Unternehmen stellten 2015 mehr Lehrlinge ein

"Azubi-Rekrutierung wird für Betriebe zur Herausforderung"

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Landkreis Traunstein – Entgegen dem Trend stellten Unternehmen im Landkreis 2015 mehr Lehrlinge ein. Dabei fordert die IHK ein Gesellschaftliches Umdenken.

Im Landkreis Traunstein absolvieren wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung: Insgesamt stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung im vergangenen Jahr 695 Auszubildende neu ein, 4,7 Prozent mehr als im Jahr 2014. Damit koppelt sich der Landkreis deutlich vom oberbayerischen Trend ab. Hier ging die Anzahl der Neu-Verträge um 0,3 Prozent zurück. Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern für das Jahr 2015 hervor.

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es wird auch für die Betriebe im Landkreis immer schwieriger, geeignete und genügend Azubis zu rekrutieren“, sagt Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis sowohl in den gewerblich-technischen Berufen (plus 6,4 Prozent) als auch in den kaufmännischen Berufen (plus 3,5 Prozent). Dabei konnten insbesondere der Einzelhandel (148 Neu-Verträge/Vorjahr 135), der Großund Außenhandel (46 Neu-Verträge/Vorjahr 31) und die Elektrotechnik (68/Vorjahr 56) zulegen.

Gesellschaftliches Umdenken erforderlich

„Trotz dieser erfreulichen Bilanz ist es höchste Zeit, zu handeln. Ansonsten läuft uns langfristig der Fachkräftemangel aus dem Ruder“, mahnt Linhardt. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. „Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden“, fordert der Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.

Zugleich müsse die rasche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vorangetrieben werden. „Das von den bayerischen IHKs entwickelte ‚3+2 Modell‘ hat letztendlich bewirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, nicht nur für die Dauer ihrer dreijährigen Ausbildungszeit ein Bleiberecht haben, sondern darüber hinaus auch in den fol genden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen“, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.

"Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden erst langfristig greifen"

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die Wirtschaft selbst in Vorleistung gehen: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen Euro für berufs- und ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den Aufbau von Unterstützungsstrukturen oder die spezifische Fortbildung von Ausbildern für Flüchtlinge zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ersten Leitfaden mit allen wichtigen Informationen rund um die Themen Ausbildung und Beschäftigung von Asylbewerbern zusammengestellt (abrufbar unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge). „All diese Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden aber erst langfristig greifen“, betont Linhardt. „Bei den Flüchtlingen erweisen sich die fehlenden Sprachkenntnisse oft als die größte Hürde für den Einstieg in eine Ausbildung oder einen Job“, unterstreicht der IHK-Gremiumsvorsitzende.

Derzeit erlernen im Landkreis Traunstein 78 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den insgesamt 1.857 Auszubildenden in IHK-Berufen liegt momentan bei vier Prozent. In vier Berufsintegrationsklassen werden außerdem rund 70 jugendliche Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet.

Insgesamt sind zurzeit 373 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der Ausbildung aktiv und stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

Pressemitteilung IHK München und Oberbayern

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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