die Verkehrsprobleme zwischen den Städten vielleicht auch schneller gelöst", so der Bürgermeister.

Spaten und Bauhelme wurden anschließend wieder zur Seite gelegt, doch vor allem ab der Jahresmitte wird dann richtig losgelegt: Unter anderem wird ab Juni der bahnunterführende Teil der Reichenhaller Straße komplett gesperrt. Bis Ende nächsten Jahres werden immer wieder Voll- und Teilsperrungen notwendig sein. Bis 2017 soll alles erledigt sein. Die Freilassinger hoffen derweil, dass das absolute Verkehrschaos ausbleibt.

Fotos: Spatenstich zum "dritten Gleis"

xe

Quelle: BGland24.de

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