A8: Pidinger Forderungen "kaum realisierbar"

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Piding - Die Kritik an der Gemeinde reißt nicht ab: Die Gegner des Bestandsausbaus der A8 nennen die Stellungnahme der Gemeinde "utopisch" und fordern weiter eine Nordumfahrung.

Anlässlich der von der Gemeinde Piding in der Gemeinderatssitzung vom 13. Mail 2015 beschlossenen Stellungnahme befasste sich die IG mit den dort formulierten Forderungen (unter Punkt 7) zu einer etwaigen „Bestandsvariante“. Dabei wurde für die Mitglieder sehr schnell deutlich, dass der Bestandsausbau in der dort beschlossenen Form zu enormen Kostensteigerungen führen würde und eine Ablehnung durch das Bundesverkehrsministerium nicht nur zu befürchten ist, sondern sehr wahrscheinlich ist.

Korrekterweise wird in der Stellungnahme angeführt, dass die bisherige Planvariante im Bestand als Ortsdurchfahrt mitten durch Piding auf einer Dammlage vorgesehen wäre, deren künftige Fahrbahnoberkante sogar über das derzeitige Niveau hinausgehen würde. Auch wird zutreffend angeführt, dass Lärmschutzanlagen von bis zu 9 m (über der Fahrbahnoberkante) – d. h. bis zu 16 m über dem daneben liegenden Gelände – geplant wurden und hierdurch mitten im Gemeindegebiet ein Riegel geschaffen würde, der sämtliche Sichtbeziehungen beeinträchtigt und einen enormen negativen Einschnitt für den Luftkurort bedeuten würde.

Die Gemeinde Piding fordert nun – sollte eine Bestandsvariante realisiert werden – eine Tieferlegung der geplanten Trasse zwischen dem Vollkleeblatt (Anschlussstelle A8/B20) und der Saalachbrücke, um „diese Trennwirkung zu verhindern, die dadurch entstehende Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes zu verringern sowie Lärmschutzbelange noch besser berücksichtigen zu können“.

Um die vom Gemeinderat geforderte Absenkung der Fahrbahnoberkante, ausgehend von der Saalachbrücke (Walserberg) im Osten unter die Geländeoberfläche zu ermöglichen, um überhaupt in eine geschlossene Troglage („Unterflurtrasse“) münden zu können, bedarf es einer erheblichen und grenzwertigen Längsneigung (Gefälle) von ggf. vier Prozent. Im Westen würde die Absenkung zudem bereits kurz nach Urwies erforderlich sein: im Hinblick auf die Belange Hochwasserschutz und die Grundwasser-Situation in Zusammenhang mit der Anschlussstelle schwerlich vorstellbar.

Durch eine Lösung mittels geschlossenem Trog würde allerdings nur für die relativ kurze Strecke der tatsächlich unter dem Gelände verlaufenden Strecke weniger Fläche bspw. für einen Lärmschutz benötigt. Die meisten der zahlreichen Nachteile einer Bestandsvariante blieben dennoch bestehen, u.a. die nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht mehr mögliche, sinnvolle Ortsentwicklung in Form der Innenverdichtung auf Grund der mit dem Ausbau verbundenen Ausweitung der Baubeschränkungszone (jeweils 100 Meter links und rechts des Fahrbahnrades) und der Bauverbotszone (jeweils 40 m links und rechts des Fahrbahnrandes).

Mittels einer sogenannten Dückeranlage (Druckleitung zur Unterquerung) könnte nur rein theoretisch die Stoißer Ache auf Höhe der Tennisplätze als Durchlass unter dem Hindernis der dann unterirdisch verlaufenden Autobahn durchgeführt werden. U. a. die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gebietet jedoch bspw. die Sicherstellung der Durchgängigkeit für Fische. Damit sind demnach u.a. kostenintensive bauliche Voraussetzungen erforderlich, um den Dücker als grundsätzliches Wanderhindernis für Lebewesen überhaupt passierbar zu gestalten und auch Belange des Hoch-/Grundwasserschutzes zu berücksichtigen.

Verlegung der Stoißer Ache utopisch

Alternativ müsste ab dem Bereich der Berchtesgadener Straße die Stoißer Ache nördlich der Bestandstrasse auf einer Länge von möglicherweise etwa einem Kilometer Länge bis zum FFH-Gebiet Marzoller Au verlegt werden. Ein gigantischer Flächenverbrauch, der bei einer Nordumfahrung gerade nicht erforderlich ist. Die Risiken, die eine derartige Großbaumaßnahme für das Augebiet, das Grundwasser im Aubereich, aber auch für den Hochwasserschutz mit sich bringt, sind nicht wegzudiskutieren.

Die entstehenden Mehrkosten könnten zudem – entgegen der Formulierung der Gemeinde – nie und nimmer durch Einsparungen bei den Anschlussstellen kompensiert werden. Bei Realisierung der A 8 im Bestand verbleibt es im Übrigen bei den entscheidungserheblichen Nachteilen gegenüber einer Nordumfahrung nicht nur bezüglich Hochwassergefahr, Grundwasserproblematik und dem raumgreifenden Vollkleeblatt.

Nordumfahrung weiterhin die einzig optimale Lösung für Piding

Weiterhin sind sich die Mitglieder der IG „Chance für Piding“ einig, dass nur durch eine Nordumfahrung für den größten Teil der Bevölkerung und für die Ortsteile eine optimale Entlastung geschaffen werden kann. Die von der Gemeinde formulierte Forderung für eine Verlängerung der begrünten Einhausung am Panoramaweg u. a. aus Gründen des Artenschutzes (mehrere Fledermausarten) erscheint sachgemäß begründet.

Die Mehrkosten einer diesbezüglichen teilweisen Verlängerung der Grünbrücke bei der Nordvariante fallen um ein Vielfaches geringer aus als die Mehrkosten der Bestandsvariante. Bereits 2009 wurden die Kosten für eine solche „geschlossene Troglage im Bestand“ seitens der Autobahndirektion auf nahezu das Doppelte der Variante „Nordumfahrung mit Einhausung“ geschätzt.

Anschlussstelle größer als 21 Fußballplätze

Die geforderte Tieferlegung im Bestand wäre zwar eine Verbesserung zur ursprünglichen Planung der Bestandsvariante. Aufgrund der deutlich höheren Kosten hält die Pidinger Interessengemeinschaft diese allerdings schlicht und einfach für nicht realisierbar. Zahlreiche grundsätzliche Nachteile, wie die über 21 Fußballfelder große Anschlussstelle (siehe Foto), würden Piding weiterhin beim Ausbau der Bestandstrasse drohen. Bliebe es also bei der Bestandstrasse, muss mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit befürchten werden, dass Piding die billigste Lösung und zwar ohne Einhausung bekommen wird mit den dann negativen Auswirkungen auf die Schule und den Kindergarten.

Pressemitteilung IG Chance für Piding

Quelle: BGland24.de

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