Gründung der "Schwimmbadfreunde"

Kann allein die Dorfgemeinschaft ein Bad retten?

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Erster Vorstand der "Schwimmbadfreunde" Hans Helminger.

Teisendorf - Eine teure Sanierung steht an, also droht die Schließung des Neukirchner Schwimmbades. Von der Gemeinde fühlen sich manche im Stich gelassen - nun will man es selber richten!

"Es wurde schon der Metzger, ein Bäcker und ein Wirt geschlossen. Auch das Rathaus haben wir verloren, aber das Schwimmbad verlieren wir nicht!" Es waren starke Worte, die man am Mittwochabend im Gasthaus zur Post in Neukirchen zu hören bekam - hinter ihnen steht Markus Faust, künftig Zweiter Vorsitzender der "Schwimmbadfreunde" in Neukirchen. "So geht's nicht, liebe Marktgemeinde", richtete er seine Worte auch an Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser.

Die Lage ist prekär: Die beiden Gemeinde-Schwimmbäder, Neukirchen und Teisendorf, fahren seit Jahren Defizite ein. Rund 180.000 Euro jährlich. Nun wäre es auch noch höchste Zeit beide Bäder zu sanieren: Man rechnet mit rund 1,5 Millionen Euro Kosten allein in Neukirchen. Viele befürchten, dass es nun ihrem kleineren Bad an den Kragen gehen könnte. Erst im März bewies man dem Gemeinderat, dass scheinbar das ganze Dorf hinter dem Bad steht: Eine Entscheidung über die Zukunft der Schwimmbäder wurde hinausgeschoben, doch in Neukirchen nimmt man nun das Heft selbst in die Hand - der Förderverein soll das Schwimmbad retten.

"Wir werden mit Schubkarren und Baggern bereitstehen"

Volles Haus im Gasthof zur Post am Mittwochabend: Die "Schwimmbadfreunde" sind nun gegründet. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Rund 160 Mitglieder traten aus dem Stand bei, doch was können sie ausrichten? "Gelder zuschießen und bei der Sanierung mithelfen", sagt Thomas Prechtl. Der Neukirchner Gemeinderat ist zugleich Schwimmbadreferent im Markt und schob bei der Gründung des Fördervereins kräftig mit an. "Wir werden mit Schubkarren und Baggern bereitstehen", verspricht Markus Faust. Auch der Erste Vorstand Hans Helminger weiß: "Mit diesem Verein können wir vor dem Gemeinderat punkten. Jeder sieht, dass den Leuten ihr Bad nicht egal ist." Darauf wird's ankommen, denn manch Teisendorfer Gemeinderat sprach sich bereits für die Schließung eines der Bäder aus.

"Deutschland ist ein Volk von Nichtschwimmern geworden", sagt Thomas Prechtl. Rund ein Drittel der Kinder könne kaum oder gar nicht mehr schwimmen. Doch genau in solch kleinen, aber feinen Bädern wie dem in Neukirchen lerne es der Nachwuchs, so Prechtl: "Nicht in Spaßbädern, die für das Schulschwimmen nicht geeignet sind."

Was wurde aus den großen Sprüchen im Wahlkampf?

Gemeinderat und Schwimmbadreferent Thomas Prechtl.

Neben der Aufbruchstimmung war bei der Gründungsversammlung aber auch Unmut zu spüren: "Wir lassen unsere Schwimmbäder nicht baden gehen", versprachen erst im vergangenen Jahr die CSU-Plakate zur Kommunalwahl. "Warum sitzen wir dann heute überhaupt zusammen? Werden wir verarscht?", hieß es von einem der "Schwimmbadfreunde". Rathauschef Gasser beschwichtigte: "Damit wollten wir sagen, dass wir das Thema angehen und nicht auf die lange Bank schieben." Außerdem habe man damals noch nicht gewusst, wie groß der Sanierungsbedarf im Neukirchner Bad sei, sprang ihm Bezirksrat Georg Wetzelsperger bei.

Eindrücke aus der Marktgemeinderatssitzung im März: Schon damals wurde bewiesen, wie das Dorf an seinem Schwimmbad hängt. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Nun ist nicht nur Überzeugungsarbeit bei den Gemeinderäten, finanzielle und tatkräftige Unterstützung bei einer möglichen Sanierung gefragt, sondern die ganze Dorfgemeinschaft. Den Neukirchnern schwebt das Beispiel Tuntenhausen im Landkreis Rosenheim vor. Dort gründete sich ebenfalls ein Förderverein zur Rettung des Schwimmbades, die Sanierungskosten konnten dank der Mithilfe von 500.000 auf 150.000 Euro gedrückt werden: "Alle halfen mit. Das war eine Dorfangelegenheit dort." Inzwischen belaste das Bad das Gemeindebudget nur noch mit 15.000 Euro jährlich. Ob dies auch die Dorfgemeinschaft in Neukirchen stemmen könnte? Hätte man nicht schon einen freiwilligen Kassier gefunden, gäbe es das Neukirchner Bad vielleicht heute schon nicht mehr - daher ist man zuversichtlich: "In Teisendorf würde das nicht hinhauen, die haben viele Zugereiste. Aber bei dem Zusammenhalt in Neukirchen wird das klappen!"

xe

Quelle: BGland24.de

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