Fachgespräch mit Traunsteiner Landtagsabgeordneten Klaus Steiner in Überssee 

Schulleiter: „Brauchen verlässliche Vorgaben fürs Gymnasium“

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Die Schulleiter der Gymnasien aus dem Traunsteiner Landkreis (v.l.): Gerhard Pschorn (Staatl. Landschulheim Marquartstein), Bernd Amschler (Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein), MdL Klaus Steiner, Matthias Schmid (Johannes-Heidenhain-Gymnasium Traunreut), Wolfgang Brand (Landschulheim Schloss Ising), Christine Neumaier (Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg) und Klaus Kiesl (Chiemgau-Gymnasium Traunstein).

Übersee - In einem Fachgespräch mit MdL Steiner wurde klar, dass die Schulleiter „wieder klare und verlässliche Vorgaben“ brauchen. Andernfalls werde die Zukunft des Gymnasiums und künftiger Abiturientengenerationen mutwillig aufs Spiel gesetzt.

Mit deutlichen Worten nahmen sechs Gymnasialdirektoren und -leiter aus dem Landkreis Traunstein bei einem Fachgespräch mit dem Traunsteiner Landtagsabgeordneten Klaus Steiner in Übersee Stellung zur derzeitigen Situation an den Gymnasien. 

Erst die übereilte Einführung des achtstufigen Schulmodells G8 im Schuljahr 2004/05, jetzt das auf zwei Jahre bis Juli 2017 angelegte Pilotprojekt der Mittelstufe Plus, die unter anderem durch die Wahl eines zusätzlichen Schuljahrs Entlastung bringen soll:Die Verunsicherung bei Eltern, Schülern und Lehrern ist groß, während die Anforderungen von Gesellschaft und Politik an das Gymnasium steigen. Dementsprechend umfangreich war auch das Spektrum an Problemen, das die sechs Gymnasialchefs im Gespräch mit dem Stimmkreisabgeordneten anschnitten.

Klaus Steiner hob hervor, dass ihm als Mitglied im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags wichtig sei, in der Diskussion um die Mittelschule Plus konkrete Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung am Gymnasium miteinfließen zu lassen. 

Aktuell läuft das vom Kultusministerium begleitete Projekt an 47 ausgewählten Schulen, darunter auch das Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein. Dort sei die Zustimmung zur verlängerten Schulzeit von 75 im ersten Jahr auf 85 Prozent im aktuellen Schuljahr gestiegen, wie Direktor Bernd Amschler erklärte. Die Wahlmöglichkeit einer zusätzlichen Klasse 9+, die Förderung von Kernfächern und Reduzierung der Fächerzahl pro Schuljahr sowie der Wegfall des verpflichtenden Nachmittagsunterrichts bis zur 10. Klasse in der Mittelschule Plus kommen offenbar gut an.

G8 oder G9? Entscheidung der Politik gefordert

In der Diskussion mit den Schulleitern wurde aber deutlich, dass das Nebeneinander unterschiedlicher Lehrpläne und Lerngeschwindigkeiten auf Dauer von den Gymnasien nicht durchzuhalten sei. Hier sei dringend eine Entscheidung der Politik für G8 oder G9 gefordert. Die Mittelstufe Plus mache die bereits jetzt durch die Wahl des Schulzweigs anspruchsvolle Mittelstufe noch komplexer. Die komplizierte Lehrplankoordinierung stelle wiederum die Gymnasien vor große Herausforderungen. Ebenso stehe eine fundierte Vermittlung der dritten und vierten Fremdsprache mittelfristig in den Sternen. 

Überdies sei eine Entzerrung des Stoffplans in der Unterstufe sinnvoller, um grundlegende Arbeitstechniken einzuüben und einen späteren Start der zweiten Fremdsprache zu ermöglichen. Ganz generell stellten die Gymnasialdirektoren die Frage auf, wie es um die nachhaltige Qualität des Abiturs als Bildungsabschluss bestellt sei. Mit Übertrittsquoten ans Gymnasium von 80 Prozent in großen Städten und 40 Prozent auf dem Land zeichnen sich bereits jetzt deutliche Unterschiede ab. 

Über 18.000 Bachelor-Studiengänge führen zu großer Verunsicherung

Eine ähnliche Entwicklung sei bei den Abiturzeugnissen zu verzeichnen. Der hohe Prüfungsdruck in den Grundschulen und der Erwartungsdruck der Eltern mache eine objektive entwicklungs- und begabungsgerechte Beurteilung des Übertritts ans Gymnasium schwierig. Dazu komme die Konkurrenzsituation, dass die Mittelschulen gegen schwindende Schülerzahlen kämpfen und Realschulen sich als alternativen Schulweg zum Abitur empfehlen. Mit dem im G8 verkürzten Gymnasium sei wenig gewonnen, wenn Schüler danach scharenweise zu Auslandsaufenthalten aufbrechen oder feststellen, dass sie als 17-Jährige an der Universität mit einer Reihe von Handicaps zu kämpfen haben. 

Einer dringenden Korrektur bedürfe nach Aussagen der Gymnasialdirektoren gegenüber Steiner auch die inflationäre Zahl von rund 18.000 Bachelor-Studiengängen, die zu großer Verunsicherung führe. Deutlich verbessert werden müsse zudem die Anerkennung von Zeugnissen und Schulabschlüssen beim Umzug in andere Bundesländer. „Wenn es durch den arbeitsbedingten Wechsel der Eltern zu gravierenden Schulproblemen bei den Kindern kommt, ist das in einer Gesellschaft, die zunehmend mehr Flexibilität und Mobilität fordert, anachronistisch“, erklärte ein Diskussionsteilnehmer. 

Um das Gymnasium vom hohen Erwartungsdruck zu entlasten, so die Schulleiter,sei eine deutlich stärkere Aufklärung über andere Bildungswege wünschenswert. Klaus Steiner griff diesen Impuls gerne auf: „Als Mitglied im Bildungsausschuss liegt mir gerade auch die berufliche Bildung am Herzen, die die Stütze unseres starken Mittelstands ausmacht.“

Pressemitteilung Abgeordnetenbüro Klaus Steiner

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