Ärztemangel: Landkreis will gegensteuern

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Ein Blick in die Telefonverzeichnisse lässt nicht darauf schließen, dass im Landkreis die hausärztliche Versorgung akut in Gefahr ist. Allerdings zeichnet sich mittelfristig ab, dass insbesondere die Gemeinden im Südosten Oberbayerns vor möglichen Engpässen stehen. Der Landkreis will gegensteuern.

Traunstein - Droht im ländlichen Raum in der Region ein Engpass in der hausärztlichen Versorgung? Damit beschäftigte sich nun das Landratsamt.

Droht im ländlichen Raum in der Region ein Engpass in der hausärztlichen Versorgung der Bevölkerung? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag der Ausschuss für Gesundheitsfragen und soziale Angelegenheiten im Landratsamt Traunstein. Dem voraus gegangen war eine Sitzung des Planungsausschusses des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, der sich bereits im Mai mit dem Thema befasst hatte.

Deutlich wurde dabei, dass man in der stationären Versorgung durch die kommunalen Klinikverbünde (Kreiskliniken Mühldorf, Romed- Kliniken, Kreiskliniken Altötting-Burghausen und die Kliniken Südostoberbayern GmbH) mit fast 3300 Betten eine gute stationäre Versorgung habe. Schnelle Hilfen im Notfall würden über die Integrierte Leitstelle mit der Nummer 112 ermöglicht, die eine Fläche von rund 3800 Quadratkilometern und einer Bevölkerung von 493000 Bürgern in 105 Kommunen versorgt. Man sehe auch noch einen vergleichsweise hohen Versorgungsgrad mit in der Region praktizierenden Hausärzten, wie es hieß.

In der vom stellvertretenden Landrat Sepp Konhäuser vorgetragenen Sitzungsvorlage kristallisiert sich aber heraus, dass die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung mittelfristig gefährdet ist. So gibt es beispielsweise im Norden der Region Südostoberbayern - in den Landkreisen Mühldorf und Altötting - bereits zahlreiche Gemeinden, die über keine Hausarztpraxis mehr verfügen. Daneben werden viele der in den fünf Landkreisen tätigen Hausärzte in den kommenden Jahren aus Altersgründen ausscheiden, wobei gerade in ländlichen Gemeinden viele Praxen nicht mehr besetzt werden dürften.

Gemäß Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns aus dem Jahr 2010 sind von den 628 praktizierenden Hausärzten 172 über 60 Jahre und werden ihre Tätigkeit damit mittelfristig beenden, wobei davon ausgegangen werden muss, dass viele keinen Nachfolger finden.

Gründe für den Hausärzteschwund auf dem Land sieht man neben Fragen der Vergütung vor allem auch im Bereich der Dienstbereitschaft und der "zunehmenden Feminisierung des ärztlichen Berufs" (70 Prozent der Studierenden in der Fachmedizin sind weiblich). "Die Landarzttätigkeit in Einzelpraxis ist ein Auslaufmodell" machte Sitzungsleiter Konhäuser seine Einschätzung deutlich.

Gut entwickeln werden sich den Einschätzungen zufolge die Landkreiszentren Traunstein, Traunreut und Trostberg, da man hier als Zukunftsmodelle verstärkt Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren erwartet. Handlungsbedarf, der seinen Niederschlag im Fortschreibungsentwurf des Landesentwicklungsprogramms Bayern findet, sehen die Ausschussmitglieder unter anderem dergestalt, dass die starre Trennung zwischen stationärer und ambulanter Gesundheitsversorgung aufgebrochen werden müsse, was auch für den Bereich der Finanzierung gelten müsse.

Weitere Maßnahmen wurden erörtert und vorgeschlagen. Der Landkreis hat daneben zwischenzeitlich einen Datenpool zusammengestellt, der im südostoberbayerischen Raum unter anderem Hausärzte, Apotheken, Hebammen, Physiotherapeuten und Zahnärzte beinhaltet, mit denen man im Bedarfsfall direkt Kontakt aufnehmen können und Abfragen starten könne.

In der Diskussion betonte stellvertretender Landrat Konhäuser, dass man die Versorgungssicherheit in jedem Fall halten müsse. Bergens Bürgermeister Bernd Gietl (CSU) sagte, seine Gemeinde sei noch in einer relativ komfortablen Position. Gerade die Frage nach einer finanziellen Ablöse für die Praxis sei eine Hürde in einer möglichen Nachfolgeregelung.

Dr. Herwart Rudolf Schmidt, Erster Vorsitzender vom Ärztlichen Kreisverband, zeichnete ein düsteres Zukunftsbild: 33 Prozent der Hausärzte würden in den kommenden Jahren nicht mehr praktizieren, "da wird es schwer, einen Nachfolger zu finden". Er forderte die Ausbildung zum "Allrounder" und beklagte gleichzeitig eine fehlende Wertschätzung für die Hausärzte. Auch im Zusammenhang mit der Honorierung der Leistungen übte er Kritik, es werde "für unnötige Kniegelenksoperationen immer mehr Geld ausgegeben." Hausärzte seien dagegen in der Vergangenheit auf marginale Einnahmeverbesserungen gekommen, wogegen die Kostenseite deutlich angezogen habe.

Dr. Stephan Gebrande vom Gesundheitsamt Traunstein machte deutlich, dass man im kommunalen Bereich über gute Strukturen verfügen müsse um für Hausärzte attraktiv zu sein. Hierzu würden insbesondere Bildungseinrichtungen für Kinder und Arbeitsplätze für den Partner zählen. Auch ein guter Ausbau des ÖPNV (Öffentliche Personennahverkehr) vom Wohnort der Bürger hin zu den Versorgungszentren sei wichtig.

Ausschussmitglied Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD), auf deren Anregung hin die Thematik im Ausschuss behandelt wurde, wollte die zuvor geäußerte Kritik der "Feminisierung des Ärzteberufs" nicht gelten lassen. "Gott sei Dank haben wir mehr Frauen in der Medizin." Es sei aber wichtig, hier entsprechende Kinderbetreuungsmöglichkeiten anzubieten, um Beruf und Familie miteinander verbinden zu können. Dies gelte insbesondere für Randzeiten. "Der Bedarf ist da" sagte Wiesholer-Niederlöhner. Ausschussmitglied Dr. Thomas Graf (ÖDP) machte deutlich, dass ihm auch aus persönlicher Tätigkeit eine sachliche Argumentation wichtig sei: "Wir machen gerne Hausbesuche", betonte der Kinderarzt.

wz/Chiemgau-Zeitung

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