Flüchtlingskrise

Flüchtlinge: Es staut sich auf der Saalachbrücke

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Freilassing - Der Zugverkehr über die Grenze bleibt komplett gesperrt, an der Saalachbrücke stauen sich die Flüchtlinge. Politik und Polizei gaben derweil eine Pressekonferenz. *UPDATE*

Eine rund vierstündige Aufzeichnungen der Situation am Mittwoch am Bahngleis 1 des Freilassinger Bahnhofs:

Update 18 Uhr

Die Situation an der Freilassinger Grenze

Der Zugverkehr zwischen Salzburg und Freilassing bleibt bis mindestens 20 Uhr komplett gesperrt. Den etlichen Flüchtlingen, die sich großteils weigern, in Salzburg registriert zu werden, bleibt daher nur die Route zu Fuß über die Grenze - vor allem die Brücke über die Saalach bei der B304 in Freilassing wird genutzt. Am Nachmittag musste die Bundespolizei daher die Straße zwischenzeitlich komplett für den Verkehr sperren, berittene Polizei war ebenfalls präsent. Am späteren Nachmittag ist die Hauptverbindung von Salzburg nach Freilassing zumindest wieder befahrbar, doch der Verkehr nach Bayern staut sich über die Münchener Bundesstraße bis zum Kreisverkehr an der Autobahn.

Freilassing: Flüchtlinge drängen über die Saalachbrücke

An der Saalachbrücke bietet sich momentan folgendes Szenario: Nach und nach lässt die Bundespolizei größere Gruppen von Flüchtlingen über die Grenze, dutzende Mannschaftswagen reihen sich auf der B304 aneinander, am Himmel kreist ein Polizeihubschrauber. Bei den Asylbewerbern blickt man in erleichterte, oft auch strahlende Gesichter - vielen kommt beim Marsch über die Grenze ein freudiges "Germany!" über die Lippen, andere machen den Polizisten klar: "We won't stay here". Manche der Flüchtlingsgruppen sitzen im Schatten und werden von freiwilligen Helfern verpflegt, immer wieder kommen Omnibusse und bringen die Menschen in die Notunterkunft in der Sägewerkstraße. Trotz der großen Aufregung hat die Polizei alles im Griff.

Polizei und Politik geben Auskunft in Pressekonferenz

Landrat Georg Grabner und Bürgermeister Josef Flatscher am Mittwochnachmittag in Freilassing. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

"Niemand wird an der Grenze zurückgewiesen. Wer hilfsbedürftig ist, wird auch so behandelt", stellte Bernhard Resch von der Polizeiinspektion Fahndung am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Freilassing klar. Auch Landrat Georg Grabner, Bürgermeister Sepp Flatscher und Florian Halter vom BRK fanden sich ein. Niemand weiß, wie lange die derzeitige Situation noch weiter anhält.

Politik und Polizei können auch noch nicht sagen, wann der Zugverkehr wieder geregelt verlaufen kann. "Die Verbindung von Salzburg nach Freilassing musste deshalb komplett eingestellt werden, weil im Salzburger Bahnhof immer wieder Menschen auf den Gleisen sind. Das ist zu gefährlich", so Polizist Resch. Landrat Grabner bestätigte, dass man von deutscher Seite bereits versucht hätte, die Flüchtlingskontrollen seitens der Bundespolizei im Salzburger Bahnhof durchzuführen - doch aus Österreich kam dafür keine Erlaubnis. Dies hätte die Quasi-Blockade des Grenzverkehrs auf der Schiene verhindern bzw. zumindest abschwächen können. Das Landratsamt versprach, derweil an einer Lösung zu arbeiten, wie man den öffentlichen Grenzverkehr für Schüler oder Pendler wieder herstellen könnte: "Wir werden heute noch Gespräche führen, ob ein spezieller Pendelverkehr eingerichtet werden kann", so Grabner.

Hunderte Flüchtlinge in Freilassing

Bernhard Resch von der Polizeiinspektion Fahndung auf der Pressekonferenz in Freilassing. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

"Für die Bevölkerung besteht kein Anlass zur Sorge", versicherte Georg Grabner außerdem. Die alte Industriehalle in der Freilassinger Sägewerkstraße diene lediglich als "Puffer" und werde nicht mittelfristig für ankommende Flüchtlinge genutzt: "Die Leute halten sich dort nur so lange auf, bis sie der nächste Sonderzug ins Bundesgebiet bringt." Er nennt dieses Notquartier einen "Glücksfall", andernfalls hätten die gestrandeten Asylbewerber in Zelten oder auf dem Bahnhofsgelände übernachten müssen.

Rund 15 Minuten braucht die Bundespolizei momentan, jeden der ankommenden Flüchtlinge zu registrieren, verriet Bernhard Resch von der Polizeiinspektion Fahndung. Der Ablauf: Mit Hilfe von Dolmetschern werden die Personalien aufgenommen, es wird ein Fahndungs-Sofortabgleich durchgeführt und eine sogenannte Weiterleitungsverfügung mit Lichtbild ausgestellt, die den Flüchtling dazu berechtigt, bis zur nächsten Erstaufnahmeeinrichtung zu reisen. Mit Bussen und Sonderzügen wurden in den vergangenen Tagen tausende von Asylbewerbern aus Freilassing nach Dortmund, Bremen oder Hannover gebracht.

UPDATE 13.05 Uhr

Die Nachrichten verbreiten sich auch in Salzburg wie ein Lauffeuer. Nachdem bekannt wurde, dass der Zugverkehr nach Deutschland komplett eingestellt wurde, versuchen es immer mehr Flüchtlinge einfach auf eigene Faust: Sie ziehen zu Fuß los um die sechs Kilometer vom Salzburger Bahnhof nach Freilassing hinter sich zu bringen.

Auch wenn sich der Salzburger Bahnhof deshalb zwischenzeitlich wieder geleert hat, werden dort bis zum frühen Nachmittag weitere Züge mit Flüchtlingen erwartet. "Mit den nächsten ankommenden Zügen erreichen wir wieder die Kapazitätsgrenze. Wir können nicht davon reden, dass sich die Situation entspannt", so Christian Blaschke, Referent des Salzburger Landeshauptmanns, gegenüber den Salzburger Nachrichten. Daher bleibt eine mögliche Sperrung des Hauptbahnhofes dort weiterhin im Raum.

UPDATE 11.25 Uhr

Die Behörden ziehen die Notbremse: Um 10.30 Uhr wurde der Zugverkehr zwischen Salzburg und Freilassing bis auf Weiteres komplett eingestellt. Regionalzüge und S-Bahnen fahren ohnehin seit Montagmorgen nicht mehr, nun kommen also vorerst auch keine Fernzüge mehr über die Grenze. In den vergangenen Tagen war dies die einzige Möglichkeit für die Flüchtlinge per Schiene von Salzburg nach Deutschland zu kommen.

Derweil verschärft sich die Lage am Salzburger Bahnhof: Um die 2000 Flüchtlinge halten sich dort aktuell auf. Die Stadt versucht die Personen mit Bussen vom Bahnhof wegzubekommen und in Notquartiere zu bringen, doch viele wollen laut salzburg24.at den Bahnhof nicht verlassen um keinen Zug nach Deutschland zu verpassen.

Das Landratsamt Berchtesgadener Land hat für den heutigen Nachmittag eilig eine Pressekonferenz einberufen. Ab 15 Uhr informieren Polizei, Landratsamt, Stadt Freilassing und die Hilfsorganisationen über die Flüchtlingssituation. BGLand24.de wird aktuell von der Pressekonferenz berichten.

UPDATE 9.15 Uhr

Um die 1100 Flüchtlinge waren es insgesamt, die am Dienstag über die Salzburger Grenze nach Freilassing kamen - dank der Grenzkontrollen der Bundespolizei relativ kontrolliert. Doch am Bahnhof und der Notunterkunft in der Sägewerkstraße herrschte ein reges Kommen und Gehen: Der Weitertransport der Asylbewerber soll schnell geschehen. So machten sich gestern Sonderzüge und Busse auf den Weg nach Bremen, Dortmund oder Hannover. Allein die Sonderzüge hatten ein Fassungsvermögen von 750 Menschen.

Flüchtlingssituation am Dienstag: Bahnhof Freilassing

Was passierte in der vergangenen Nacht?

Flüchtlingssituation im BGL:

- Der Montag

- Der Dienstag

- Die Grenzkontrollen

Gegen 22 Uhr war die alte Industriehalle in der Sägewerkstraße beinahe leer: Nur 14 Flüchtlinge mussten von BRK und Malteser dort versorgt werden. Während der Nacht veränderte sich die Situation aber wieder. Gegen 23.30 Uhr erreichten knapp 100 Menschen in Bussen die Notunterkunft, die zu Fuß über die Saalachbrücke kamen. Um 0.30 Uhr erreichte ein weiterer voller Zug Freilassing: "Heute um 6 Uhr morgens waren dann insgesamt 650 Menschen in der Freilassinger Notunterkunft", so Polizeisprecherin Yvonne Oppermann gegenüber BGLand24.de.

Flüchtlingssituation am Dienstag: Notunterkunft Freilassing

Um die 25 Mannschaftsbusse der Bundespolizei waren am Dienstag rund um den Freilassinger Bahnhof postiert.

Die Situation mag ungeordnet klingen, doch die Bundespolizei hat den Zugverkehr aus Österreich genau geregelt. Sie lässt nur dann wieder Züge herüber, wenn es die Situation in Freilassing erlaubt und Ressourcen zur Kontrolle der Züge frei sind. Der S-Bahn- und Regionalbahnverkehr (Meridian) über die Grenze ruht auch heute. Einzig Fernzüge fahren - doch aufgrund der Grenzkontrollen unregelmäßig und mit Verzögerungen. Seit Dienstagnachmittag setzt der Meridian Schienenersatzbusse nach Salzburg ein, die immer zur Minute 45 in Freilassing starten. Die Gegenrichtung bleibt auch für die Meridian-Busse bis auf weiteres zu.

Chaotische Szenen am Salzburger Bahnhof

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Am Salzburger Hauptbahnhof, der als Drehkreuz der Flüchtlinge nach Deutschland gilt, kam es am Dienstag zu chaotischen Szenen. Nachdem Flüchtlinge unkontrolliert zu Zügen stürmten und dabei auch über die Gleise rannten, musste der Zugverkehr kurzzeitig ganz eingestellt werden. Probleme bereiten den österreichischen Sicherheitskräften vor allem Taxi- oder Privatfahrten, mit denen Flüchtlinge von Helfern in Eigenregie zum Salzburger Bahnhof gebracht werden: "Sollten diese in der derzeitigen Form weiter anhalten, könnte das in letzter Konsequenz eine Sperre des Hauptbahnhofes notwendig machen", warnt die Stadt über Facebook.

Womit ist heute zu rechnen?

Während in der Nacht auf Dienstag etwa 600 Menschen in der Notunterkunft am Salzburger Bahnhof übernachteten waren es in der vergangenen Nacht bereits doppelt so viele, rund 1200 - und das obwohl das Notlager am Dienstagmittag beinahe leer war. Freilassing darf sich also wohl auch am Mittwoch auf einen ähnlichen Ansturm wie am Vortag einstellen. Auch die freiwilligen Helfer am Gleis 1D des Bahnhofs werden dann wieder alle Hände voll zu tun haben. Gebraucht werden dort noch Äpfel, Bananen, Müsliriegel, Kekse sowie Taschentücher und stilles Wasser in 0,5-Liter-Flaschen, um dementsprechende Spenden wird gebeten.

In Wien machen sich unterdessen bereits die von Ungarn geschlossenen Grenzen bemerkbar. Zwar warteten am Dienstagnachmittag noch einmal rund 5000 Flüchtlinge an den dortigen Bahnhöfen auf eine Weiterreise, doch inzwischen sei es dort fast leer. Ein Anzeichen einer kommenden Entspannung?

Polizei kontrolliert auch auf der Straße wieder

Service:

- Der Verkehr in der Region

Die Bundespolizei führt auch am Mittwoch wieder Grenzkontrollen durch. Zur Stunde wird wieder an der A8 bei Piding und dem Grenzübergang in Freilassing kontrolliert. Außerdem bewachen die Beamten die Grenze an der B15 bei Kiefersfelden. Seit Mitternacht hat nun auch Österreich mit Grenzkontrollen begonnen. Vor allem die Süd- und Ostgrenze will man im Auge behalten - eine Einreise aus Deutschland sollte dagegen, mit Ausnahme Freilassing, reibungslos wie immer funktionieren.

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Bilanz des BRK von der Nacht auf Mittwoch

Die Bundespolizei hat die Flüchtlinge in der Übergangs-Anlaufstelle in der Freilassinger Sägewerkstraße während des ganzen Tages mit Bussen und per Bahn weiter in andere deutsche Städte verlegen lassen. Gegen 17 Uhr waren noch 297 Menschen in der Notunterkunft; die restlichen wurden bis 18.30 Uhr ebenfalls weitertransportiert.

Gegen 22 Uhr waren nur noch 14 Flüchtlinge in der Halle, weshalb Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst ihr Personal reduziert und bis auf eine Notmannschaft nach Hause geschickt haben. Gegen 23.30 Uhr kamen wieder zwei Busse mit je 48 Flüchtlingen an. Da keiner weiß, ob und wie viele Flüchtlinge während der nächsten Stunden und Tage in Freilassing ankommen, bleiben die ehrenamtlichen Einheiten weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. Ab 23 Uhr übernimmt die BRK-Wasserwacht den Dienst und löst Einsatzkräfte der BRK-Bereitschaften ab.

Freilassing: So verlief der gestrige Tag

Einsatzleiter Hermann Scherer und sein Team hatten die Lage gut im Griff und freuten sich über die vielen Hilfsangebote aus der Bevölkerung, wobei vor Ort Spielsachen und Kleidung für Kinder bis zehn Jahre entgegengenommen und an die Buben und Mädchen verteilt wurden. Aktuell werden von den beiden Hilfsorganisationen keine zusätzlichen freiwilligen Helfer aus der Bevölkerung benötigt. BRK und MHD bitten die Menschen, nicht zu versuchen, unkoordiniert und ohne Absprache zu helfen, da dadurch eventuell der Einsatz unnötig erschwert wird.

Am Dienstag mussten insgesamt sechs erkrankte oder verletzte Flüchtlinge vom Rettungsdienst des Roten Kreuzes versorgt und in Kliniken gebracht werden.

Eindrücke vom Bahnhof Freilassing am Montag

Flüchtlinge kommen in Freilassing an

Fotos: Grenzkontrollen am Freilassinger Bahnhof

Eindrücke von den Grenzkontrollen an der A8 und in Freilassing

Fotos: Grenzkontrollen in Freilassing

Fotos: Grenzkontrollen an der A8 bei Piding

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Quelle: BGland24.de

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