Bergener Asylbewerber wollen aber standhaft bleiben

Geldhahn zugedreht: Druck auf Flüchtlinge wächst

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Eine Aufnahme vom Dorfplatz in Bergen vom Donnerstagnachmittag.

Bergen - Sie wohnten über Jahre in einem alten Gasthaus im Ortszentrum, am Mittwoch sollten sie umgesiedelt werden: Doch 21 Flüchtlinge weigerten sich und verbrachten nun die Nacht im Freien.

Update 15.10 Uhr:

Der Druck auf die verbliebenen 21 Asylbewerber wächst: Nach Angaben einer Helferin am Dorfplatz erhielten die Männer nun kein Geld mehr vom Kreissozialamt. Trotzdem wollen die Flüchtlinge wohl auch die kommende Nacht im Freien verbringen. Bürgermeister Schneider duldet das Camp soweit. "Die wollen solange hier übernachten, wie es geht", so die Helferin. Man habe bereits überlegt, die Flüchtlinge teils bei sich selbst zuhause aufzunehmen, doch das wird vom Landratsamt wohl nicht gestattet. 

Acht weitere Asylbewerber, die zuvor ebenfalls im alten Gasthof Hochfelln unterkamen, sind zwischenzeitlich in eine neue Unterkunft nach Bernhaupten gezogen. Im Gegensatz zu den verbliebenen 21 Flüchtlingen vom Dorfplatz sind sie anerkannte Asylbewerber, haben teils Kinder, außerdem auch eine Arbeitserlaubnis und Jobs. Doch in etwa einem Monat soll auch die Unterkunft in Bernhaupten aufgelöst werden. 

Auch eine Rückkehr ins alte Gasthaus Hochfelln ist ausgeschlossen: Der Vertrag mit der Regierung wurde nicht verlängert, der Pächter hat nun außerdem vor, das Gebäude wieder zu sanieren um wieder einen Gastwirt zu finden. "Die Unterbringung der Asylbewerber in Kühnhausen ist alternativlos", heißt es auch aus dem Landratsamt. Eine Facebook-Unterstützergruppe mit Online-Petition hat sich inzwischen trotzdem gegründet.

Unser Artikel vom Donnerstagmorgen: 

"Es war eine lange Nacht, und sie war kalt und ziemlich nass – sowohl für die Flüchtlinge als auch für alle Helfer aus Bergen ein durchaus heftiges und sehr bewegendes Erlebnis." Das Fazit, das der Bergener Helferkreis einen Tag nach dem verweigerten Umzug der Asylbewerber zieht, klingt trotzig. Sie verbrachten die Nacht auf dem Dorfplatz in Bergen.

Fotos aus Bergen: Flüchtlinge verweigern Umzug nach Petting

Die Flüchtlinge fühlen sich in Bergen gut integriert, leben seit knapp drei Jahren in der Ortsmitte. Weil die Staatsregierung die Pachtverträge mit dem alten Gasthof Hochfelln aber nicht verlängerte und eine andere Unterkunft in Kühnhausen bei Petting nun bereit steht, sollten sie am Mittwoch umgesiedelt werden. Doch das dortige Haus ist etwas abgeschieden, drei Kilometer von Petting entfernt. Die 21 jungen Männer weigerten sich, in den Bus zu steigen.

Bevölkerung solidarisiert sich

Auch Fußballer des TSV Bergen solidarisierten sich über die Nacht: Sie entschieden sich, in Schichten die Nacht aus Solidarität mit den Flüchtlingen zu verbringen und ihren Protest zu unterstützen. "Es wurde Essen gebracht und Kannen, voll von heißem Kaffee. Es wurden Schirme und Decken auf den Dorfplatz gebracht", berichtet ein Helfer. Auch eine Schubkarre voll Brennholz steht nun im Ortszentrum. Entzündet wurde es nicht, um kein öffentliches Ärgernis zu wecken.

Fotos: Flüchtlingsheim Kühnhausen von außen und innen

Vertreter des Landratsamtes versuchten am Mittwoch vergeblich, die 21 Asylbewerber zum Umzug an den Waginger See zu überreden - es könnte Konsequenzen haben: Denn ihre offizielle Anschrift lautet seit Mittwoch "Kühnhausen", die Unterkunft ist verpflichtend. "Wenn die Flüchtlinge dort nicht einziehen, erhalten sie früher oder später keine Leistungen mehr", so Roman Schneider, der Pressesprecher des Landratsamtes. Der Helferkreis deutete bereits an, dass es nicht die letzte Nacht gewesen sein könnte, die die Flüchtlinge auf dem Bergener Dorfplatz verbrachten. 

xe

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