Ein Dorf packt es an

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Freilassing/Teisendorf - Während in anderen Orten die richtigen Ansätze für eine Energiewende zerredet werden, schafft die „Nahversorgung Wimmern GbR“ Tatsachen.

Freilassings Grüne/Bürgerliste informierte sich vor Ort über das Leuchtturmprojekt im Berchtesgadener Land. „Siebzig Prozent der benötigten Wärmeenergie für alle Haushalte im Dorf werden seit kurzem vom neuen Hackschnitzelheizwerk abgedeckt“, stellt Mitinitiator Helmut Thanbichler freudig fest. „ Die Hälfte der Haushalte haben sich am Nahwärmewerk beteiligt und je 15.000 Euro investiert. Für 4,53 Cent erhalten sie eine Kilowattstunde Wärme“.

Diese saubere und komfortable Energie haben sich die Gesellschafter mit viel Eigenleistung erarbeitet. Alle haben beim Bau des Heizhauses und bei der Verlegung des Nahwärmenetzes mitgearbeitet .“Dies schweißt die Dorfgemeinschaft noch mehr zusammen und spart zusätzlich notwendige Ausgaben“, berichtet der auch als Kassier fungierende Berufsschullehrer.

200 kW Leistung hat das Hackschnitzelwerk und versorgt derzeit neun Haushalte ganzjährig mit Wärmeenergie, die 75 Grad heiß im Wärmenetz an die Haushalte geliefert wird. Die Leitungsverluste liegen lediglich bei knappen 0,7 Grad. Bedarfsgerecht wird mittels modernster Wärmetauscher die Nutzung der Fernwärme mit der hauseigenen Solaranlage geregelt. Der Jahresbedarf von ca. 350 Kubikmeter Waldhackschnitzel wird von den Mitgliedern der Nahversorgungsgemeinschaft selbst aufgebracht und zu den aktuellen Marktpreisen an die GbR verkauft. „Somit bleibt das Geld im regionalen Wirtschaftskreislauf und fliest nicht zu den Ölbaronen ab“, freut sich Thanbichler. Würde man anstatt Hackschnitzel Erdöl einsetzen, würden 70-80 Tonnen Kohlendioxid mehr in die Atmosphäre geblasen.

Wir können wieder ruhiger schlafen

Die Wimmerer haben nicht nur ihre Energieversorgung lediglich auf Hackschnitzel umgestellt, sie sparen mit der gemeinsamen Versorgung auch kostbare Energie. Außerdem könnten auch verschiedene Dämmmaßnahmen innerhalb von drei Jahren von der KfW –Bank mit einem besonderen Kredit gefördert werden, z. B. alte Fenster durch neue ersetzt werden, berichtet der Kassier.

„Noch ist es zu früh, eine gesamte Jahresbilanz zu erstellen, aber die Tendenz bestätigt unsere Erwartungen. So hat beispielsweise ein Nutzer seinen bisherigen Energieverbrauch dank des modernen Werkes um ein Drittel gesenkt." Kreis- und Stadträtin Elisabeth Hagenauer freut sich über den Erfolg der Initiative. Diese setze Maßstäbe und packe die Chancen beim Schopf. „Selbstverständlich kann sich eine kleine Dorfgemeinschaft leichter organisieren als eine Stadt, hier müssen eben die gewählten Vertreter das Zepter in die Hand nehmen. Verantwortung tragen alle, gleich ob Stadträte, Aktivisten aber auch Gegner. Klima und Natur können nicht ewig geplündert und belastet werden,“ ist sie sich mit Thanbichler einig. Dieser findet, gerade die Ölkatastrophe vor Amerikas Küste mache wieder deutlich, dass es Zeit wird, endlich zu handeln. „Wir in Wimmern können diesbezüglich wieder etwas ruhiger schlafen“, meint der Vater von drei Kindern, „denn für diese und deren Nachkommen tragen wir allein die Verantwortung“.

Pressemitteilung Grüne/Bürgerliste

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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