Bilanz des Ausbildungsmarktes in Südost-Oberbayern

Noch immer 419 Lehrstellen unbesetzt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Landkreis - Am Donnerstag wurden die Zahlen zum Ausbildungsmarkt 2014/2015 veröffentlicht. Demnach blieben 419 Stellen unbesetzt. Den ganzen Bericht lesen Sie hier:

Im Berufsberatungsjahr 2014/2015 (1. Oktober bis 30. September) registrierte der Agenturbezirk Traunstein mit den vier Landkreisen Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und Mühldorf insgesamt 3241 Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Das sind 105 oder 3,1 Prozent weniger als im vorangegangenen Berufsberatungsjahr 2013/2014. Dem standen 4057 Berufsausbildungsstellen gegenüber, 137 oder 3,5 Prozent mehr als im Vergleichsvorjahr. Rein rechnerisch standen jedem Bewerber 1,25 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Im vergangenen Berufsberatungsjahr waren es 1,17 Stellen je Bewerber.

Ausbildungssituation in den einzelnen Landkreisen. Zum Vergrößern bitte rechts oben klicken.

Am 30. September, dem Stichtag des Berufsberatungsjahres waren im Agenturbezirk Traunstein noch 19 Bewerber unversorgt. Das sind sieben mehr als im Vorjahr, dazu kam ein Bestand an unbesetzten Ausbildungsstellen von 419, das sind 98 oder 30,5 Prozent mehr als 2013/2014.

3241 Bewerber

Von den insgesamt 3241 Bewerbern nahmen 2258 eine Berufsausbildung auf und 97 junge Menschen entschieden sich für eine Erwerbstätigkeit. Gemeinnützige Dienste und Bundeswehr waren für 59 Bewerber die gewählte Alternative. Für einen weiteren Schulbesuch entschlossen sich 543, darunter sind 49 junge Menschen, die ein Studium aufnehmen. Fördermaßnahmen nahmen 82 junge Menschen in Anspruch.

Im Jahresverlauf haben sich 299 Bewerber abgemeldet ohne Angabe von Gründen oder des Verbleibs. 2547 Bewerber sind aus dem diesjährigen Schulentlassjahr und 310 aus dem vergangenen Jahr.

"Chancen so gut wie nie zuvor"

"Immerhin 376 junge Menschen haben den Schulabschluss schon länger als ein Jahr hinter sich und sind nun entschlossen, eine Ausbildung anzufangen", erläutert Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, "die Chancen sind so gut wie nie zuvor. Eine Garantie auf den Wunschausbildungsplatz gibt es jedoch nicht, die rechnerische Auswahl stimmt mit der umsetzbaren Berufsplanung nicht zwangsläufig überein. Die ersten Zusagen für die Ausbildungsstellen 2016 werden jetzt gerade ausgesprochen", so Müller.

Der überwiegende Anteil der Ausbildungssuchenden, 2855 ist unter 20 Jahre alt, 67 sind älter als 25 Jahre. 1200 haben einen Hauptschulabschluss, 1436 verfügen über die Mittlere Reife und 485 haben Fachhochschul- oder Hochschulreife. Mehr als die Hälfte der Bewerber sind männlich.

"Die Berufswünsche unterscheiden sich noch immer nach Geschlecht", stellt Müller fest, "die Top Ten sind relativ konstant. Sind es bei den Jungen technische oder handwerkliche Berufszweige so dominieren bei den Mädchen kaufmännische oder medizinische Ausbildungswünsche, es ist jedoch kein handwerklicher Beruf unter den ersten zehn", analysiert Müller.

Den größten Anteil bilden 1384 Ausbildungsstellen aus Produktion und Fertigung mit dem Schwerpunkt Maschinenbau und Fahrzeugtechnik. 930 Ausbildungsplätze gab es im Bereich kaufmännische Dienstleistungen und Handel, mit Ausbildung im Verkauf allgemein (381) und Verkauf von Lebensmitteln (203). 539 Ausbildungsstellen bot Unternehmensorganisation und Buchhaltung mit dem größten Angebot im Bereich Sekretariat/Büro mit 217 ausgeschriebenen Stellen. 345 Angebote waren in den Berufen des Gesundheits- und Sozialwesens und 334 Ausbildungsstellen aus Bau, Architektur und Gebäudetechnik. Die meisten unbesetzten Ausbildungsplätze sind in den kaufmännischen Berufen (156).

419 Stellen unbesetzt

Insgesamt blieben bis zum Stichtag 10,3 Prozent, das sind 419 Ausbildungsstellen unbesetzt. "Bis zum Jahresende tut sich noch Einiges auf dem Ausbildungsmarkt", sagt Müller, "wir kennen doppelte Zusagen, nicht gemeldete Ausbildungsstarts oder ein Wechsel, weil der Azubi nicht in den Betrieb oder die Ausbildung nicht zu dem jungen Menschen passt. Trotz vielfältiger Informationsangebote erleben wir immer wieder Jugendliche, die von dem gewählten Ausbildungsberuf enttäuscht sind, weil sie sich etwas anderes vorgestellt haben. Deshalb ermuntern wir gemeinsam mit den Schulen zu Praktika und Schnupperlehren, das zeigt mehr als jede Theorie", schließt Müller.

Berufsberatung in den Schulen

Die 17 Berufsberaterinnen und Berufsberater, darunter fünf akademische Berater/innen, sowie sechs Rehabilitationsberater betreuen regelmäßig 90 Schulen in den vier Landkreisen. Darunter insgesamt 64 Schulen der Sekundarstufe eins und 26 Schulen der Sekundarstufe zwei. In den insgesamt 244 Abgangsklassen wurden 6940 Schüler beraten. Die 227 Vorentlassklassen hatten 6490 Schüler.

Die Berufsberatung veranstaltet in allen Klassen mindestens zwei Gruppeninformationen zur grundsätzlichen Berufsorientierung und den Möglichkeiten, die individuelle Eignung herauszufinden. Dies wird ergänzt durch regelmäßige Schülersprechstunden. Daran schließt sich in den meisten Fällen ein Termin zur intensiven, persönlichen Beratung an. Bei den Elternabenden der Schule wird über Ausbildungswege und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit informiert. Darüber hinaus betreuten die Rehabilitationsberater regelmäßig weitere sechs Schulen für Jugendliche mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

Infostände und Berufseignungstests

Für jeden Entlassjahrgang werden Berufsinformationsveranstaltungen, meistens durch die Schulen selbst organisiert, hier beteiligen sich die Berufsberaterinnen und Berufsberater mit Infoständen, Angeboten zu Berufseignungstests und knüpfen die direkten Kontakte zwischen Schülern und Betrieben. Im vergangenen Berufsberatungsjahr waren dies circa 50 Veranstaltungen mit Beteiligung der Berater, dazu kommen die regionalen Berufs- und Bildungsmessen in allen vier Landkreisen und in Österreich (BIM).

"Berufe in Uniform" und "Wege ins Ausland"

Die Berufsinformationszentren (BiZ) in Altötting und Traunstein halten aktuelle Informationen, auch in mehreren Sprachen bereit. Im vergangenen Jahr haben insgesamt 73 Klassen mit 1799 Schülern das BIZ Altötting und 68 Schulklassen mit 1686 Schülern das BiZ Traunstein besucht. Berufskundliche Vorträge zu speziellen Themen wurden in beiden Berufsinformationszentren angeboten. Die aktuellen Themen sind "Berufe in Uniform", "Wege ins Ausland", "Freiwillige Soziale Dienste" oder die Vorbereitung auf ein Assessment-Center.

Berufseinstiegsbegleitung

Bei der Maßnahme zur Berufseinstiegsbegleitung an den Mittelschulen standen 302 Plätze für Schüler mit Unterstützungsbedarf zur Verfügung. Für die ausbildungsbegleitenden Hilfen wurden 470 Plätze eingerichtet. Neben den betrieblichen Ausbildungsstellen, die von Arbeitgebern gemeldet oder von Mitarbeitern eingeworben werden, wurden im Agenturbezirk Traunstein 130 Plätze, zuzüglich 190 behindertenspezifische Plätze in Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) sowie 80 Plätze für Berufsausbildung in außerbetrieblicher Einrichtung (BaE) bei verschiedenen Trägern angeboten. Mit einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) wurden 100 Jugendliche gefördert.

"Angebote für alle Ansprüche"

"Wir haben Angebote für Schüler in allen Anspruchslagen", erläutert Müller, "vom Abiturienten, der eine spezielle Universität für ein seltenes Studienfach sucht bis zum Schüler, der sich im Regelschulsystem schwer tut und eine assistierte Ausbildung antritt. Hierdurch haben wir bislang zwölf jungen Menschen den Ausbildungseinstieg ermöglichen können", so Müller abschließend.

Pressemitteilung Agentur für Arbeit Traunstein

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Landkreis TS

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser