Gegen den Ausstieg vom Ausstieg

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Rund 600 Demonstranten aus den fünf Landkreisen der Region 18 zogen vom Traunsteiner Bahnhof in die Innenstadt und protestierten gegen die geplante Verlängerung von Atomkraftwerken.

Traunstein - Rund 600 Demonstranten haben in Traunstein am Zug vom Bahnhof zum Stadtplatz teilgenommen. Ihre Forderung: "Hände weg vom Atomausstieg!"

Aus Solidarität zu der am Samstag vom Atomkraftwerk (AKW) Brunsbüttel zum Atomkraftwerk Krümmel gebildeten Menschenkette fand sich ein Demonstrationszug gegen die Nutzung von Atomkraft ein. Nach Einschätzung von Ulrich Kühn, Sprecher vom "Forum besorgter Bürger", nahmen rund 600 Demonstranten aus den fünf Landkreisen der Region 18 am Zug vom Bahnhof- zum Stadtplatz teil, der dort mit einer Kundgebung mit Rednern von Parteien, Umweltverbänden und anderen Organisationen zu Ende ging.

Mit dem Slogan "Hände weg vom Atomausstieg" protestierten sie vor allem gegen die von der Bundesregierung geplante Verlängerung von AKW-Laufzeiten. "Wer auf Atomkraft setzt, der spielt mit unserer Gesundheit und der folgender Generationen", sagte der Landtagsabgeordnete der Grünen, Sepp Daxenberger. Außerdem gefährde das Festhalten an der Atomkraft den Markt der er-neuerbaren Energien, weil Atomenergie und erneuerbare Energie in einer Konkurrenzsituation stünden. Das AKW-Rettungskonzept vernichte damit Arbeitsplätze im Mittelstand.

Hermann Eschenbeck vom Bund Naturschutz wies die These, die deutschen AKW seien die sichersten, als "Lüge" zurück, denn sie hielten Flugzeugabstürzen nicht stand und seien gegen Terroranschläge nicht geschützt. Nach einem Supergau wären ganze Regierungsbezirke und Bundesländer unbewohnbar, denn die Halbwertzeit von Plutonium betrage 24.000 Jahre. "4000 Generationen sind mit dem Risiko der Kernkraft belastet", sagte er. Die Endlagerung sei nicht gesichert. Auch ohne AKW gingen die Lichter nicht aus, weil es keine "Stromlücke" gebe. AKW könnten durch die erneuerbaren Energien mehr als ersetzt werden.

Markus Söder müsste als bayerischer Umweltminister die Verantwortung für das Leben übernehmen, betonte die SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl. Sie wies dabei auf die Störfälle, die ungelöste Endlagerung und die Angst der Menschen hin. Deshalb war sie auch enttäuscht, dass Landrat Hermann Steinmaßl und Oberbürgermeister Manfred Kösterke nicht in der ersten Reihe stehen. Schließlich hätten alle Politiker geschworen, ihre ganze Kraft zum Wohl der Menschen einzusetzen.

Dr. Renate Schunck von der Organisation "Ärzte gegen den Atomkrieg" machte auf eine Studie aufmerksam, wonach für die Kinder, die in der Nähe von AKW aufwachsen, die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Leukämie zu erkranken, um ein Vielfaches höher sei.

Pfarrer Siegfried Fleiner von attac Rupertiwinkel forderte, auch die Argumente der Gegenseite zu kennen und anzuhören. Wenn man die sinnvollen Argumente zusammenfasse, sei beim Abschalten der AKW 2020 eine Stromlücke zu erwarten, die die Atomenergie erforderlich mache. Die Atomgegner wiesen zum Beispiel auf die Katastrophen, die Endlagerproblematik und den Gebrauch als Atomwaffen hin. Man müsse diese Argumente überdenken und dann entscheiden.

Die zwei großen Kirchen hätten dies gemacht. Die evangelische Kirche habe bereits festgestellt, dass die Atomenergie keine Energie sei, sich die Erde untertan zu machen. Und die katholische Kirche meine, dass man mit der Gewinnung von Atomenergie die Probleme des Klimawandels nicht lösen könne. Im Grundgesetz sei auch die Verantwortung gegenüber künftige Generationen verankert. Verantwortung trage ein jeder, zum Beispiel sei dies durch Energiesparen unter Beweis zu stellen. "Das ist nur möglich, wenn wir bereit sind, unseren Lebensstil zu verändern, indem wir nicht auf steigenden Wohlstand, sondern auf Lebensqualität setzen", so Pfarrer Fleiner.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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