Mit dem Doppelrad durch die Halle

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Was man mit diesem Sportgerät alles machen kann, stellen auch die Freilassinger Rhönradturnerinnen am Samstag unter Beweis.

Freilassing - Wettkämpfe der besonderen Art werden am Samstag in Freilassing ausgetragen. Zwei Reifen, mit Querstreben verbunden und mannshoch - die Rhönradturner stellen ihre Können unter Beweis.

In der Zeit als das Ruhrgebiet widerrechtlich besetzt wurde und die Besatzungsmächte zahlreiche Beamte inhaftierten, kam auch der Eisenbahner Otto Feick in Haft. In seiner Zelle erinnerte er sich an ein Kindheitserlebnis, als er aus der großväterlichen Schmiede zwei starke Fassreifen durch Querstäbe verbinden ließ, um mit diesem Doppelrad kopfüber einen Abhang hinunter zu rollen und unten durchrüttelt und zerschunden anzukommen. In der Einsamkeit seiner Haft im Jahre 1921 entwickelte Feick den Plan, aus diesem Kinderspielzeug ein wertvolles Turn- und Sportgerät herzustellen. Aus dem Gefängnis entlassen, aber von den Besatzern des Landes verwiesen, ging er in den Heimatort seiner Frau Pauline, Schönau an der Brend. Hier eröffnete er eine Werkstatt für Metallbearbeitung. Neben den laufenden Tagesarbeiten entstand 1924/1925 nach vielerlei Versuchen das Turnrad. Seiner neuen Heimat zuliebe benannte Otto Feick seine Erfindung nicht Feick-Rad sondern „Rhönrad“.

Die schwierigste Aufgabe war für Otto Feick seine Erfindung in eine voller Sportgeräte und Sportarten strotzende Welt, die jeder Neuheit ablehnend gegenüberstand, einzuführen. Den ersten Weg nahm das Rhönrad von Schönau zunächst nach Würzburg. Hier stellte er mit Sportlern der Eisenbahner Turn- und Sportverbände eine Mustertruppe zusammen und man begann durch Vorführungen das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. 1927 wurde Otto Feick nach England eingeladen, um das Rhönrad auf den größten Bühnen Londons und vor englischen Fliegern vorzuführen. 1928 stellte Otto Feick das Rhönrad in Frankreich vor und bereiste anschließend mit seiner Gruppe fast alle Länder Europas. Die erste Reise nach Amerika trat er 1929 an, wo das Rhönrad fast zur Sensation wurde.

Aus einer Idee wurde ein Sportgerät.

Ab 1990 wurden Europameisterschaften ausgetragen. Diese wurden 1995 von Weltmeisterschaften, die im zweijahres Rhythmus ausgetragen werden, verdrängt. Neben Japan, USA, Israel, England, Frankreich, Norwegen, Schweden, Niederlande und der Schweiz sind die Deutschen Turner noch Vorreiter dieser Sportart.

Beim Rhönradturnen unterscheidet man verschiedene Disziplinen:

Geradeturnen - Das Rhönrad bewegt sich rollend auf beiden Reifen. Der Turner befindet sich dabei im Rad und bestimmt durch Körperverlagerung die Bewegungsrichtung.

Spiraleturnen - Beim Spiraleturnen bewegt sich das Rhönrad kreisförmig auf einem Reifen. Durch entsprechende Körperverlagerung hält der Turner das Rad auf der Kreisbahn und führt dabei verschiedene Übungen aus, die in einem Schwierigkeitskatalog eingeteilt sind.

Sprung - Beim Sprung setzt der Turner das Rad von außen in Bewegung. Nach einem schnellen Anlauf und dynamischen Absprung gelangt der Turner auf das Rhönrad und erreicht durch kräftigen Abdruck bzw. Absprung eine Flugphase, um am Ende sicher auf der Matte zu landen.

Paarturnen - Das Paarturnen entspricht den Grundsätzen des Geradeturnens. Die Besonderheit hier ist, dass sich zwei Turner gleichzeitig im Rad bewegen und unterschiedliche Übungen ausführen.

Synchronturnen - Das Synchronturnen entspricht vom Aufbau und der Ausführung ebenso dem Geradeturnen. Unterschied: zwei Turner turnen die gleichen Übungen möglichst synchron nebeneinander.

Der Rhönradsport entwickelte sich immer weiter.

Sie können sich am 28. November ab 10 Uhr von der Vielfalt und Schönheit des Rhönradturnens selbst überzeugen. Die Rhönradtruppe des TSV Freilassing richtet an diesem Tag zum ersten Mal die sogenannte Münchner Runde in der Turnhalle Badylon aus. Vereine und deren Turner und Turnerinnen aus dem oberbayrischen Raum werden an diesem Tag ihr Können unter Beweis stellen. Es werden die Besten in ihrer Altersklasse ausgezeichnet. Ein besonderes Schmankerl wird uns am Nachmittag vor der Siegerehrung gezeigt. Zwei Meister des Rhönradturnens werden uns mit ihrer Vorführung „Phantom“ ein Schauspektakel der besonderen Art bieten.

Quelle: BGland24.de

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