Die Kitzbühler Alpenrallye tourte durchs Achental

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Landkreis - Samstagmorgen: Ein Knall, wie ein Schuss reißt den Fahrer zusammen. Funken schlagen unter dem Oldtimer, der auf der Gefällstrecke von der Bärengasse ins Achental entgegen kommt.

Samstagmorgen, ruhige Fahrt, bei trockenem Wetter durch das Achental. Ein Knall, wie ein Schuss reißt den Fahrer zusammen. Ein Funkenschlag und ein erneuter Schlag, unter dem Oldtimer, der auf der Gefällstrecke von der Bärengasse ins Achental entgegen kommt.

Fehlzündungen - im modernen Straßenverkehr unerwartet - belegen, wir sind mitten in der 28. Kitzbühler Alpenrallye 2015, einer der größten österreichischen Oldtimerrallyes.

Später hängen wir uns hinter einen Lagonda LG 45 R Team Car, Baujahr 1936, 4,5 Liter Hubraum, 190 PS. An PS fehlt es vielen der Oldtimer nicht. Im modernen Straßenverkehr halten sie dank Hubraum von bis zu sechs Litern und reichlich Leitung bequem mit. Immer wieder sehen wir Teilnehmer gemächlich dahin fließende moderne Fahrzeuge überholen. Erkauft wir die Leistung bei dem vor uns fahrenden Lagonda mit lautem Motorendröhnen und zugiger Aussicht hinter kleinen Windschutzscheiben. Seine schmalen, hohen Reifen und die hohe Bodenfreiheit fallen auf.

Kräftig zerrt der Fahrer das überschwere Fahrzeug in die Kurve. Hart tut er sich mit der Lenkung, die jeden Schlag mitbekommt. Immer wieder versetzen Bodenwellen den Wagen. Wir halten Abstand und dennoch riechen wir nach 2 Kilometern das eindringende, ungefilterte Abgas.

188 Raritäten, wie diese sind in dieser dritten und letzten Etappe der Alpenrallye im Chiemgau unterwegs. Ein Bentley 3,5 Litre aus dem Jahr 1925 ist das älteste Fahrzeug. Ein ebenso grandioser, wie seltener Mercedes-Benz 540 Autobahnkurier fällt auf. Die Passanten im Achental bleiben stehen, wenn die vielen elegante Coupés und Limousinen der Fünfziger und Sechziger Jahre vorbei rauschen. Fotografen allerorten am Straßenrand warten auf einen Schuss mit Seltenheitswert. Rolls-Royce, Porsche, Ferrari, Jaguar, Lamborghini, Aston Martin raunen die Zuschauer angesichts der Markenzeichen und schnittigen Formen.

Kitzbühler Alpenrallye führte durch das Achental

Hinter den Fahrern liegen zwei Rallyetage, die zu Bergstrecken führten, die Rennsportgeschichte schrieben. Die Rossfeld-Bergstrecke bei Berchtesgaden zeigte sich bei strahlendem Wetter von ihrer spektakulären Seite: schroffe Felsen, Schnee auf den Gipfeln. Die Fahrer bewältigten die Sudelfeld-Bergstrecke bei Bayrischzell und die Hochkönig-Strecke bei Bischofshofen. Unter den Teams sind bekannte Namen. Rallyeweltmeister Sébastien Ogier startete mit Lebensgefährtin Andrea Kaiser im Volkswagen Käfer "Salzburg", Baujahr 1971. Alpenrallye-Ehrenpräsident Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck fuhr einen Porsche 356 B 1600 Hardtop, Baujahr 1961. Sohn Ferdinand steuerte einen Volkswagen Polo G40, Baujahr 1992. Er ließ sich von seiner Kopilotin, Sängerin Christina Stürmer, sagen, wo es lang ging. Dabei war Ski-Ass Romed Baumann. Verschiedene namhafte Sponsoren waren mit Werksteams vertreten.

Jetzt, am Samstag, lagen noch einmal rund 180 Kilometer bis zum Ziel vor ihnen. In Kitzbühl im 30-Sekunden-Abstand gestartet, ging es in die Runde über Schwendt, Kössen, Schleching und Marquartstein. Vom Achental führte die Strecke über Frasdorf ins Inntal, dort über die Tatzelwurmstrecke am Sudelfeld. Über Oberaudorf, Kufstein und die Loferer Bundesstraße erreichten die Fahrer das Ziel und erlebten am frühen Nachmittag in der Kitzbühler Innenstadt eine von vielen Tausend Zuschauern beklatschte Zieleinfahrt.

Gefahren war in zwei Klassen, in der Classic und in der Sport Trophy. Für beide hieß es, an 2,5 Tagen 500 Kilometer zu bewältigen. Während es in der Classic Trophy eher kommod dahin ging, verlangte die Sport-Trophy mit 10 Gleichmäßigkeitsprüfungen, 10 Zeitwertungen und 5 Spezialprüfungen Fahrern und Fahrzeugen einiges ab.

Sieger in der Sportwertung wurden Helmut Lorenzoni mit Kopilot Mike Angermann auf einem Porsche 911, Baujahr 1967. Sie begeisterten mit ihrem ersten Heimsieg in einer der größten österreichischen Oldtimerrallyes die Zuschauer in der Innenstadt. Die letzten Jahre waren sie knapp am Siegertreppchen vorbei geschrammt. Schorsch Memminger mit Beifahrer Christoph Wellmann auf einem 1951er Brezelkäfer sicherten sich knapp geschlagen Platz Zwei vor Georg Memminger mit Kopilot Markus Gröbmiller auf VW Käfer Cabrio (1951). Die Klassikwertung gewannen Harald Jung und Klaus Erbstösser aus Schalksmühle (D) auf Austin‐Healey Mk III BJ8 (1966).

Ludwig Flug

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