Ramsauer redet Klartext in der Heimat

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In der "Wasserwelt" der Adelholzener Alpenquellen stellten sich vor dem Jahresempfang den Fragen heimischer Unternehmer: Harald Schwarzbach und Landrat Hermann Steinmaßl, Geschäftsführer beziehungsweise Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderungs GmbH, MdB Peter Ramsauer und MdL Klaus Steiner (von links).

Bad Adelholzen - "Ich will, dass besser gefahren, gewohnt und gebaut werden kann", so Dr. Peter Ramsauer zu seinen Mitarbeitern im Verkehrsministerium. Am Freitag war er zu Besuch in der Heimat.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus der Chiemgau-Zeitung:

"Besser fahren, wohnen, bauen"

"Alle 82 Millionen Deutsche sind mobil, wohnen und bauen." Mit diesen Worten hat sich Peter Ramsauer, seit 28. Oktober 2009 Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, nach seinen Worten im Ministerium den Mitarbeitern vorgestellt."Mein Anspruch ist, mich daran messen zu lassen, dass besser gefahren, gewohnt und gebaut werden kann."

Eben noch hat Minister Ramsauer im Reichstag zu Berlin den mit 26,4 Milliarden Euro viertgrößten Einzeletat insgesamt vorgestellt (mit 14,8 Milliarden Euro gar den größten Investivetat des gesamten Bundeshaushaltes), war am nächsten Morgen in Sachen Meerespolitik nach Hamburg geflogen, um zwischendurch am Freitagabend in Bad Adelholzen Heimatluft zu schnuppern. Erneut war der Stimmkreisabgeordnete Festredner beim Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen , nun als erster Bundesminister der Region.

Um die 350 Vertreter aus Politik und Wirtschaft, auch aus dem benachbarten Salzburg, sind dem Ruf von Franz Ober, dem Vorsitzenden des Gewerbeverbandes Traunstein und Umgebung, gefolgt, um in der Festhalle der Adelholzener Alpenquellen Gedanken auszutauschen, sich ein erfolgreiches neues Jahr zu wünschen, sich ob der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten Mut zu machen.

Karin und Alois Schroll aus Traunstein-Hochberg sorgten zwischendurch für heimatliche Klänge.

Gerade dieser Erwartung wurde der mit Gattin angereiste Traunwalchener Bundespolitiker in seinem fast dreiviertelstündigen, frei gehaltenen Festvortrag mehr als gerecht. Zuvor schon hatte Landrat Hermann Steinmaßl die vertretene Unternehmerelite der Region dafür gelobt, "in dieser schwierigen Zeit sowohl zum Standort als auch den Mitarbeitern zu stehen", während Professor Dr. Fritz Wickenhäuser , Präsident des 22000 Mitglieder zählenden Bundes der Selbstständigen in Bayern auf eine gerade erfolgte Umfrage verwies. Danach wollten 80 Prozent der Mitgliederfirmen ihren Personalbestand halten, jeweils zehn abbauen beziehungsweise aufstocken. Als Hausherr konnte Adelholzener-Geschäftsführer Stefan Höchter ("Unsere Einnahmen fließen zu hundert Prozent in die karitativen Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern") die Marktführerschaft unter den deutschen Markenschorlen vermelden.

Franz Ober gab noch bekannt, dass die Thalmühle des Festredners seit über einem halben Jahrhundert Mitglied im Gewerbeverband sei, bevor er ihm das Mikrofon für den Vortrag mit dem anspruchvollen Thema "Die Infrastruktur im regionalen, nationalen und europäischen Kontext - Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze der Region" frei gab. Ramsauer räumte gleich, wie zuvor schon beim Wirtschaftsgespräch der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises im kleineren Kreis, mit einem Missverständnis auf. Er wolle nicht, wie kolportiert, den Aufbau-Ost abwürgen, sondern, ohne andere zu schädigen, alles tun, um wichtige Infrastrukturmaßnahmen in den alten Bundesländern, "besonders in meiner Heimat", zu schaffen.

Dazu gehörten auch Meldungen, wonach sich der Verkehrsminister in einem "Geheimtreffen" mit Bahnchef Rüdiger Grube auf eine angeblich geheime Streichliste von Schienenprojekten gegeben habe. Ramsauer: "Das ist größter Quatsch, alles frei erfunden." Konkret gehe es um die Transversale Paris-Berlin-Budapest, in der Region um den Abschnitt München-Mühldorf-Freilassing. Auch wenn es in seinem Haus heiße, die Finanzierung müsse noch gesichert werden, so bedeute dies doch nicht, der dreigleisige Ausbau der Schnellzugverbindung sei ad acta gelegt.

Apropos Bahn: Sie muss nach den Worten des Verkehrsministers besser, zuverlässiger werden, wolle sie ihrem öffentlichen Auftrag gerecht werden. "Deswegen wehre ich mich auch gegen den Privatisierungswahn." Denn bei einem, wegen der Finanzkrise verschobenen, Gang zur Börse drohe ein Qualitätsverlust. Dann werde nur noch nach kaufmännischen Gesichtspunkten agiert, so billig wie möglich eingekauft, um sich eine hohe Rendite zu sichern.

Angesichts des zu erwartenden höheren Frachtaufkommens von 900 Millionen Tonnen im Jahre 2025, von deren gerade einmal 150 Tonnen zusätzlich auf die Schiene verlagert werden könnten, müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um einen Ausbau der A8 auf sechs Spuren plus Standstreifen zu erreichen. Nur so könne dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen gerecht werden, betonte der Bundesminister.

Ein Lieblingsprojekt Ramsauers, der in seinem 1700 Mitarbeiter zählenden Ministerium die neue Unterabteilung für Klima- und Umweltschutzpolitik geschaffen hat, weil 70 Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs und 40 Prozent der gesamten CO2-Emissionen mit Themen seines Hauses verbunden seien, ist das Elektro-Auto. "Meine Vision ist: So, wie wir die besten Autos bauen, werden wir auch die besten E-Autos bauen." Dazu seien bundesweit acht Modellregionen mit Tankstellen für solche emissionsfreien Verkehrsmittel geschaffen worden. In zehn Jahren werden eine Million E-Autos angepeilt. Dr. Ramsauer ("Ich bin gelernter Betriebswirt") vor den regionalen Wirtschaftsvertretern: "Ich vertraue auf die Kunst des deutschen Ingenieurswesen, dass Autos entwickelt werden, die so kostengünstig und auch 'cool sind, dass sie sich von selbst verkaufen."

Der fast 56-Jährige schloss: "Es geht wieder aufwärts." Wenn überall im Land so gedacht und gehandelt werde "wie hier in der Heimat, dann ist mir um Deutschland nicht bang".

Michael Thun/Chiemgau-Zeitung

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