Jahreshauptversammlung 

Bergwacht Freilassing blickt auf turbulentes Einsatzjahr zurück

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Freilassing – Freud und Leid liegen oft sehr eng beinander: Die Bergwacht Freilassing hat bei ihrer Jahreshauptversammlung im BRK-Haus auf ein arbeitsreiches und auffällig turbulentes Jahr 2015 zurückgeblickt:

Die Bergwacht Freilassing hat bei ihrer Jahreshauptversammlung im BRK-Haus auf ein arbeitsreiches und auffällig turbulentes Jahr 2015 zurückgeblickt, das mit der Einweihung der neuen Höhlenrettungswache in Mitterfelden, aber auch dem besonders tragischen, tödlichen Steinschlag-Unfall einer Salzburger Kollegin im Untersberg mit sehr intensiven Gefühlen verbunden in die Chronik der Rettungsorganisation eingeht. Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch, sein Stellvertreter Thomas Klein, Kassenwart Niko Magg, Ausbildungsleiter und Hüttenwart Thomas Läpple und der neue Höhlenrettungschef Rudi Hiebl berichteten von Einsätzen, Übungen und Ausbildungen, zeichneten mit Hermann Huber, Walter Bartl und Guido Fick langjährige, verdiente Bergwachtmänner aus und nahmen die ehemaligen Anwärter Johannes Buckel, Fabian Ehrler, Beni Hiebl und Thomas Maier als neue, fertig ausgebildete Einsatzkräfte in die Gemeinschaft auf.

Vier junge Anwärter absolvieren erfolgreich umfangreiche Ausbildung 

Die Bergwacht Freilassing zählt aktuell 53 Mitglieder, davon 23 aktive Einsatzkräfte, fünf Anwärter, 25 Inaktive sowie 195 Förderer, die die BRK-Gemeinschaft finanziell mit einem jährlichen Beitrag unterstützen und dadurch unter anderem vom kostenlosen BRK-Ausland- und Inland-Rückholdienst profitieren. Nachwuchssorgen haben Siegried Fritsch und sein Team trotz der hohen zeitlichen Anforderungen keine, denn für junge Bergsteiger ist die Bergwacht wegen der umfangreichen Ausbildung und außergewöhnlichen Einsätze sehr attraktiv und bereichernd: Mit Johannes Buckel, Fabian Ehrler, Beni Hiebl und Thomas Maier haben jüngst gleich vier Anwärter die komplette Ausbildung zur aktiven Einsatzkraft im Bergrettungsdienst absolviert und alle Prüfungen erfolgreich bestanden. Fabian Ehrler und Thomas Maier bekamen ihren Bergwacht-Ausweis überreicht; Johannes Buckel und Beni Hiebl waren wegen Studium und Arbeit bei der Jahreshauptversammlung verhindert. „Wir freuen uns immer über Nachwuchs; wer Interesse hat ist herzlich willkommen und soll einfach bei den Dienstabenden am Donnerstag vorbeikommen“, betonte Fritsch.

Mit Spezialisten für unterschiedlichen Szenarien gewappnet 

Fritsch schilderte anhand exemplarischer Einsätze das breite Aufgabenspektrum seiner Bereitschaft, die vor allem dann mit ihren Stärken punkten kann, wenn der Hubschrauber wegen schlechtem Wetter nicht fliegen kann oder spezielle Qualifikationen benötigt werden, darunter der tödliche Höhlenunfall am 7. Juli im Untersberg, diverse Pistenunfälle am Götschen und mehrere Bergrettungen am Hochstaufen, an der Törlschneid im Lattengebirge, auf der Reiter Alpe und am Predigtstuhl-Waxriessteig. In Freilassing und Mitterfelden ist auch die Höhlenrettungswache der Bergwacht-Region Chiemgau stationiert, die aufgrund der großen Einsätze 2014 im Untersberg und im Tennengebirge weltweit Aufmerksamkeit und Anerkennung erfuhr und damit aus ihrem ehemaligen Schattendasein ins Rampenlicht gerückt ist. Darüber hinaus hilft die Bergwacht Freilassing mit den Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger im Einsatzleitbereich Saalachtal bei regulären Bergwacht-Einsätzen verletzten, erkrankten und in Not geratenen Bergsteigern, engagiert sich im Pistendienst am Götschen und am Jenner und sichert Ringsportveranstaltungen in Anger sanitätsdienstlich ab.

Für all diese Aufgaben verfügt sie über ein breites Repertoire an Spezialisten und ist damit auf ganz unterschiedliche Szenarien gut vorbereitet: Zur Mannschaft gehören zwei Ärzte, drei Rettungsassistenten und zwei Rettungssanitäter, acht Einsatzkräfte haben mittlerweile beide Module der Höhlenretter-Ausbildung absolviert, zwei sind als Einsatzleiter geschult, weitere sechs in Ausbildung, ein Bergwachtmann engagiert sich im Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht, weitere Einsatzkräfte wirken im so genannten Technik-Team der Bergwacht-Region (Erkundungs- und Einsatzleitfahrzeug mit Spezialtechnik) mit und einer ist Naturschutz-Fachberater, wobei 2015 auch 153 Naturschutzstreifen geleistet wurden. 2016 ist die Bergwacht Freilassing neben ihrer regulären Arbeit vor allem durch die Einführung des Digitalfunks gefordert. Nach rund 14 Jahren bekommt Freilassing auch ein neues Einsatzfahrzeug.

Zwölf Ausbilder halten die Mannschaft fit für alle Einsatzlagen 

Thomas Läpple und Rudi Hiebl kümmern sich mit einem Team aus aktuell zwölf eigenen Ausbildern mit verschiedenen Spezialgebieten darum, dass die Bergwacht Freilassing für unterschiedlichste Einsatzlagen gut vorbereitet ist; darüber hinaus waren 2015 Experten anderer Bereitschaften für spezielle Themen bei den insgesamt 24 Fortbildungsveranstaltungen eingeladen. Themen waren unter anderem Bergrettung im Sommer und Winter, eine Eisausbildung auf der Plauener Hütte, Lawinen und Wintersport, Notfallmedizin, Hubschrauber-Einsätze mit Rettungstau und Winde, Funk, Orientierung im Gelände, ein Wiederbelebungstraining sowie Naturschutz und Fahrzeugtechnik. Zusätzlich dazu fanden diverse Fachfortbildungen für Spezial-Einsatzkräfte und ein umfangreiches Ausbildungsprogramm für die neun Anwärter statt, um sie in den Fachgebieten Sommer- und Winterrettung, Notfallmedizin, Hubschrauber und Naturschutz fit für die Prüfungen zu machen. Florian Kronawitter qualifizierte sich in einer achttägigen Sonderausbildung zur KID-Fachkraft und absolvierte eine zweitägige KID-Ausbilder-Fortbildung.

Jahreshauptversammlung der Bergwacht Freilassing

Ein neues Dach und diverse Upgrades für die Seeleinsee-Diensthütte 

Läpple ist nicht nur Ausbildungsleiter, sondern auch der Nachfolger von Hans Putzhammer als Hüttenwart der Diensthütte am Seeleinsee. 2015 wurde in aufwendigen Arbeitseinsätzen und Trage-Aktionen unter anderem das in die Jahre gekommene Dach neu eingedeckt. Läpple dankte dafür Dachdeckermeister Manfred Schmid und der Dachdeckerei Arno Huber für das gespendete Material und die kostenlose Arbeit sowie allen Trägern und Helfern für ihren unentgeltlichen Einsatz. Für das Notruf-Telefon an der Hütte wurden neue Gel-Batterien installiert, außerdem musste wegen Schimmel im Schlafraum und im Notlager die sehr dichte Isolierung angepasst und mit neuen Materialien mehr Luftdurchlässigkeit gewährleistet werden. „Jetzt kann die Luft wieder zirkulieren“, freut sich Läpple.

Über 37.500 Euro eingenommen und über 30.000 Euro ausgegeben 

Kassenwart Niko Magg berichtete von über 37.500 Euro an Einnahmen und über 30.000 Euro Ausgaben im vergangenen Jahr. Mit fast 14.000 Euro gingen rund dreimal so viele Spenden wie im Vorjahr und zigmal so viele wie gewöhnlich ein, was vor allem an der überregionalen Aufmerksamkeit durch die großen Höhlen-Einsätze 2014 liegt. Rund 4.000 Euro sind Förderbeiträge, fast 8.000 Euro Zuschüsse und Erstattungen der Bergwacht Bayern und über 10.000 Euro Einsatzentschädigung des Landkreises, darunter eine sehr große Finanzspritze der Bürgerstiftung. Das Geld hat die Bergwacht sinnvoll investiert; unter anderem wurden fast 10.000 Euro für Einsatzkleidung, über 7.000 Euro für Ausrüstung und Geräte, rund 2.400 Euro zusätzlich zur staatlich finanzierten Ausrüstung für die Höhlenrettung, 1.600 Euro für die Ausbildung und 1.200 Euro für medizinischen Bedarf verwendet. Die Versicherungen kosteten über 2.600 Euro, die Raum-Instandhaltung und Nebenkosten für die Wachen in Freilassing und Mitterfelden fast 2.300 Euro, der Fahrzeug-Unterhalt schlug mit über 1.900 Euro zu Buche und über 1.100 Euro waren für Verwaltungs- und Telefonkosten sowie Ehrungen notwendig. Für finanzielle Planungssicherheit ist die Bergwacht vor allem auf treue, langjährige Fördermitglieder angewiesen, die aus Altersgründen mit der Zeit immer weniger werden. Fritsch warb für eine Mitgliedschaft, da vor allem reisefreudige junge Leute dadurch auch vom kostenlosen Ausland- und Inlandrückholdienst des BRK profitieren.

Neuer Höhlenrettungschef Rudi Hiebl zieht seine erste Bilanz

Am 17. Oktober wurde mit einem großen Festakt die neue Höhlenrettungswache in Mitterfelden feierlich eingeweiht, wobei der bisherige Höhlenrettungschef Peter Hogger seine Aufgaben nach acht Jahren intensiver Aufbau-Arbeit an seinen bisherigen Stellvertreter Rudi Hiebl übertrug. Hiebl zog nach einem halben Jahr eine erste sehr positive Bilanz und führt das Projekt nach dem Motto „von anderen lernen, Erfahrungen weitergeben“ in enger Vernetzung mit Partner-Organisationen in Bayern und Salzburg weiter in die Zukunft: Aktuell besteht die Chiemgauer Gruppe aus 21 aktiven Höhlenrettern, die inzwischen fast alle Einsatzerfahrung haben, davon vier Rettungsassistenten und zwei Rettungssanitäter, zwei mit Spreng-Berechtigung und zusätzlich zwei höhlentaugliche Ärzte. Die Mitglieder kommen aus den Bergwachten Freilassing (13), Berchtesgaden (5), Marquartstein (2) und Bergen (1). Neun haben das Ausbildungsmodul 1, 14 auch das zweite Ausbildungsmodul absolviert. „Unsere interne Ausbildung orientiert sich an diesen beiden Modulen und bietet deshalb auch einen optimalen Stand“, erklärte Hiebl. Die neue Wache in Mitterfelden ist hoch genug für Einseiltechnik-Übungen und Ausbildungen, Stellplatz für den Höhlenrettungsanhänger und das Einsatzfahrzeug und mit der Almhütte auch ein Platz für Nachbesprechungen und gemütliches Beisammensein. 2015 wurden die Material-Fehlbestände aus den großen Einsätzen ergänzt, wobei auch mehrere sehr hochwertige Scurion-Höhlenforscher-Stirnlampen gekauft wurden.

Flotte Truppe, aber der lange Atem fehlt noch 

2015 wurden die Freilassinger Höhlenretter zu zwei Einsätzen alarmiert: Am 7. Juli konnte eine Salzburger Kollegin nach einem Steinschlag in einer bisher namenlosen Höhle im Untersberg nur mehr tot geborgen werden; die Frau war 2014 bei der Rettung im Riesending tagelang an vorderster Front im Einsatz. Am 13. September wurden die Freilassinger zur Unterstützung der Salzburger zum Raitlloch in der Osterhorngruppe bei Kuchl angefordert, wo eine, abgestürzte, verletzte Höhlenforscherin Hilfe brauchte, aber von Begleitern bis zum Ausgang gebracht und dort der Bergrettung übergeben werden konnte. „Wir sind eine flotte Sturmtruppe, aber der lange Atem fehlt uns noch“, meinte Hiebl, der deshalb in Zukunft die Logistik für aufwendige Einsätze innerhalb und außerhalb der Höhle weiter stärken, Material wie die Trage verbessern und die Ausbildung noch mehr vertiefen will. Schwerpunkte sind dabei internationaler Erfahrungsaustausch, Wasser- und Kameradenrettung und die eigenen Grenzen und die Belastbarkeit in einem psychischen und körperlichen Training bei Enge, Nässe, Tiefe und Kälte kennenlernen.

Internationaler Erfahrungsaustausch 

Fortbildungsschwerpunkte waren 2015 fünf technische und medizinische Ausbildungen wie Gesteinsbearbeitung, der Höhlenfunk „Cavelink“, Einseiltechnik, lösbare Verankerungen, Gegenzug-Methode, Höhlentelefon, Tragentransport, Seilbahnbau, Flaschenzüge, Materialprüfung und Wärmeerhalt. Darüber hinaus fanden zwölf Höhlentouren mit konkreten Einsatz-Aufgaben statt, unter anderem in der Adventshöhle im Müllnerhörndl, im Untersberg-Nixloch, im Hauslloch, im Kühlloch, im Feuchten Keller, im Untersberg-Riesending (mit drei Forschern wurden alle Seileinbauten vom Rettungseinsatz abgebaut und herausgebracht), in der Gutortenbrandhöhle und in der Brunneckerhöhle – zwei davon mit polnischen Berg- und Höhlenrettern. Die Freilassinger sind dabei eng mit anderen vernetzt und ständig unterwegs und im Austausch, sei es mit der Salzburger Höhlenrettung, der gesamten Bergwacht-Region Chiemgau und ihren Spezialeinheiten, den bayerischen Höhlenrettungswachen Samerberg, Murnau und München oder auch bei nationalen und internationalen Treffen von Höhlenrettern. 2015 waren sie als gefragte Referenten bei zwei Treffen des Höhlenrettungsverbunds Deutschland (HRVD), einem internationalen Treffen in der Schweiz, der Jahrestagung des Verbands deutscher Höhlen- und Karstforscher (VdHK), drei weiteren Vorträgen bei verschiedenen nationalen und internationalen Tagungen der Grubenwehr. Im November nahm Siegi Fritsch stellvertretend für alle Höhlenretter bei der Jahreshauptversammlung des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Hamburg das Grüne Kreuz als Anerkennung für die unglaublichen Höhlenrettungen entgegen. Zu Ostern 2016 besuchten sie ein internationales Treffen in Triest, wobei Hiebl bei der Jahreshauptversammlung beeindruckende Bilder von den Touren in der dortigen Unterwelt präsentierte.

Verdiente Bergwachtmänner ausgezeichnet 

Bereitschaftsleiter Siegi Fritsch und sein Stellvertreter Thomas Klein zeichneten mit Hermann Huber (60 Jahre), Walter Bartl (40 Jahre) und Guido Fick (25 Jahre) drei langjährige, verdiente Bergwachtmänner mit dem goldenen und silbernen Ehrenzeichen der Bergwacht Bayern aus. Bürgermeister-Stellvertreter Gottfried Schacherbauer, der Landesleiter-Stellvertreter der Salzburger Höhlenrettung, Gernot Salzmann, Landeseinsatzleiter Wolfgang Gadermayr vom Landesverein für Höhlenkunde Salzburg, der Reichenhaller Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger und der Teisendorfer Bereitschaftsleiter-Stellvertreter Robert Reiter lobten die Freilassinger Bergwacht für ihre außergewöhnlichen Leistungen und dankten für die gute Zusammenarbeit. „Ihr seid bestens aufgestellt! Wir sind stolz, dass wir so eine starke Nachbar-Bereitschaft haben“, lobte Burger.

Pressemitteilung BRK BGL 

Quelle: BGland24.de

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