Langjährige Mitglieder in Freilassing geehrt

Wasserwacht leidet immer mehr unter fehlender Trainingsstätte

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Freilassing - Die BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Freilassing-Ainring leidet immer mehr darunter, dass mit dem durch die Hochwasserflut zerstörten Badylon die zentrale Trainingsstätte für die Rettungsschwimmer und Nachwuchsausbildung weggefallen ist.

Dennoch engagierten sich noch immer 23 aktive Wasserretter in der ehrenamtlichen Rotkreuz-Gemeinschaft, wobei 2015 alle neun Jugendlichen zu den Aktiven gewechselt sind; da ohne Bad kein weiterer Nachwuchs mehr da ist, wurde die Jugendgruppe vorrübergehend aufgelöst. „Wir geben dennoch nicht auf und wollen auf jeden Fall verhindern, dass die fehlenden Kinder-Schwimmkurse sich irgendwann in den Einsatzzahlen wiederspiegeln, weil sich die Buben und Mädchen nicht mehr über Wasser halten können“, betonte Ortsgruppenvorsitzender Peter Graf, der an einen Ertrinkungsunfall im Freilassinger Freibad im vergangenen Sommer erinnerte.

Erfolgreiche Wiederbelebung im Freibad 

Der Bademeister hatte ein lebloses Kind aus dem Wasser gezogen, das dann im Erste-Hilfe-Raum von der BRK-Wasserwacht erfolgreich wiederbelebt wurde. „Es ist das Schlimmste, was man sich im Wachdienst vorstellen kann, aber auch die größte Erleichterung und Bestätigung für die eigene Arbeit, wenn beim Eintreffen des nachgeforderten Landrettungsdienstes ein wieder ansprechbares und weinendes Kind zu hören ist“, sagte Graf. Das Kind durfte nach kurzer Zeit ohne bleibende Schäden die Klinik verlassen. „Dass das Kind nun zwei Geburtstage feiern kann, war nur möglich, weil engagierte junge Leute um die 20 Jahre zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren und das, was sie gelernt haben, umsetzen konnten. Buam machts weiter so, solche Erfolge rechtfertigen den ganzen Aufwand und sind die größte Motivation, für das was wir tun!“, lobte Graf, der hofft, dass alle Kinder, die eigentlich in den Wasserwacht-Kursen ausgebildet würden, anderweitig das Schwimmen lernen, „denn solche Unfälle sind vermeidbar!“

Die BRK-Wasserwacht sucht nach wie vor nach einem ortsnahen Trainingsbecken, um wieder regelmäßig Schwimmkurse und Konditions- und Techniktraining für den Nachwuchs anzubieten, hat 2015 aber bisher keinen aufgeschlossenen Badbetreiber gefunden. Graf: „Es ist unglaublich, was uns da trotz aktueller Ereignisse wie dem Ertrinkungsunfall immer noch für Steine in den Weg gelegt werden!“ Dass die Schwimmkurs-Gebühren fehlen, spürt die BRK-Wasserwacht mittlerweile auch finanziell und hofft auf Zuschüsse der Kommunen und Spenden der Bevölkerung.

188 Mitglieder, davon 23 aktive Einsatzkräfte 

Zur Ortsgruppe gehören aktuell 188 Mitglieder, davon 23 aktive Einsatzkräfte, die in der mobilen Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) mitarbeiten und in den Bädern für Notfälle bereitstehen – insgesamt haben sie vergangenes Jahr 3.045 Stunden geleistet, darunter 267 Wachstunden in den Freibädern Freilassing und Ainring. Sie mussten dort bei 75 kleinen, aber auch größeren Notfällen helfen. Die SEG war als Teil des Wasserrettungsdienstes im Landkreis bei neun Einsätzen an und in Gewässern gefordert. Neben den regulären Diensten, bei denen insgesamt 1.847 Stunden geleistet wurden, fielen für externe Aus- und Fortbildungen, Tauchgänge, Hausnotruf-Hintergrunddienst, Sitzungen, Instandhaltung und Umbauten sowie anderen Arbeiten nochmals 525 Stunden an. Die Ortsgruppe war, wie viele andere Hilfsorganisationen auch, ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft in der Sägewerkstraße gefordert. Dort fielen für die medizinische Erstversorgung sowie für organisatorische Aufgaben 521 Stunden an. Außergewöhnliche zusätzliche Arbeiten waren neben der Flüchtlingshilfe die Einführung des neuen Digitalfunks, die Aufsicht beim Feldkirchner Triathlon am Brötzner Weiher mit zwei Booten und die Ausbildung von zwei neuen Motorbootsführern.

Externe Interessierte sind immer willkommen 

„Jeden Mittwoch ab 19 Uhr findet ein Fortbildungsabend im Freilassinger BRK-Haus statt, zu dem immer auch herzliche externe Interessierte ohne Anmeldung willkommen sind. Wir üben dort alles, was wir im Ernstfall brauchen“, betonte der stellvertretende Technische Leiter, Florian Graf, Sohn von Ortsgruppenchef Peter Graf. In der Ausbildung werden neben Themen wie Funk, Notfallmedizin und Umgang mit technischen Rettungsmitteln auch praxisbezogene Inhalte wie Einsatzübungen am Gewässer, Bootsausbildungen und realitätsbezogene Fallbeispiele behandelt. Das regelmäßige Schwimmtraining der Einsatzkräfte am Sonntag und die Anfänger-Schwimmkurse sind seit der Badylon-Flut förmlich ins Wasser gefallen, wodurch die Ortsgruppe derzeit eine schwierige Zeit erlebt. Dennoch konnte die Wasserwacht 2015 in zwei Kursen in anderen Bädern immerhin 20 Kinder ab sechs Jahren zu Freischwimmern ausbilden. Darüber hinaus fanden mehrere Rettungsschwimmkurse für verschiedene Organisationen statt, aus denen neue Rettungsschwimmer hervorgingen. Die BRK-Wasserwacht verleiht dafür besondere Abzeichen; 2015 waren es 108 Seepferdchen für Freischwimmer, 52 Seeräuber, 45 Jugendschwimmabzeichen in Bronze und 25 Jugendschwimmabzeichen in Silber.

Die Jugendlichen von heute sind die Einsatzkräfte von morgen 

Jugendleiterin Barbara Kuchlbauer berichtete vom Übertritt der letzten neun Jugendlichen in den Status der aktiven Einsatzkräfte im vergangenen September; weitere Kinder und Jugendliche gibt es derzeit nicht, da mit dem Wegfall des Badylons die zentrale Trainingsstätte fehlt – eine schwierige Phase, in der die Ortsgruppe derzeit steckt. „Ich hatte mir aber gedacht, ich kann doch schlecht berichten, dass unsere Jugendgruppe derzeit aus 0 Mitgliedern besteht und keine Stunden geleistet hat, ja sogar im Moment gar nicht mehr existiert. Bei der Jugendleiterausbildung hatten wir gelernt, dass das Rote Kreuz einen Schnitt bei 25 Jahren macht, wonach Dreiviertel der Aktiven in der Ortsgruppe noch jung sind“, scherzte Kuchlbauer. Die Jungen würden sich laut Kuchlbauer tagtäglich sehr viele Gedanken über Einsatztaktik, Unterrichtsthemen, Digitalfunk und Sanitäts-Ausbildungen machen und immer bestrebt sein, alles wie die alten Hasen hinzubekommen und dadurch akzeptiert und unterstützt zu werden, auch wenn wegen mangelnder Erfahrung nicht alles gleich auf Anhieb klappt.

„Es ist eigentlich egal, was die anderen denken – ich bin stolz auf unsere motivierte Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren, die immer zusammenhält, egal was kommt, das ganze Jahr über für die Bevölkerung da ist, eine komplette mobile Schnell-Einsatz-Gruppe mit Einsatzleiter, Bootsführer, Taucher und Wasserrettern stellt!“, lobte Kuchlbauer. Dieses starke, junge Team hatte sich auch im Flüchtlingseinsatz in Freilassing bewiesen und den BRK-Bereitschaften tatkräftig unter die Arme gegriffen, obwohl die jungen Leute durch Beruf, Studium und Ausbildung ohnehin schon oft zeitlich am Limit waren. „Warum – einfach weil sie es können. Jeder trägt bei uns so viel bei, wie er gerade leisten kann und gemeinsam sind wir stark und das Ehrenamt macht trotz stressiger Zeiten immer noch Spaß!“, freute sich Kuchlbauer. Sie will versuchen, in naher Zukunft wieder Kinder und Jugendliche für die BRK-Wasserwacht zu begeistern und eine neue Gruppe auf die Beine zu stellen, „um verantwortungsbewusste, sportliche und engagierte junge Menschen zu fördern, die uns eines Tages mal ablösen, wenn wir dann selber alt sind.“

Langjährige Mitglieder geehrt 

Für langjährigen Dienst zeichneten Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer und Ortsgruppenvorsitzender Peter Graf Verena Lang (fünf Jahre), Barbara Kuchlbauer (15) und Tanja Hager (25) aus. Schierghofer, Bürgermeister-Stellvertreter Gottfried Schacherbauer, THW-Ortsbeauftragter Ulrich Hasenöhrl und Feuerwehrkommandant Harald Landwieder gratulierten den Geehrten und dankten der BRK-Wasserwacht für ihren ehrenamtlichen Einsatz.

Pressemitteilung BRK BGL

Quelle: BGland24.de

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