Kein Grund zur Panik

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Ein fünfjähriges Kind, das den Kindergarten in Unterwössen besucht, erkrankte an der „Neuen Grippe“.

Traunstein – Obwohl die Zahl der in Bayern bestätigten Schweinegrippe-Fälle aktuell bei 35 liegt, warnt der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz-Xaver Heigenhauser, vor all zu großer Panikmache.

Trotzdem sollte diese Virusinfektion nicht verharmlost werden: „Wos g´wiss woas ma ned.“ Im Landkreis Traunstein war ein fünfjähriges Kind an der „Neuen Grippe“ erkrankt (wir berichteten), in drei Fällen bestätigte sich ein Verdacht nicht.

Dr. Heigenhauser sagte gestern im Gesundheits- und Sozialausschusses des Kreistages im Landratsamt Traunstein, dass sich der fünfjährige Bub in Unterwössen von einem anderen Kind aus München angesteckt habe, dessen Vater sich wiederum in den USA aufgehalten habe. Nachdem sich der Verdachtsfall bestätigt habe, sei der Kindergarten für eine Woche geschlossen worden. Mittlerweile habe die Kindertagesstätte ihren Betrieb wieder aufgenommen.

Bei den drei Verdachtsfällen konnte laut Heigenhauser noch am selben Tag Entwarnung gegeben werden. Die Abstriche, die das Gesundheitsamt vorgenommen habe, seien nach Oberschleißheim gebracht worden und noch am selben Abend habe das Ergebnis vorgelegen.

Der Krankheitsverlauf, der sich zunächst durch plötzliches Fieber bemerkbar mache, sei im Vergleich zu einer saisonalen Grippe eher milde, so Heigenhauser. Bedenklich sei jedoch die leichte Übertragbarkeit, die bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) großen Wirbel hervorrufe. Bislang gebe es noch keinen Impfstoff. Sollten sich die Viren verbreiten, könnte es leicht geschehen, dass sich der Virus verändere und aggressiver wird.

Bei dem im Frühjahr dieses Jahres in Mexiko zum ersten Mal aufgetretenen Erreger handelt es sich laut WHO um eine neu entstandene Virusvariante, die sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann. Wenn Schweine an einer Grippe erkranken, kann der Erreger sehr leicht auf den Menschen übertragen werden. Aus diesen Gründen hat sich schnell der Name „Schweinegrippe“ etabliert. Der Erreger wird nicht wie beispielsweise bei der Vogelgrippe vom Tier auf den Menschen übertragen, sondern von Mensch zu Mensch. Um Verwirrungen zu vermeiden, wurde die Schweinegrippe von der WHO und der EU in „Neue Grippe“ umgetauft.

Die unglückliche Bezeichnung „Schweinegrippe“ sollte nach Ansicht des Kreisrats und Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (CSU) auch deshalb vermieden werden, um wirtschaftlichen Schäden der Schweinezüchter vorzubeugen. Auf Anfrage von Kreisrätin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) hieß es, der Verzehr von Schweinefleisch sei unbedenklich.

Seit dem Fall in Unterwössen sind die Grippe-Patienten im Landkreis vermehrt um ihre Gesundheit besorgt und neigen offensichtlich zum Selbstverdacht. In den Arztpraxen schlagen die Patienten Alarm. Man sollte jedoch bei einer Erkältung nicht gleich auf die Schweinegrippe schließen, sagte Kreisrat und Arzt Dr. Lothar Seissiger (Freie Wähler).

Weltweit sind bislang über 36.000 bestätigte Fälle bekannt, wobei die Dunkelziffer laut Expertenmeldungen höher sein dürfte. In Europa wurden bisher 2700 Fälle bestätigt, in Deutschland 229. In Bayern gibt‘s 35 bestätigte und 47 Verdachtsfälle, bei denen sich das Virus jedoch nicht nachweisen ließ. Laut WHO sind bisher 164 Menschen, die sich mit dem Virus infizierten, gestorben. Wie Heigenhauser sagte, habe es sich dabei in 98 Fällen um Menschen aus Mexiko und den USA mit nachweislich schweren Vorerkrankungen gehandelt.

Die Alarmglocken im Landkreis Traunstein läuten derzeit auch bei den Tiermedizinern, respektive beim Veterinäramt. Der Chef des Traunsteiner Veterinäramtes, Dr. Walter Lenze, informierte aus aktuellem Anlass über die Impfpflicht der Blauzungenkrankheit.

ga

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