Durch Einsparung weniger produzieren

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Sie gestalteten mit ihren Referaten die Tagesordnung bei der SPD-Kreisversammlung am Mittwoch in Waging, von links Kreisrat Michael Mayer, Kreisvorsitzender Dirk Reichenau und der SPD-Ortsvereinsvorsitzende von Kirchanschöring, Peter Aumeier.

Waging - Energie war das Thema bei der jüngsten SPD-Kreisversammlung. Dabei ging es weniger um die große Politik, als um praktische Tipps für Umwelt und Energieeinsparung.

Kreisrat Michael Mayer aus Ruhpolding stellte das Energiekonzept des Landkreises vor, und SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau aus Tittmoning erinnerte daran, dass sich die SPD auf Bundesebene schon seit langem konsequent für eine Abschaltung von Atomkraftwerken eingesetzt habe.

Bezirkskaminkehrermeister und Energieberater Peter Aumeier meinte zu Beginn seiner sehr praktischen Ausführungen, gerade jetzt, wo der Herbst ins Land ziehe und das Heizen wieder los gehe, wäre er froh, wenn jeder der Anwesenden wenigstens ein, zwei praktische Tipps mit nach Hause nehmen würde: „Dann wäre schon viel gewonnen.“ Denn wenn mehr eingespart würde, dann müsste wesentlich weniger Energie produziert werden.

Thema eins betraf die Wärmedämmung von Häusern. Wer es sich leisten könne, sollte in Dämmung investieren. Bei Häusern aus den 80er Jahren könne man dadurch bis zu 46 Prozent einsparen, sagte Aumeier. Sinnvoll wäre auch der Austausch alter Fenster; dabei sei aber zu beachten, dass die Fenster nie besser sein sollten als die Wand: „Sonst gibt’s Schimmel.“ Begehbare Speicher und Kellerdecken sollten dringend gedämmt werden, zumal dies - etwa mit 20 Zentimetern Steinwolle und einer neuen Beplankung - auch für Heimwerker relativ einfach machbar wäre.

Aumeier wollte seinen Zuhörern Tipps an die Hand geben, „die ihr morgen schon umsetzen könnt, ohne viel Geld auszugeben. 18 bis 20 Prozent Einsparung sind in jedem Haus locker da.“ Eine Schwachstellenanalyse würde sich lohnen - etwa mit der Frage: „Wo ziehts immer durch?“ Dafür könnte man eventuell auch einen Schreiner durchgehen und die Fenster wieder so einstellen lassen, dass sie richtig dicht schließen. Hohes Augenmerk sollte man auch auf Rolladenkästen richten, da diese oft Kältebrücken seien.

Viel Einsparungspotential gebe es naturgemäß bei der Heizungsanlage. Mit einer neuen Heizung könnten sofort 25 Prozent an Energie eingespart werden, sagte Aumeier. Auch die Rohre sollen richtig gedämmt sein, sonst habe man im Heizungskeller einen „teuren Wäschetrockner“. Sparen könnte man auch mit neuen Umwälzpumpen. Zirkulationspumpen, die dafür sorgen, dass man schnell warmes Wasser hat, seien zumeist Energieverschwendung. Zeitschaltuhren sollten richtig eingestellt sein; das hätte oftmals einen sehr hohen Effekt. Denn durch richtige Nachtabsenkung lasse sich viel Energie sparen. Thermostatventile sollten nicht von Möbeln oder Vorhängen verstellt sein. Damit, so meinte Aumeier abschließend, sei er „die größten Sünden durchgegangen“.

Michael Mayer meinte in seinem Vortrag, auch die SPD habe sich aktiv mit eingesetzt für das Klimaziel des Landkreises, bis zum Jahr 2020 beim Strom autark zu sein: „Wenn jeder ein bisserl mittut, dann haben wir gute Chancen, dass wir’s zusammenbringen. Wenn sich bei uns der Euro einige Male umdreht, ist es besser, als wenn er ins Ausland geht.“ Er informierte darüber, dass das Landratsamt am 15. Oktober eine kurze Einstiegsberatung zur energetischen Sanierung durch einen Energieberater anbietet.

Dann ging er die einzelnen Möglichkeiten zur Stromerzeugung durch. Viele Reserven steckten noch in der Wasserkraft, meinte. Wenn sich an Salzach das Fließgewässerkraftwerk durchsetzen ließe, wäre das hervorragend, vorhandene Anlagen müssten in ihrer Effizienz gesteigert werden. Beim Biogas sei es schade, dass die dabei produzierte Wärme zu wenig genutzt werden könne. Als „großen Meilenstein, wenn das hinhaut“, sieht Mayer die Geothermie, mit der derzeit in Traunreut begonnen werde. Mit Photovoltaik „sind wir ganz gut im Landkreis, vor allem wegen privater Initiativen“, fasste Mayer zusammen.

Etwas schwieriger sei es mit der Windkraft: „Überall passt es halt nicht.“ Ob sich allerdings die derzeitigen Windkraftausschlussgebiete auf Dauer so halten ließen, sei eine andere Frage. Allerdings seien Windräder in reinen Tourismusgebieten vielleicht nicht das Schönste. Dazu kam aus dem Publikum die Entgegnung: „Ein Teich für eine Beschneiungsanlage oder Skilifte sind auch nicht schön. Da gefällt mir ein Windradl besser.“ Altbürgermeister Horst Meier aus Altenmarkt meinte dazu, jede Gemeinde kenne ihr Gebiet am besten und müsste sagen, wo es am besten passt. Die jetzigen Ausschlussgebiete seien nur ein Alibi dafür, dass sich Gemeinden nicht damit zu befassen brauchen. Allerdings solle, wie es hieß, die Karte der Ausschlussgebiete nach dem Willen der Staatsregierung jetzt neu erstellt werden. Abschließend zeigte Mayer eine Statistik, aus der hervorging, dass derzeit 450 GWh aus regenerativen Energie erzeugt werden. Für das Jahr 2020 müssten 740 GWh produziert werden - „ein sportliches Ziel“, meinte er dazu.

Dirk Reichenau hatte in seiner Einführung festgestellt, dass die Energiewende, wenn sie sich durchsetzen solle, in den Gemeinden und Landkreisen geschehen müsse. Bei der SPD auf Bundesebene gebe es schon seit 1979 Parteitagsbeschlüsse, aus der Atomenergie auszusteigen, weil sie nicht beherrschbar sei. Waltraud Wiesholer-Niederlöhner hob hervor, das der Landkreis eine Menge bei Gebäudedämmung gemacht habe, und das, obwohl der Landkreishaushalt im Moment relativ schwierig sei. Allerdings würden die Kosten auf die Mieter umgelegt. Deshalb müsse man genau hinschauen, ob sich die Leute das auch noch leisten können. In Hinblick auf das Referat von Aumeier meinte sie, der Landkreis sollte vielleicht ein Heftchen herausgeben, wie sich Mieter im kleinen Bereich und ganz einfach Kosten sparen können.

he

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