Geothermische Energie für Traunreut

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Traunreut - Aufbruch zur Nutzung der Erdwärme: Unerschöpflich, sauber, sicher und preiswert soll die neue Wärme sein. Damit hat Landrat Hermann Steinmaßl für den Landkreis ein großes Ziel gesetzt.

Die nahezu vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2020. Die Stadt Traunreut hat dieses Ziel schon erreicht und will als Wirtschaftsmotor der Region zu einem landkreisweiten Erfolg beitragen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Nutzung lokaler Ressourcen, die Erdwärmenutzung (Geothermie).

Schon heute wird rein rechnerisch über den gesamten Strombedarf der Traunreuter Privathaushalte hinaus Ökostrom erzeugt: zu 76 Prozent aus dem Biomasseheizkraftwerk der STEAG GmbH bei B/S/H/ Traunreut (dabei wird der Großteil des Altholzbedarfs aus der Region herangeschafft), aus Wasserkraft (16 Prozent) und Photovoltaik (8 Prozent).

Geothermische Energie für Traunreut

Jetzt kommt noch die Geothermie, die tiefe Erdwärmenutzung, dazu. Nach den Vorgaben von Bund und Land muss die Energieversorgung in Deutschland komplett umgebaut werden. Dabei soll gerade in Bayern die Geothermie, die erst einen geringen Beitrag zur Energieversorgung leistet, einen höheren Anteil haben.

Die tiefe Geothermie-Nutzung ist sowohl wirtschaftlich als auch technisch eine Herausforderung. Besonders in Traunreut, am südlichen Rand des süddeutschen Molassebeckens gelegen. Das heißt, der Zielhorizont einer Förderbohrung (zur Entnahme des heißen Thermalwassers) und einer Injektionsbohrung (zur Rückführung des thermisch genutzten Wassers) liegt in Traunreut bei einem Niveau bis zu 5.000 Meter.

Der Standort es geplanten Geothermiekraftwerkes Traunreut befindet sich an der ST 2104, der sogenannten Waginger Straße gegenüber dem Kieswerk der Firma Rinke. Der Bohrbeginn für die Förderbohrung beginnt im Herbst 2011. Der Bohrplatz ist schon fertig gestellt. Bei optimalem Verlauf könnte die Bohrzeit 220 Tage betragen. Auf Grundlage der seismisch-geologischen Erkenntnisse wird eine Wärmetemperatur von 130°C erwartet bei einem Fördervolumen von 130 Liter pro Sekunde.

Die darauf folgende Reinjektionsbohrung soll bis in Richtung Oberwalchen so abgelenkt werden, dass ein Abstand von etwa zwei Kilometer zur Vermeidung eines thermischen Kurzschlusses, entsteht. Das Unternehmen erfordert sehr hohe Anfangsinvestitionen in die Bohrungen und in den Kraftwerksbau. Geothermie ist eine technische Herausforderung für Anlagen- und Werkstofftechnik, gerade bei der Stromerzeugung. Einmal investiert ist die Geothermie aber langfristig kostenstabil und damit planbar.

Nicht zuletzt ist Geothermie eine erneuerbare, 100 % CO2-freie und damit Klima schonende Energiequelle. In punkto Nachhaltigkeit bei der Ressourcenverfügbarkeit, Minimierung der Umweltbelastungen und der Endlagerung, der Versorgungssicherheit und der Friedfertigkeit ist sie, wenn verfügbar, die einzig richtige Entscheidung für die künftige Energieversorgung; eine lokal ohne optische Beeinträchtigung erzeugte Energie. Die Wärme wird an der Oberfläche mittels eines Wärmetauschers auf einen Sekundärkreislauf übertragen.

Mit dem daraus entstehenden Dampf kann Strom erzeugt und mit der Kraftwärmekopplung Wärme für das Fernwärmenetz ausgekoppelt werden. Das abgekühlte Wasser wird mit etwa 55°C über die zweite Injektionsbohrung Reinjektionsbohrung wieder zurückgepresst. Die elektrische Leistung ist zwischen 3 und 5 Megawatt geplant. Nach erfolgreichen Bohrungen könnte schon ab Herbst 2012 in das städtische Fernwärmenetz eingespeist und im Jahre 2013 ein Erdwärmekraftwerk errichtet werden.

Das Gesamtinvestitionsvolumen wird mit annähernd 60 Millionen Euro beziffert. Die Nutzung der Geothermie leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und ist eine immer wichtiger werdende Option neben Biomasse, Solar- und Windenergie und intensivem Energiesparen. Wir ersparen mit ihr Importe von Öl und Gas und – anders als Wind- und Solarenergie – steht Geothermie zuverlässig rund um die Uhr zur Verfügung.

kaf

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser