Sprachlosigkeit über Kostenberechnungen der Planer

"Wahnsinn!" Wie können Klein-Baustellen so teuer werden?

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Das Bindergartl zwischen Friedhof und Fußballplatz: Über 80.000 Euro veranschlagten die Planer, um diesen Grund in Parkplätze zu verwandeln.

Tittmoning - Auf einem kleinen Wiesenstück sollen Parkplätze entstehen und ein Fußweg soll barrierefrei werden - doch über die Kosten herrschte im Stadtrat teils blankes Entsetzen.

"Das sprengt den Rahmen", "Wahnsinn", "Ich bin sprachlos" - Das Unverständnis war fraktionsübergreifend. Zwei kleinere Baumaßnahmen stehen in Tittmoning an: Die Verbesserung der Anbindung der Wasservorstadt an die Altstadt und die Umgestaltung des Bindergartls, einem kleinen Grünstreifen westlich des Friedhofs. Doch die Kostenberechnungen ließen viele Stadträte am Dienstag die Augen reiben.

Neuer Fußweg in die Wasservorstadt: 89.416 Euro

Der Fußweg hinter dem Rathaus hinunter in die Wasservorstadt: Fast 90.000 Euro würde die aufwändige Sanierung kosten.

Der Fußweg hinter dem Rathaus hinunter zu den Parkplätzen in der Wasservorstadt soll ausgebaut werden: Zusätzliche Treppenstufen, eine zusätzliche, barrierefreie "Schleife", um dem Weg die Steigung zu nehmen, Asphaltgrund. Kommt man auf ein Gefälle von "weitestgehend 13 Prozent" winkt der Stadt dafür eine Städtebauförderung von bis zu 60 Prozent. Das Problem: Die Architekten stellten den Stadträten ursprünglich Varianten vor die 31.000 bis 50.000 Euro kosteten. Die erste Kostenschätzung lag dann schon bei 54.000 Euro und nun soll das Ganze 89.416 Euro kosten

"Wenn das so teuer wird, dann machen wir vorerst lieber gar nichts und überlegen uns eine gänzlich neue Anbindung an die Wasservorstadt", so Josef Wittmann. Hätte man sich in der Verwaltung für einen kleineren, billigeren Ausbau des Weges entschieden, hätte es dagegen keine Fördermittel vom Freistaat gegeben. "Lieber das Geld sparen und gleich einen Schrägaufzug bauen", schlug Ute Sesselmann vor. 

Sesselmann störte sich außerdem daran, dass zusätzliche Bäume gepflanzt werden sollen, obwohl man die Verbindung von der Altstadt hinunter zur Salzach eigentlich heller haben wollte: "Und ein Handlauf aus Holz für 6300 Euro? Das ist doch ein Witz!" Doch gleich der nächste Punkt auf der Tagesordnung führte wieder zu Kopfschütteln.

Sechs Parkplätze auf einer Wiese: 80.167 Euro

Das Bindergartl ist ein kleines Stück Grün an der westlichen Friedhofsmauer. Die Stadt braucht neue Parkplätze, daher kaufte man den gut 200 Quadratmeter großen Grund. Sechs Stellplätze rechnen sich die Planer aus - doch wieder herrschte über die Kostenschätzung teils Entsetzen: 80.167 Euro um aus einer Wiese Parkplätze zu machen. Auch hier rechnet man mit bis zu 60 Prozent Städtebauförderung.

"Ich finde das Wahnsinn, ich bin sprachlos", entfuhr es Ute Sesselmann: "Das kann man doch einfach aufkiesen und kostet dann vielleicht 20.000 Euro. Für sowas braucht man doch keine Städtebauförderung!" Und Stadtrat Glück erinnerte daran, dass es sich dabei nur um eine Kostenschätzung handeln würde - wohin sich solche Schätzungen entwickeln könnten, habe man ja beim vorherigen Thema gesehen.

"Planungsbüros wollen rausholen, was nur rauszuholen ist"

Ins Visier der Stadträte geriet schließlich auch das Münchner Planungsbüro "Plankreis": "Die wollen rausholen, was nur rauszuholen ist! Das Planungsbüro ist nicht in der Lage oder nicht Willens kostengünstige Entwürfe zu erstellen", hieß es. Ute Sesselmann fragte wiederum, warum man für sechs neue Parkplätze auf einer Wiese überhaupt eine Planung brauche.

Sowohl beim Thema "Anbindung der Wasservorstadt" als auch bei den Parkplätzen im Bindergartl war man sich schließlich einig: Die Themen werden abgesetzt, die Abstimmungen verschoben - erst soll mit dem Planungsbüro nochmal hart ins Gericht gegangen werden.

xe

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