Bei ihrer Jahreshauptversammlung

Bergwacht Teisendorf-Anger nimmt E-Mountainbike in Betrieb

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Bergwachtmann Franz Helminger (links) konnte bei der Jahreshauptversammlung zusammen mit Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer (rechts) stolz das neue E-Mountainbike der Bergwacht Teisendorf-Anger präsentieren. Helminger hatte dafür ein Spendenprojekt ins Leben gerufen und insgesamt 4.500 Euro gesammelt.

TEISENDORF/ANGER – Die Bergwacht Teisendorf-Anger hat bei ihrer Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitagabend im DAV-Heim ein neues, rund 4.500 Euro teures und komplett aus Spenden finanziertes E-Mountainbike vorgestellt und in Betrieb genommen, das in Zukunft vor allem bei Such- und Rettungseinsätzen auf den vielen schmalen Steigen und Wanderwegen am Teisenberg eine noch raschere medizinische Erstversorgung und Erkundung ermöglichen soll.

Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer, Ausbildungsleiter Stefan Stadler und Kassenwart Franz Fürmann blickten auf ein mit 25 (2014: 23) Einsätzen wieder eher ruhiges Jahr zurück, das aber durch gehäuft viele schwere Mountainbike-Unfälle am Teisenberg in Erinnerung bleibt. Sie zeichneten Mathias „Hias“ Eder für ein halbes Jahrhundert aktiven Bergwachtdienst aus und nahmen die bisherigen Anwärter Elisabeth „Eli“ Fuchsreiter und Albert Warren nach mehrjährigen Ausbildungen und Prüfungen als aktive Einsatzkräfte auf.

25 aktive Einsatzkräfte als Ziel 

Aktuell gehören 40 Männer und Frauen zur Bergwacht Teisendorf-Anger, darunter 15 aktive Einsatzkräfte, zwei Einsatzkräfte im Pistendienst, neun Anwärter und 14 unterstützende Kräfte. „Wir haben eine sehr gute Kameradschaft mit Zusammenhalt und auch die Jugend ist wieder stark, so dass wir unser Ziel von 25 aktiven Einsatzkräften in den kommenden Jahren erreichen werden“, freut sich Aschauer, der beim Totengedenken an den am 19. Januar 2016 verstorbenen Bergwacht-Kameraden Walter Bochter erinnerte. Die Retter waren 2015 bei insgesamt 25 Einsätzen gefordert, davon allein neun (2014: 8) im eigenen Einsatzgebiet am Teisenberg, zehn (2014: 12) im Einsatzleitbereich Saalachtal zusammen mit der Reichenhaller Bergwacht und sechs (2014: 3) im Pistendienst am Götschen. Zwei Bergretter waren auch zur Unterstützung der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge in der Freilassinger Sägewerkstraße im Einsatz. Sabine Aschauer, Josef und Erwin Koch engagieren sich auch im Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht, wobei Aschauer 2015 allein zur Betreuung der bayernweiten Hotline fast 700 Stunden geleistet hat. Darüber hinaus fanden zahlreiche Naturschutzstreifen statt.

Auffällig viele schwere Mountainbike-Unfälle am Teisenberg 

Auffällig waren 2015 gleich sechs zum Teil sehr schwere Mountainbike-Unfälle am Teisenberg innerhalb weniger Tage, wobei die Bergwacht oft mitten in der Nacht ausrücken musste. „Einige waren nicht mehr ganz nüchtern und sind dann bei Dunkelheit abgefahren. Ab August beruhigte sich die Lage dann nach mehreren Zeitungsberichten wieder, die offenbar abschreckend waren, da vielen nicht bewusst war, dass bei sowas auch die Polizei kommt und ein alkoholbedingter Radunfall einen Führerscheinentzug zur Folge haben kann“, erklärte Aschauer; die Bergwacht geht davon aus, dass aufgrund der täglich vielen Radler in Wirklichkeit wesentlich mehr passiert, viele nach Stürzen aber noch selbst versuchen, ins Tal zu kommen. Auch Angers Bürgermeister Silvester Enzinger bewertet die vielen Unfälle kritisch: „Die Gemeinde setzt sich auch für ein harmonisches Miteinander zwischen Wanderern und Bikern ein, wobei wir nicht wollen, dass auch noch die Schneid als einziger beschilderter Fußwanderweg mit dem Radl befahren wird.“ Laut Enzinger sind die dafür angebrachten Verbotstafeln immer wieder beschädigt, verbogen und sogar abgerissen worden, aber dringend notwendig, da laufend Beschwerden von Wanderern eingehen und die nach Regen wassergefüllten Senken im Steig durch die Räder immer tiefer werden. 2016 will die Gemeinde auch ein Geländer entlang des Wegs oberhalb der Ache errichten, damit bei den vielen Abfahrten niemand abstürzt. Enzinger dankte der Bergwacht auch im Namen der Gemeinde Teisendorf für ihre ehrenamtliche Arbeit und lobte die starke Jugend.

Elisabeth „Eli“ Fuchsreiter und Albert Warren als aktive Einsatzkräfte aufgenommen

Mit ihrem Kletterturm und der Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Andreasmarkt versucht die Bergwacht, ihre Arbeit der Bevölkerung näherzubringen und Interessierte für eine ehrenamtliche Mitarbeit zu begeistern. Ausbildungsleiter Stefan Stadler setzte sich auch vergangenes Jahr sehr intensiv bei zahlreichen Schulungen und Übungen dafür ein, sein umfangreiches Wissen vor allem dem Nachwuchs zu vermitteln und die Bergretter für das breite Einsatzspektrum vorzubereiten, unter anderem bei einer Lift-Evakuierungsübung am Götschen, diversen Fels-Übungen wie im Karlsteiner Klettergarten und bei der Blaueis-Umrahmung, am Hubschrauber-Simulator in Bad Tölz, bei der Besichtigung der Leitstelle Traunstein, einer Winterausbildung am Predigtstuhl, Übungen mit dem Geländefahrzeug und dem All-Terrain-Vehicle (ATV) oder einer Einsatzleiter-Fortbildung am Stahlhaus. Vier von fünf Anwärtern haben kürzlich die Winterprüfung bestanden und Elisabeth „Eli“ Fuchsreiter und Albert Warren wurden nach jahrelanger Ausbildung und erfolgreich absolvierten Prüfungen bei der Jahreshauptversammlung als aktive Einsatzkräfte aufgenommen. Stefan Stadler überreichte beiden jeweils als Geschenk „zur Erleuchtung“ eine Stirnlampe.

4.500 Euro Spenden für neues E-Mountainbike gesammelt 

Bergwachtmann Franz Helminger konnte bei der Jahreshauptversammlung stolz das neue E-Mountainbike der Bergwacht Teisendorf-Anger präsentieren. Helminger hatte dafür ein Spendenprojekt ins Leben gerufen und insgesamt 4.500 Euro gesammelt, unter anderem von der Sparkasse Berchtesgadener Land, HBB Engineering GmbH aus Anger, Peter Maier Immobilien aus Pfingstl, Früchtehandel Maier, der Bachfrieder KG, Sax Maschinenputz, der Steuerkanzlei Fendt-Kluge-Dufter & Partner und der Familie Willberger. Das E-Mountainbike ist eigentlich bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell, wurde aber auf 45 gedrosselt, damit es als Leichtkraftrad zugelassen werden konnte und ohne Motorradführerschein gefahren werden kann. Mit einem großen Akku im Rucksack kann die Bergwacht damit dort weiterfahren, wo Steige und Wege für das Geländefahrzeug oder das ATV zu eng und zu steil werden und auch an abgelegenen Orten sehr rasch die medizinische Erstversorgung sicherstellen oder große Bereiche im Waldgelände am Teisenberg absuchen. Kassenwart Franz Fürmann berichtete von insgesamt 24.690 Euro an Einnahmen im vergangenen Jahr, darunter die Spenden für das E-Bike, fast 8.500 Euro als Zuschuss für die Bergrettungswache, über 4.000 Euro an Spenden und Förderbeiträgen, 5.700 der BGL-Bürgerstiftung, 1.800 Euro für den Verleih des Kletterturms und 1.200 Euro aus Gerichtsbußen. Dem gegenüber stehen 20.210 Euro an Ausgaben für Ausrüstung der Bergretter (8.850 Euro), Versicherungen (3.050 Euro), Fahrtkostenerstattungen (2.350 Euro), Bewirtungen und Ehrungen (2.200 Euro), einen neuen Frühdefi (1.700 Euro), die Fahrzeuge (1.430 Euro) und Nebenkosten im Gebäude (630 Euro). Die Kasse wurde durch Max Staller und Erwin Koch geprüft.

Mathias „Hias“ Eder ist seit einem halben Jahrhundert aktiv 

Aschauer zeichnete Bergwacht-Urgestein Mathias „Hias“ Eder für 50 Jahre aktiven Dienst mit dem goldenen Ehrenzeichen der Bergwacht Bayern aus. „Hias ist immer da, wenn man ihn braucht, engagiert sich regelmäßig im Pistendienst und ist dabei mindestens genauso körperlich fit wie die ganz Jungen“, lobte Aschauer. Hias Eder trat mit 16 Jahren der Bergwacht Teisendorf-Anger bei, ist seitdem ungebrochen aktiv und durchlebte in den fünf Jahrzehnten mit zunächst sehr spärlicher Ausrüstung einen stetigen Ausbau des bayerischen Bergrettungsdienstes. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir Euch haben, denn Ihr habt bärenstarke Leute!“, lobte Bad Reichenhalls Bergwachtchef Nik Burger in seinem Grußwort und dankte für die gute Zusammenarbeit im Einsatzleitbereich Saalachtal. Freilassings Bereitschaftsleiter Siegi Fritsch erinnerte an den gemeinsamen Sucheinsatz der Bereitschaften Freilassing und Teisendorf-Anger im Januar am Högl, bei dem beide Bereitschaften sehr gut zusammengearbeitet hatten und äußerte den Wunsch, in Zukunft wieder mehr miteinander zu üben. Mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) ist die Bergwacht eng vernetzt und zieht an einem Strang: DAV-Chef Franz Waldhutter dankte den Rettern für die enge und gute Zusammenarbeit und ihren Einsatz für verunfallte und verletzte Bergsteiger und sicherte auch für die Zukunft die uneingeschränkte Unterstützung zu. Während der kommenden eineinhalb Jahre kann das DAV-Heim aber nicht mehr benutzt werden, da wegen eines Anbaus mit Boulderraum das Gebäude komplett geleert werden muss; die Bergwacht weicht während dieser Zeit wieder in ihre Rettungswache aus.

Pressemitteilung BRK BGL

Quelle: BGland24.de

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