Bessere "Job-Perspektive"

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Von Links: Berchtesgadens Landrat Georg Grabner, sein Traunsteiner Amtskollege Hermann Steinmaßl, Anette Farrenkopf (Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur), Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, Ralf Holtzwart (Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit), Freilassings 1. Bürgermeister Josef Flatscher, Traunsteins 2. Bürgermeister Hans Zillner sowie Kreishandwerksmeister Peter Eicher, der dem Verwaltungsausschuss der Agentur angehöre.

Traunstein/Freilassing - Das Bürgerarbeitsmodell soll die Arbeitslosigkeit in der Region um 25 Prozent senken. In anderen Bundesländern wurde das Modell schon erfolgreich getestet.

Das Projekt „Bürgerarbeit“, das auch unter dem Begriff „Job-Perspektive“ seinen Eingang in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung gefunden hat, wird in den beiden Städten Traunstein und Freilassing eingeführt und soll zu einer deutlichen Reduzierung der Arbeitslosigkeit führen. Am Donnerstag Mittag trafen sich zu der Vorstellung des Projektes rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kammern, Gewerkschaften sowie verschiedenen Verbänden und Trägern der Wohlfahrtsverbände in der Agentur für Arbeit Traunstein.

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur, Anette Farrenkopf, machte klar, dass man für die „Job-Perspektive“ (JoP) alle bürgerlichen Kräfte benötige, um „Arbeit zu finanzieren und nicht Arbeitslosigkeit.“ Nach zehn Modellstandorten in den neuen Bundesländern wolle man das Projekt nun in Traunstein und Freilassing umsetzen. „Wir wollen das in einer stabilen Region tun, und das nicht aus dem Druck hoher Arbeitslosigkeit heraus.“

Will der Arbeitslosigkeit in der Region den Kampf ansagen: Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer.

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer wies darauf hin, dass ihm gerade auch die Entwicklung der ländlichen Region am Herzen liege. „Mir geht es nicht nur um die Ballungsräume.“ Entwicklungen wie in den neuen Bundesländern, in denen ganze Landstriche entvölkert sein, müsse entgegengewirkt werden.

Mit dem jetzt aufgegriffenen Konzept der „Bürgerarbeit“ nutze man ein Modell, das in den neuen Bundesländern schon erfolgreich getestet wurde: „Wir greifen auf ein Konzept zurück, das seine Bewährungsprobe schon hinter sich hat“ und definierte das Ziel der Initiative für die Region: „Ich will, dass wir der Arbeitslosigkeit den Kampf ansagen, um auch Menschen eine Chance zu geben, die in Langzeitarbeitslosigkeit stehen.“ Er lobte das Engagement der Agentur für Arbeit in Traunstein, deren effektive Arbeit der freien Wirtschaft in nichts nachstehe: „Dieser Betrieb hat sich in den letzten 20 Jahren fundamental gewandelt.“

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Agentur führte in seiner Rede aus, dass man trotz zurückgehender Arbeitslosenzahlen in der Region nicht von einem Ende der Krise sprechen können: „Über 6 500 Arbeitslose im Agenturbereich sind zu Viele. Wir wollen mit der Job-Perspektive Menschen, die scheinbar chancenlos sind, neue Chancen eröffnen.“ Sein langfristiges, ambitioniertes Ziel definierte er mit dem „Abbau der Arbeitslosigkeit unabhängig der wirtschaftlichen Entwicklung.“ Erfolge in der Initiative würden die Diskussion um die „Bürgerarbeit“ von einer emotionalen auf eine sachliche Ebene ziehen.

Dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse angestrebt

Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl wies darauf hin, dass es „oberste Aufgabe in der Sozialpolitik sein muss, arbeitslose Menschen in die Lage zu versetzen, von ihren wirtschaftlichen Einkünften zu leben.“ Mit Blick auf den Bundesverkehrsminister wies er darauf hin, dass man in der Region für eine langfristig positive Entwicklung die nötige Infrastruktur brauche. Das Ziel des Projektes, in dem sich der Landkreis gemäss eines Kreistagsbeschlusses vom Dezember vergangenen Jahres als Kofinanzierer mit 50 000 Euro beteilige , sei „dauerhafte Beschäftigung, schnelle Integration und das Zurückbringen der Menschen in den 1. Arbeitsmarkt“ so der Landrat.

Traunsteins 2. Bürgermeister Hans Zillner ging in Vertretung von Oberbürgermeister Manfred Kösterke auf die Situation von Menschen ohne Arbeit in der Stadt ein, die er mit rund 500 bezifferte: „In der Statistik stehen sie als anonyme Zahl, aber jedes Einzelschicksal ist ein Auftrag zu handeln.“ Vor Allem 135 Langzeitarbeitslose würden für die „Job-Perspektive“ in Frage kommen. Die Stadt habe begrenzte finanzielle Mittel, man wolle sich in erster Linie als Ideengeber einbringen.

Berchtesgadens Landrat Georg Grabner machte klar, dass das Ziel sein müsse „Beschäftigung zu schaffen und weniger Arbeitslosigkeit zu finanzieren.“ Freilassing sei aufgrund seiner Struktur und seiner unmittelbaren Nähe zu Salzburg besonders von der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. „Wir versprechen uns im Landkreis eine Verbesserung der Situation und die Entstehung neuer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt.“ Ein wichtiger Aspekt des Projektes sei, dass im Erfolgsfall die Kosten der Unterkunft für den Landkreis reduziert werden könnten.

Freilassing mit Räumlichkeiten in Freilassing

Freilassings 1. Bürgermeister Josef Flatscher freute sich über das Prinzip der der Dezentralisierung in der Arbeitsvermittlung, nachdem die Agentur für Arbeit im Techno-Z für die Job-Perspektive künftig neue Räumlichkeiten beziehe. Man habe in Freilassing rund 250 Arbeitslose, die vor Ort betreut werden könnten. „Das sind 250 Personen beziehungsweise Familien und damit auch 250 Zukunftsperspektiven.“ Durch die jetzt geplante Maßnahme würden die erfolgreich in den Arbeitsmarkt zurückgeführten Menschen „wieder ihren Platz finden, der ihnen in unserer städtischen Gemeinschaft zusteht und können sich als ein anerkannter und geschätzter Teil unserer Gesellschaft fühlen.“

Abschließend ging der Projektleiter des JoP, Helmut Rechenauer auf die praktischen Umsetzungen der Maßnahme ein und wies nochmals darauf hin, dass man hier keine kurzfristige Zahlenkosmetik betreiben wolle: „Wir wollen keine Strohfeuereffekte, sondern eine langfristige Integration der Menschen in die Erwerbstätigkeit.“ Das ambitionierte Ziel sei in den beiden Städten Traunstein und Freilassing im Vergleich zum jeweiligen Landkreis eine um jeweils mindestens Fünfundzwanzig Prozent günstigere Entwicklung in der Arbeitslosigkeit zu erzielen. Praktische Beschäftigungsmöglichkeiten des in 4 Stufen geplanten Projektes seien beispielsweise die Mithilfe im kommunalen Ordnungsdienst, Kinderbetreuungshilfe in den Randzeiten oder die Mitarbeit in der Tafel.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die „Job-Perspektive“ keinen Verdrängungswettbewerb im 1. Arbeitsmarkt auslösen dürfe und auch Nachbargemeinden davon profitieren könnten. Die positiven Effekte würden nicht vor Stadtgrenzen halt machen. Bezieher von Arbeitslosengeld I und II würden in diesen Tagen ein Informationsschreiben erhalten und über die Möglichkeiten im Rahmen der Initiative informiert werden. Man erwarte aber auch die Kooperations- und Mitwirkungsbereitschaft der Arbeitssuchenden.

awi

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