Laufens linker Stadtrat Werner Eckl

Ein Kommunist im Rathaus des Salzachstädtchens?

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Wahlkampf mit dem örtlichen Schlachthof, statt mit Hartz IV - Linken-Stadtrat Werner Eckl vor dem Laufener Stadttor.

Laufen - Früher in Münchens Anarcho-Szene unterwegs, heute Stadtrat der Linkspartei: "Ein Kommunist im Rathaus!", hieß es anfangs aufgeregt - doch eigentlich kann Werner Eckl mit der CSU ganz gut.

Trotz Stadtrecht und historischer Bedeutung: Laufen ist eine gemächliche und idyllische Ortschaft. Nicht mal 7000 Einwohner, kaum Industrie, ländlich geprägt und etwas ab vom Schuss - urban ist was anderes. Die Ausgangsposition für eine Partei wie "Die Linke" könnten wohl nirgendwo schlechter sein. Und trotzdem: Im Stadtrat behauptet sich seit sieben Jahren hartnäckig Werner Eckl. Groß geworden in Münchens Anarchisten-Szene, hält er seit den Kommunalwahlen 2008 die rote Parteifahne im Laufener Rathaus hoch. Wie gibt's sowas?

Bei Infoständen "weit und breit kein Mensch"

"Damit wir die Unterschriften zusammen bekommen haben, um damals antreten zu dürfen, sind wir in Laufen herum wie die Hausierer. Erst am Stichtag haben wir die letzte der 123 nötigen Unterschriften bekommen", erinnert sich Eckl. Acht "Hanseln", wie er sagt, habe er damals für die Kandidatenliste mühsam auftreiben können - außer ihm nur Sympathisanten und keine Mitglieder der Linksaußen-Truppe. Der Wahlkampf stand unter keinem guten Licht: "Bei Infoständen der Linken war sonst weit und breit kein Mensch", erzählt der 58-Jährige. Doch eine Podiumsdiskussion in der Salzachhalle brachte die Wende: "Man darf sich die Schneid nicht abkaufen lassen. Die Leute haben sich dort die Augen gerieben, ,und das ist ein Linker?'"

Ein Faustschlag auf den Tisch verschaffte Eckl im Stadtrat Gehör

Über 4,7 Prozent fuhr Eckl mit seiner Liste 2008 schließlich ein - doch die größten Hürden sollten erst noch kommen: "Ein Kommunist im Rathaus", hieß es damals hysterisch. Als "Schmarrn" wurden seine Beiträge im Stadtrat systematisch abgetan - erst mit einem Faustschlag auf den Tisch gewann Eckl damals zum ersten Mal Aufmerksamkeit: "Da herrschte dann Totenstille", grinst er heute.

Im Laufener Stadtrat direkt nebeneinander: CSU-Bürgermeister Hans Feil und Werner Eckl. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Doch so wie sich manch Laufener Bürger im Wahlkampf die Augen gerieben haben mag, wundert man sich auch heute, wenn man dem Linken zuhört: "Es geht überhaupt nicht darum, von welcher Partei der Bürgermeister ist, sondern darum, dass man zusammenarbeiten kann. Und das klappt auch mit der CSU." Nach Eckls letztem Wahlerfolg 2014 - mit 5,26 Prozent zog er wieder in den Stadtrat ein - setzte sich der Rote kurzerhand mit dem schwarzen Bürgermeister Hans Feil zusammen, man ging gemeinsam das linke Wahlprogramm durch.

Anträge stellen? Sinnlos

Wo kann da Konsens bestehen? "Vor allem im Tourismus gab es viel Übereinstimmung", so Eckl - heute ist der Linke Tourismusreferent unter einem CSU-Stadtoberhaupt. Weniger einig war man sich dagegen beim Thema Verkehr, Beispiel: Tempo 30 auf der B20 innerorts: "Aber es wäre ja schrecklich, wenn man überall der selben Meinung ist. Dann müssten entweder alle zur Linken oder ich zur CSU", lacht der freiberufliche Vertriebs- und Produktmanager.

Als Bürgermeister Feil mit der Zeit aber bemerkte, dass Eckl auch beim heißen Thema Ortsumfahrung mit ihm auf einer Linie liegt, glätteten sich die Wogen im Stadtrat langsam. Und trotzdem: "Dass ich Anträge stelle macht keinen Sinn", so Eckl. Einer Ablehnung seiner Kollegen im Gremium kann er sich sicher sein. Der Linke versucht es lieber mit Anfragen an die Verwaltung - und hat damit bei kleineren Themen Erfolg: Hier ein neuer Wohnmobilstellplatz, dort eine Bank an der Bushaltestelle oder ein frischer Anstrich für den Bahnhof.

Ein Linker auf der CSU-Wahlparty

Das sei überhaupt das Problem seiner Linkspartei in Bayern: "Vor Ort braucht man nicht unbedingt gegen Hartz IV Stellung beziehen, sondern muss sich beispielsweise für den Erhalt des Schlachthofs einsetzen." So sei es fast kein Wunder, dass man die nächsten Stadträte der Linken erst in Wasserburg und Erding findet. Auch der Erhöhung der Kindergarten-Gebühren in Laufen stimmte Eckl zu. So hätte schließlich auch die CSU bald verstanden, dass Eckl Kommunalpolitik ernst meint - und dass er 2014 versehentlich in die Wahlparty der Christsozialen beim "Greimel" platzte, war dann auch schon egal.

Bleibt vom roten Schreckgespenst, das "Hammer und Sichel schwingend durch das Rathaus zieht", also nichts übrig nach sieben Jahren Stadtratsarbeit? "Zumindest" nennt Werner Eckl den "demokratischen Sozialismus als abstraktes politisches Ziel" und bezeichnet den früheren jugoslawischen Staatspräsidenten Tito eine "faszinierende Persönlichkeit" - aber auch Papst Franziskus fällt dem Linken bei diesem Stichwort ein, und das Etikett "Sozialist" will er sich ebenfalls nicht auf die Stirn kleben: "Sonst hätte ich damals in München in meinem Stammwirtshaus ja nicht unter einem Bild von Franz Josef Strauß Schweinsbraten essen dürfen."

xe

Quelle: BGland24.de

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