"Bei Jugendhilfe müssen wir alle zusammen helfen"

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Landrat Hermann Steinmaßl steltte im Rahmen der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag den neuen Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie, Franz Feil vor. Rechts daneben sein Stellvertreter Karl Bodensteiner und ganz Links der Abteilungsleiter für Soziales Lukas Schneider.

Traunstein - In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses stellte Landrat Hermann Steinmaßl Franz Feil als neuen Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie vor.

Der Jugendhilfeausschuss tagte im großen Saal des Landratsamts. Landrat Hermann Steinmaßl nutze die Sitzung, um den rund 40 anwesenden Mitgliedern des 56 Personen umfassenden Ausschusses den neuen Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie, Franz Feil vorzustellen. Der 42-jährige zweifache Familienvater stellte sich den Mitgliedern persönlich vor und schilderte seine bisherigen Tätigkeiten im Landratsamt Traunstein, bei dem er seit 12 Jahren tätig ist. „Jugendhilfe ist ein spannendes, oft aber auch ein schwieriges Feld“ war sein Fazit. Er wünsche sich eine gute Zusammenarbeit mit den Ausschussmitgliedern. Diese sagte ihm der Landrat zu: „Wir alle wissen, wie wichtig die Jugendhilfe ist. Da müssen wir alle zusammen helfen.“

Eine weitere Personalie war die Bestellung von Polizeirat Rainer Wolf. Er ersetzt in dem Ausschuss ab sofort Polizeihauptkommissar Thomas Kirchleiter. Die Umbesetzung wurde nötig, nachdem Kirchleitner die Polizeiinspektion Traunstein verlassen hatte.

2009 gab es 17 Inobhutnahmen

Feil trug anschließend den Bericht über die Neueinrichtung eines Bereitschaftsdienstes vor. Er erläuterte, dass in der Vergangenheit in Extremsituationen, in der der Schutz von Kindern und Jugendlichen nötig war, dieser von den Bezirkssozialarbeitern nur während der üblichen Arbeitszeiten vorgenommen wurde. Außerhalb der üblichen Arbeitszeiten wurde diese Aufgabe bisher auf freiwilliger Basis vom Gruppenleiter des Sozialen Dienstes und dem Sachgebietsleiter wahrgenommen. Im Landkreis wurde nun mit Beginn 1. Oktober eine gesetzlich vorgeschriebene Rufbereitschaft eingerichtet, die sich um Fälle kümmern, die von der Polizei an Wochenenden oder in den späten Abend- und Nachtstunden gemeldet werden. Feil wies darauf hin, dass es im Jahr 2009 17 Inobhutnahmen gab, die zur Hälfte außerhalb der üblichen Arbeitszeit vorgenommen werden mussten. Die Maßnahme wird mit jährlichen Kosten von rund 20.000 Euro zu Buche schlagen.

Der Landrat erläuterte weiter, dass die Jugendsozialarbeit an den Hauptschulen Traunreut und Trostberg vertragsgemäß am 31.12.2010 endet. Der derzeitige Träger ist an beiden Schulen aktuell das Diakonische Werk Rosenheim. Die auf drei Jahre befristete Arbeit muss nun neu ausgeschrieben werden. Ausschussmitglied Burgi Mörtl-Körner wollte wissen, ob es für diese Arbeit nachweisbare „Erfolge“ gäbe. Der Landrat führte aus, dass man hierzu einen Bericht vorlegen werden. Die Frage sei aber vielmehr analog zur Prävention: „Was ist, wenn wir diese Arbeit nicht machen?“ Hans Schupfner fragte nach der Wiederbesetzung der vakanten Stelle bei der Berufsschule I in Traunstein. Steinmaßl wies darauf hin, dass „das Problem nicht allein das Geld sei.“ Für die Organisationen sei das Ausschreibungsverfahren im Zusammenhang mit der Personalplanung nicht einfach. „Daneben haben wir langsam einen leergefegten Markt und einen Mangel an Fachkräften in dem Bereich.“ Die Jugendhilfe würde auch in anderen Landkreisen „explodieren“. Die Kosten der Maßnahme für die beiden Schulen belaufen sich auf jährlich zirka 55.000 Euro.

Famiflex – ambulante Erziehungshilfe GbR anerkannt

Für die Volksschulen Siegsdorf und Waging am See sowie für das Förderzentrum Traunstein besteht eine Förderzusage für die Jugendsozialarbeit durch die Regierung von Oberbayern führte er weiter aus. Den Zuschlag erhielten für Siegsdorf Konis, für Waging am See das Diakonische Werk Traunstein und für das Förderzentrum das Diakonische Werk Rosenheim. Für die Maßnahmen müssen Mittel in Höhe von rund 80.000 Euro jährlich bereit gestellt werden.

Weiters wurde die "Famiflex – ambulante Erziehungshilfe GbR" mit Sitz in Altenmarkt als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Zwei Mitarbeiter von Famiflex stellten dem Ausschuss ihre Tätigkeit kurz vor.

In der Aussprache wies der Landrat darauf hin, dass der Landkreis Traunstein gemäss dem "Demographie-Atlas" in Bayern im Jahr 2008 mit durchschnittlich 1,57 Kinder die höchste Geburtenrate in Bayern hatte. "Damit sind wir bayernweit Spitze" zeigte sich der Landrat zufrieden, der aber darauf hinwies, dass diese Zahl eigentlich bei durchschnittlich 2,1 liegen sollte. "Wir sind ein Landkreis der weiterhin interessant ist, für den Zuzug aus ganz Deutschland und Europa." Man habe derzeit eine Quote von 20 Prozent Alleinerziehende im Landkreis (Bayern: 25 Prozent). Hier müsse man weiterhin Maßnahmen im Zusammenhang mit der "Dauerherausforderung der Vereinbarung von Kindern und Beruf" treffen.

Kritisch ging der Landrat noch auf die Abwanderungszahlen der 18 bis 25-jährigen ein, die ursächlich durch das Studium vieler Schulabgänger und die Zweitwohnungssteuer aus gelöst werde, die die Studenten zur Abmeldung zwingen würde. Städte wie München würden durch die Anmeldung der jungen Menschen neben dem Bevölkerungszuwachs auch durch zusätzliche Gelder über den Finanzausgleich profitieren: "Die erzwungene Abmeldung führt zur Entwurzelung der Jugendlichen" so der Landrat.

awi

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