Wilde Zahlen und Behauptungen

Panik per Flyer: "Millionen Fremde in Ihrer Gemeinde"

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Freilassing - Oben grüne Wiese, unten weiß-blaue Rauten, dazwischen Stimmungsmache gegen Flüchtlinge: In vier Landkreisen fand man am Donnerstag diese Flyer im Briefkasten.

"Ich kam heute mit einem jungen Mann ins Gespräch der am Rathausplatz in Freilassing Flugblätter verteilte. In den Flugblättern ging es um Asylanten. Über die wird derzeit überall geschimpft. Ihr glaubt gar nicht wie begehrt die Zettel waren. Ich muss gleich vorweg sagen ich habe überhaupt nichts gegen Asylanten. Die armen Teufel müssen doch wo hin." Die Ainringerin, von der wir diese Zuschrift erhalten haben, war nicht die Einzige, die sich in der Redaktion meldete: Am Donnerstag starteten Aktivisten, vermutlich aus der organisierten rechten Ecke, eine Verteilaktion von Flugblättern - aber nicht nur im Berchtesgadener Land, sondern auch in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim und Miesbach.

Fakten vs. Vorurteile:

- Sieben Klischees über Asylbewerber unter der Lupe

- Wieso haben so viele Flüchtlinge ein Smartphone?

Im Text wird dann mit Zahlen ohne jede Grundlage jongliert: 2,3 Milliarden Euro "Mehrkosten" hätte Bayern durch Asylbewerber, 90 Prozent kämen aus wirtschaftlichen Gründen. Und es wird versucht Neid zu schüren: Wenn Flüchtlinge in provisorisch aufgestellten Containern hausen müssen, wird andererseits gefragt "Baugrund nur für Asylanten?"

"Millionen Fremde zukünftig auch in Ihrer Gemeinde"

Viele der "Lager" der Asylbewerber würden nach kurzer Zeit zum "Brennpunkt von Gewaltdelikten" und "skrupellose Profiteure" würden sich bei uns die Taschen mit Geld "vollstopfen" und vom Flüchtlingsdrama profitieren. Vor allem Ehrenamtliche und Freiwillige, die sich tagtäglich in der Integrationsarbeit engagieren und die Lage am besten kennen, können bei diesen Worten wohl nur den Kopf schütteln. Der Übertreibungen damit aber nicht genug: Es ist davon die Rede, "Millionen Fremde in Deutschland - und zukünftig auch in Ihrer Gemeinde - in Lager zu stecken". 

Strafrechtliche Relevanz haben solch wilde Behauptungen natürlich nicht, die Polizei kann daher bei derartigen Verteilaktionen nur zuschauen. Nachdem das Flugblatt schließlich nochmal dazu auffordert, sich bei jeweiligen Landratsamt zu beschweren, wird wieder tief in die Kitschkiste gegriffen: Vor vertrauten, weiß-blauen Rauten der Schriftzug "Für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder" - wer wünscht sich diese nicht?

xe

Quelle: BGland24.de

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