Waginger Veteranenverein droht das Ende

Auflösung? "Von Mitgliedern erbärmlich im Stich gelassen"

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Waging - Im Jubiläumsjahr steckt der Veteranenverein in einer Führungskrise: Es lassen sich kaum mehr Mitglieder finden, die die Vorstandschaft übernehmen wollen. 

Ausgerechnet in ihrem 150. Gründungsjahr ist die Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging in einer schweren Führungskrise. Mit dem kommissarischen Vorstand Robert Obermaier sowie dem Kassier und Schriftführer Hans Kreuzeder besteht die Vorstandschaft nur noch aus zwei Mitgliedern. Aus diesem Grund fiel die 150-Jahr-Feier auch eher bescheiden aus.

Vereinsauflösung steht zur Debatte

Leider befinde sich die Waginger Kameradschaft aktuell in einer Führungskrise, da niemand bereit sei, das Amt des 1. Vorstands zu übernehmen. Deshalb sei sogar die Auflösung des Vereins im Gespräch. Seine Hochachtung galt den Kameraden Obermaier und Kreuzeder, die versuchten, das Schlimmste zu verhindern. „Ich würde mir wünschen, dass dieses vorbildliche Handeln eine Initialzündung auslöst und sich für die nächsten Jahre ein größeres Team finden lässt, das Verantwortung übernimmt und den Fortbestand der Kameradschaft sichert“, war sein Wunsch zum 150. Jubiläum.

„Nach außen hin erweckt die Kameradschaft Waging – und das sage ich ganz offen, auch wenn es nicht in den Rahmen einer Jubiläumsfeier passt und vermutlich den Einen oder Anderen verärgert - , dass sich Obermaier und Kreuzeder für den Verein aufopfern, aber gleichzeitig von fast allen der über 200 Mitglieder erbärmlich im Stich gelassen werden“, lautete das vernichtende Urteil Friteznwengers, der sich anbot, bei der Behebung der Führungskrise mitzuhelfen. Ganz ähnliche Probleme hatte bis vor kurzem auch der Grassauer Trachtenverein: Eine Auflösung konnte in letzter Minute abgewendet werden

Die 150-Jahr-Feier

Zusammen mit den Krieger- und Soldatenkameradschaften Otting, Taching und Tettenhausen zogen die Waginger, begleitet von der Musikkapelle Waging, zum Kriegerdenkmal, an dem Bürgermeister Herbert Häusl im Namen der Waginger Krieger- und Soldatenkameradschaft für die Gefallenen der vier Kriege in den vergangenen 150 Jahren eine Blumenschale abstellte. Dazu spielte die Waginger Blaskapelle das Lied vom „Guten Kameraden“. Den kirchlichen Segen spendete Pfarrer Bernhard Lammerdinger, der anschließend auch den Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche hielt. 

Bei der offiziellen Feier im Hotel-Gasthof Wölkhammer erinnerte 2. Vorstand Obermaier daran, dass die Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging vor 150 Jahren aus der sozialen Not heraus gegründet worden sei. Der deutsche Bruderkrieg von 1866 war gerade zu Ende. Die soziale Gesetzgebung des Staates war völlig unzureichend. „In den neu gegründeten Krieger- und Veteranenvereinen half man sich gegenseitig über die größte Not hinweg, die durch unsinnige Kriege entstanden sind“, so Obermaier. Seit seiner Gründung diene der Verein auch der Pflege der Tradition und damit verbundenen soldatischen Tugenden wie Ehre, Selbstbewusstsein, Treue und Bescheidenheit, meinte der 2. Vorstand. Dies habe nichts mit Militarismus zu tun, betonte er. 

Die Geschichte der Waginger Veteranen

In seinem geschichtlichen Rückblick sagte er, gesichert sei, dass der Krieger- und Veteranenverein Waging 1866 gegründet worden sei. Bereits 1872 fand die erste Fahnenweihe statt. Die Fahnen ist heute noch im Besitz des Vereins. Johann Klimmer übernahm 1935 den im Reichskyffhäuserbund gleichgeschalteten Verein. Beim Einmarsch der US Armee 1945 war der Verein bereits aufgelöst. Sicherheitshalter wurden sämtliche Unterlagen vernichtet. Klimmer rief 1952 die alten Mitglieder zur Neugründung des Vereins zusammen und übernahm die Leitung. Klimmer wurde 1955 von Martin Huber als 1. Vorstand abgelöst. 

Huber richtete das 90. Gründungsfest mit 49 Vereinen und fünf Musikkapellen aus. 1962 wurde Karl Schmid zum Nachfolger von Huber gewählt. Unter seiner Verantwortung wurde 1966 das 100-jährige Bestehen gefeiert. Festleiter war Martin Huber. An der Feier beteiligten sich 92 Vereine und sieben Musikkapellen. Fünf Jahre später wurde Otto Pirchner zum 1. Vorstand gewählt. „Seiner Initiative sind die Renovierung des Kriegerdenkmals, die Umbenennung in Krieger- und Soldatenkameradschaft, die Werbung von Reservisten der Bundeswehr, die Unterstützung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Ausrichtung des 120. Gründungsfestes mit Beschaffung einer neuen Fahne und viele gesellschaftliche Zusammenkünfte zu verdanken“, sagte Obermaier. 

Die Ära von Pirchner ging 1996 zu Ende. Zum 1. Vorstand wurde Nick Frank gewählt, der dieses Amt 19 Jahre inne hatte. In seiner Amtszeit wurden mit Hilfe des 2. Vorstands Anton Siglreitmeier die Haussammlungen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert. Frank setzte sich besonders auch für die Pflege des Kriegerdenkmals ein. Ein großes Anliegen war für ihn auch die Heimkehrer- und Dankwallfahrt auf den Mühlberg, die seit der Wiederzulassung des Vereins 1952 jedes Jahr im Mai durchgeführt wird. „Heute erinnern die Krieger- und Soldatenkameradschaften an die Grauen und Sinnlosigkeit der vergangenen und heutigen Kriege auf unserer Erde. Möge uns hoffentlich ein vereintes Europa und eine geeinte Welt, in denen der Mensch vor den Kapitalerträgen steht, in der Friedenssicherung weiter bringen.“ Mit diesem Wunsch beendete Obermaier seine Ansprache. 

Bürgermeister Herbert Häusl erinnerte an die vier Kriege mit ihren jeweiligen Folgen in den vergangenen 150 Jahren auf deutschem Boden: der „Deutsche Krieg“ von 1866, der Krieg von 1870/71 gegen Frankreich, der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 und der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945. „Der Zweitraum, den ich nur kurz skizziert habe, umfasste von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende nur 79 Jahre, in dem vier Kriege geführt wurde“, sagte Häusl. In jedem dieser Kriege seien nicht nur unzählige Soldaten und Zivilisten gestorben, sondern auch Verwundete, Invaliden und, heute würde man sagen, traumatisierte Soldaten, oft erst nach Jahren der Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen. Kriege umfassten immer Gewalt und Zerstörung, Tod und Trauer, Armut und Not sowie Schmerz und Leid in unbeschreiblicher Weise. 

Die Krieger- und Veteranenvereine hätten mit ihrer Gründung eine wichtige soziale Lücke ausgefüllt, denn nach einem Krieg habe sich niemand mehr um die Soldaten gekümmert, sagte der Bürgermeister. Heute sei die Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging ein wichtiges Bindeglied ehemaliger Soldaten zu den aktiven Soldaten zu den Standorten Bad Reichenhall und Berchtesgaden. Gerade aus diesen Standorten würden immer wieder Soldaten zu Friedensmissionen in Auslandseinsätze geschickt. „Wir wollen ihnen auch weiterhin den Rücken stärken“, betonte Häusl. 

Die Krieger und Soldatenkameradschaft Waging habe sich die große Aufgabe gestellt, für den Frieden einzutreten. Die Haussammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge habe über Jahrzehnte hervorragende Ergebnisse gebracht. Wichtig und wertvoll sei die alljährliche Dankwallfahrt auf den Mühlberg. „Frieden und Verständigung muss unwiderruflich in den Menschen verankert sein. Wir brauchen wesentlich mehr Achtung vor unseren Mitmenschen, nicht nur in unserem Land, mehr Verantwortung gegenüber dem Nächsten, mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft, mehr Kameradschaft, Freundschaft und Treue“, stellte der Bürgermeister fest. Dies seien Grundsätze, die wir beachten und befolgen müssten, um auf Dauer ein friedliches Miteinander möglich zu machen. Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging sei ein leuchtendes Beispiel dafür, dass dies auch 150 Jahre nach ihrer Gründung möglich sein könne. 

Häusl übergab Obermaier eine Spende der Gemeinde als Zuschuss zu den Kosten der Renovierung der Fahne von 1986 anlässlich des 150. Jubiläums. Mit 150 Jahren zähle die Waginger Kameradschaft zu den ältesten und mit über 200 Mitgliedern zu den mitgliederstärksten der 30 im Gauverband der Vereinigten Krieger- und Soldatenkameradschaften des Rupertigaus zusammengeschlossenen Vereine, sagte 2. Gauvorstand Stefan Fritzenwenger. 

Der 2. Gauvorstand erinnerte an Otto Pirchner und Nick Frank, die sich mit Ferdinand Egger durch ihre langjährige Tätigkeiten besondere Verdienste erworben hätten und dafür mit der Gauanstecknadel und einer Urkunde ausgezeichnet worden seien. Diese Gauanstecknadel hätten sich Hans Kreuzeder, der seit 20 Jahren die Ämter der Kassiers und Schriftführers ausübt, Robert Obermaier, der seit 2004 Fähnrich war und seit 2015 als 2. und kommissarischer Vorstand fungiert, sowie Anton Siglreitmeier, der von 1996 bis 2015 2. Vorstand war, mehr als verdient. 

Fritzenwenger übergab die Gauanstecknadel mit den Gauvorstandsmitgliedern Josef Mayer und Alois Rambichler. Auch die Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging hatte zwei besondere Ehrungen vorgesehen. Für seine Verdienste als Fähnrich (14 Jahre), 2. Vorstand (sieben Jahre) und 1. Vorstand (19 Jahre) wurde Nick Frank mit einer Urkunde zum Ehrenvorstand ernannt. Für seine 65-jährige Zugehörigkeit bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft Waging bekam Franz Pirchner ebenfalls eine Ehrenurkunde. 

Bjr/xe

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