Junge Gehirnzellen sterben früh ab

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Traunstein - Komasaufen bei Jugendlichen führt zu irreversiblen Schädigungen des Gehirns. Deshalb wies der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz Heigenhauser, zu Beginn der "Festl-Saison" extra darauf hin.

Aufgrund eines beschleunigten Stoffwechselgeschehens bei Jugendlichen werden bei einem Vollrausch wesentlich mehr Gehirnzellen abgetötet als bei Erwachsenen, so Dr. Heigenhauser weiter. Man geht davon aus, dass ein Vollrausch bei einem Jugendlichen unwiederbringlich mehrere Millionen Gehirnzellen abtötet.

Vor allem der zunehmende Trend zum "Komasaufen", des gezielten Suchens eines Rauscherlebnisses, macht ihm Sorgen. So bekannten in einer bayernweiten Befragung bereits 2008 58 Prozent der männlichen und 38 Prozent der weiblichen Jugendlichen, gezielt schon einmal einen Vollrausch angestrebt zu haben. Das entspricht der wegen einer akuten Alkoholvergiftung in bayerischen Krankenhäusern eingelieferten Jugendlichen. Im Jahre 2008 waren es 2140 männliche und 1365 weibliche Jugendliche.

Das unwiederbringliche Absterben von Gehirnzellen bei Jugendlichen durch "Komasaufen" führt in einem erschreckend raschem Tempo zu einem Schwinden von Gehirnleistungen. Erscheinungen des hohen Alters wie mangelnde Merkfähigkeit, Verwirrtheit oder Wesensveränderungen treten bereits in den so genannten "besten Jahren" auf. Dabei gilt die Standardformel: Je jünger das Missbrauchsalter, desto früher die Langzeitschäden. Auch durch Abstinenz können diese Schäden nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Plädoyer für eine "zivilisierte Festkultur"

Deshalb plädiert Dr. Heigenhauser für eine "zivilisierte Festkultur" und appelliert an die Festveranstalter, dies zu bedenken und nicht nur an den Umsatz zu denken. Der Mediziner wörtlich: "Man kann auch ohne Vollrausch seine Gaudi haben. Es ist weder für die Betroffenen noch ihre Angehörigen besonders lustig, wenn man sich bereits mit 40 Jahren nichts mehr merken kann."

re/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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