Kirchanschöring: "Sehr interessanter Projektstandort"

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Kirchanschöring - Ist Geothermie eine Option für Kirchanschöring, ja oder nein? Eine Frage, die am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung diskutiert worden ist.

"Wir wissen noch nicht, ob das Projekt umgesetzt werden kann", begann Bürgermeister Hans-Jörg Birner seine Begrüßung. "Aber es sieht danach aus, dass die Geologie für die energetische Nutzung dieser Erdwärme in Kirchanschöring gegegeben ist." Es ginge darum, die Öffentlichkeit zum frühest möglichen Zeitpunkt zu beteiligen. Und es scheint tatsächlich der frühest mögliche Zeitpunkt zu sein.

Die Firma GeoEnergie Bayern teilte im Mai vergangenen Jahres mit, dass Kirchanschöring für sie ein interessanter Standort sei und stellte im Juni einen Antrag auf Bereitstellung eines Grundstücks für ein mögliches Kraftwerk. Das war schnell gefunden, hinter dem Gewergebiet auf Gemeindegrund. Gleichzeitig wurden die Bürger über die Gemeindezeitung über die Pläne der GeoEnergie informiert.

Bis jetzt ist lediglich eine überregionale Spannungsanalyse durchgeführt worden, die den Eindruck der GeoEnergie bestärkt, dass Kirchanschöring ein 'sehr interessanter Projektstandort' für Geothermie ist. Um da sicher zu gehen, ist allerdings eine seismische Untersuchung in 3D notwendig. Ein Teil der Region rund um Laufen, die für die GeoEnergie interessant ist, wurde bereits vor Jahrzehnten von der RAG Austria untersucht. Diese Ergebnisse will die GeoEnergie Bayern jetzt sichten, um zu entscheiden, ob diese eventuell abgekauft werden können oder eine eigene Untersuchung durchgeführt werden muss. Diese koste allerdings eine Million Euro, gab Johannes Schweiger von der GeoEnergie zu.

Geld sei aber grundsätzlich nicht das Problem, da die GeoEnergie eine starke Finanzkraft habe, die sie auch einsetzen wolle. Hört sich für die Kirchanschöringer gut an, aber über eine mögliche Beteiligung an dem mehrere zehn Millionen schweren Kraftwerk müsse verhandelt werden, wenn es konkretere Pläne gebe, so Birner. "Die Wertschöpfung soll natürlich so gut es geht in der Region bleiben." Deshalb waren auch die Vertreter der örtlichen Banken in das Gasthaus Felber gekommen, um sich die Pläne anzuhören.

Taching hat Priorität

Die GeoEnergie hat aber nicht nur in Kirchanschöring ihre Fühler ausgestreckt. Sie will auch in Taching ein Geothermie-Kraftwerk bauen. "Das hat Priorität", so Schweiger. Allerdings schließe Taching Kirchanschöring nicht aus. Im Gegenteil, wenn Taching komme, komme Kirchanschöring höchstwahrscheinlich auch. Vorher wolle man aber die Erfahrungen aus Traunreut abwarten. Dort werde derzeit der Bohrplatz aufgebaut, allerdings von einer anderen Firma, erklärte Schweiger.

Kirchanschöringer 'positiv neugierig'

Das Interesse der Kirchanschöringer sei positiv und neugierig, sagte Birner gegenüber Chiemgau24. Das spürte man auch an den Fragen, die sie den Experten der GeoEnergie stellten. Es ging nicht nur um Sorgen und Nöte wie die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben durch die Bohrungen und den durch das Kraftwerk entstehenden Lärm, sondern vor allem um technische Details, wie wird gebohrt, was passiert mit dem Bohrschlamm und der Bohrspülung und welche Leistung erbringt das Kraftwerk.

Rund eine Stunde beantwortete Johannes Schweiger und sein Kollege Florian Breinbauer die Fragen der Bürger. "Da Erdbeben bei ihnen sehr selten sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass durch Geothermie-Bohrungen welche ausgelösten werden, kaum gegeben." Gebohrt werde mit dem hydrothermalen System, es würden also natürlich vorhandene Gewässer genutzt und nicht künstlich durch Fracking welche geschaffen. Der Bohrschlamm und die Bohrspülung werden nach Informationen von Schweiger von zertifizierten Entsorgungsunternehmen entsorgt.

Zu der Leistung des Kraftwerks könne man noch keine genauen Angaben machen, so Breinbauer. Er rechne aber mit rund 7,5 Megawatt, wovon das Kraftwerk selbst 20 bis 30 Prozent selbst verbrauche. "Der Rest wird über ein erdverlegtes Kabel in das Stromnetz eingespeist." Und da man sich beim Lärm an Gutachten und Richtwerte halten müsse, könnten die Bürger davon ausgehen, dass in Bebauungsnähe schon nichts mehr vom Kraftwerk zu hören sei.

Natürlich könne die Geothermie auch als Fernwärme genutzt werden. "Das ist für unsere Firma ein wichtiger Punkt, auch für die Wertschöpfung vor Ort", so Schweiger. Verschenken könne man sie zwar nicht, aber kostengünstig zur Verfügung stellen. Gute Informationen für Birner, der abschließend betonte: "Das ein oder andere ist sicher noch Verhandlungssache." Diese Verhandlungen will Kirchanschöring aber offenbar führen, so dass 2015 vielleicht eine Bohranlage gebaut werden kann.

cz

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