Flüchtlingssituation in Salzburg und Tirol

Salzburg schließt Notquartier in Tiefgarage

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Instruiert von den Dolmetschern warten die Flüchtlingen in Gruppen auf die Bebänderung, doch die Schlange wird immer länger.

Freilassing - Die Flüchtlingssituation ist sowohl in Salzburg als auch in Tirol nach wie vor angespannt, aber das Chaos ist abgewendet. Jetzt wurde in Salzburg sogar ein Notquartier geschlossen:

UPDATE, Freitag, 13.25 Uhr:

Knapp 1.000 Flüchtlinge befanden sich am Freitagmittag in der Notunterkunft in der Sägewerkstraße in Freilassing und warteten auf ihren Weitertransport in Erstaufnahmeeinrichtungen im Bundesgebiet. Damit ist die aktuell in Freilassing verfügbare Aufnahmekapazität in dem ehemaligen Möbellager fast ausgereizt.

Zwei von Freilassing abfahrende Sonderzüge der Deutschen Bahn sind für den Nachmittag bzw. um Mitternacht geplant. Die Bundespolizei kann weiterhin bis zu 50 Personen pro Stunde in einem geordneten Verfahren am Freilassinger Saalachwehr übernehmen, während in Salzburg derzeit nach aktuellen Erkenntnissen der Bundespolizei etwa 2.000 Flüchtlinge auf ihren geordneten Grenzübertritt nach Deutschland warten. Das teilte das Landratsamt Berchtesgadener Land am Freitagmittag mit.

Unterdessen ist die Notunterkunft in der Tiefgarage des Salzburger Hauptbahnhofes aufgelöst worden. Im Laufe des Freitages soll die Garage von der Stadt Salzburg wieder an die Betreibergesellschaft übergeben werden. Laut einem Bericht von salzburg24.at ist die Reinigung und Desinfektion fast abgeschlossen. Jetzt müssen noch die technischen Einrichtungen überprüft werden, dann steht die Garage wieder den Autofahrern zur Verfügung.

In Tirol ist die Lage ebenfalls ziemlich angespannt: Am Morgen befanden sich fast 700 Personen, die nach Deutschland weiterreisen wollen, in Zelten in Kufstein und der Parkgarage des Festspielhauses in Erl. Die deutsche Bundespolizei übernimmt am Grenzübergang Kiefersfelden seit dem Morgen wieder geordnet Asylsuchende. Bis zum späten Nachmittag werden aber noch weitere Flüchtlinge an der deutschen Grenze erwartet. Das teilte die Landespolizeidirektion Tirol in einer Presseaussendung mit.

UPDATE, Freitag, 12 Uhr:

Nach der völligen Überfüllung der Flüchtlingsquartiere in der Stadt Salzburg am Donnerstagabend ist die Situation derzeit weiterhin angespannt. Aktuell halten sich in der Abfertigungszone an der Grenze zu Freilassing 230 Menschen auf, in der Autobahnmeisterei rund 1400 Flüchtlinge, weitere 600 mussten die Nacht in der Bahnhofshalle zubringen. Für die Mittagszeit ist ein weiterer Sonderzug aus der Steiermark mit 500 Flüchtlingen angekündigt.

Gleichzeitig warten in der Freilassinger Notunterkunft in der Sägewerkstraße 750 Flüchtlinge auf ihre Weiterreise innerhalb Deutschlands. Für ihre Weiterfahrt sollen am Freitag Sonderzüge und Busse eingesetzt werden. Erstmals sind am Donnerstagabend drei Busse mit 150 Personen ins Bundesgebiet aufgebrochen.

Die Bundespolizei bemüht sich weiterhin, so viele Flüchtlinge wie möglich an der Grenze aufzunehmen, um sie in die Unterkunft in der Sägewerkstraße zu bringen. "Der Nachschub aus Österreich ist immens. Der Druck ist permanent da", so ein Sprecher. Deshalb seien die Bemühungen hoch, bei der Übernahme nicht nach Zahlen zu gehen, sondern nach möglichen Kapazitäten.

Vorabmeldung:

Chaos droht: Salzburgs Unterkünfte überfüllt

Die Flüchtlingssituation in Salzburg drohe am Donnerstagabend zu eskalieren. Bürgermeister Heinz Schaden appellierte 'Haltet’s das auf!' Und auch die Wirtschaft fordert weiter - in Freilassing UND Salzburg.

Über 2.000 Personen in der alten Asfinag-Autobahnmeisterei, 600 Flüchtlinge im Bereich der Bahnhofs-Halle und 600 an der Grenze. Zahlen die alle Verantwortlichen auf österreichischer Seite am Donnerstagnachmittag in Alarmbereitschaft versetzten. Zusätzlich waren Busse mit 1.500 Flüchtlingen von Spielfeld kommend angekündigt.

Bürgermeister Heinz Schaden hatte nur noch eine Bitte nach Wien ins Bundeskanzleramt: 'Haltet’s das auf!' Die wohl zuerst Gehör fand: laut Auskunft der Polizei hieß es 700 würden in Zelte in der Schwarzenbergkaserne untergebracht. 400 würden weiter nach Kufstein fahren und 200 an Grenzübergänge in Oberösterreich. Doch die Erleichterung hielt nicht lange an.

"Menschenwürdige Versorgung nicht sichergestellt!"

"Offensichtlich auf höhere Anweisung werden jene 700 Flüchtlinge, die für die Schwarzenbergkaserne bestimmt waren, nun doch zur Asfinag gefahren und nicht zum Beispiel an einen Grenzübergang in einem anderen Bundesland", das teilte Stabsleiter Martin Floss mit. "Die Asfinag ist bereits überfüllt. Das ist bekannt. Und trotzdem werden – ohne nähere Information und über die Köpfe der Bezirkseinsatzleitung hinweg – nun weitere Menschen hier her gebracht. Den Grund wissen wir nicht. Auch nicht, wie viele Busse tatsächlich kommen. Es dürften aber mehrere hundert Personen sein. Wir können eine menschenwürdige Versorgung so vieler in so kurzer Zeit nicht sicherstellen!"

"Erneut ist der Verdacht stark da, dass die deutsche Seite unter Druck gesetzt werden sollte. Einen Versuch haben wir mit dem Marsch der 1.200 Flüchtlinge durch die Stadt an die Grenze ja schon erlebt", mutmaßte der Bürgermeister.

Kapazitätsgrenze auch in Freilassing erreicht

Um die Situation in Österreich zu entschärfen, hat die Bundespolizei am Donnerstag die Übernahmezahl vorübergehend wieder auf 100 Personen pro Stunde erhöht. Doch die Notunterbringung in der ehemaligen Möbelhalle in Freilassing, Sägewerkstraße stieß bereits am Donnerstagmittag aufgrund der hohen Zugänge an ihre Kapazitätsgrenze.

Am Nachmittag sollten 750 Menschen mit einem Sonderzug in eine Erstaufnahmeeinrichtung ins Bundesgebiet weitergeleitet werden und für Entlastung sorgen. Ein zweiter Sonderzug war für den späten Abend angekündigt.

Umsatzeinbußen in Freilassing UND Salzburg

Abseits der Grenze fordert die Wirtschaft sowohl auf deutscher, als auch auf österreichischer Seite Unterstützung. Während die Freilassinger schon seit längerem beklagen, dass die österreichischen Kunden ausbleiben, haben jetzt auch die österreichischen Wirte einen Umsatzrückgang von bis zu 10 Prozent beklagt. Gegenüber dem ORF sagte Chef der Großgasthöfe Sternbräu und Gablerbräu, Harald Kratzer: "Bei unseren insgesamt 150 Mitarbeitern in zwei Betrieben, sind bei einem Rückgang von fünf Prozent schon sieben Mitarbeiter gefährdet. Wir werden jetzt natürlich niemanden entlassen. Aber der Zustand ist auf Dauer nicht sehr angenehm."

Ähnliches war schon vor Wochen aus Freilassing zu hören. Deshalb haben die Wirtschaftsvertreter der Grenzstadt in zwei Wochen auch einen Termin im Bayerischen Finanzministerium. "Zumindest für Marketingmaßnahmen müssten wir finanzielle Unterstützung bekommen", zeigt sich die Wifo-Vorsitzende Anni Klinger zuversichtlich.

cz

Quelle: BGland24.de

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