Mystisch-schauriges Perchtenspektakel

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Die gruselig-wilden Perchten der Kalchofenpass aus Unken erschreckten so manchen Schaulustigen (Bild links). Mit bengalischem Feuer zog die Rauschbergpass Ruhpolding über die Fußgängerzone ein (rechts).

Ruhpolding - Ein Höhepunkt beim "Raunachtsmarkt" im romantisch verschneiten Ruhpoldinger Kurpark war der Perchtenlauf am Donnerstagabend.

Hunderte von Zuschauern standen dicht gedrängt, als zwei Passen über die Hauptstraße und die Fußgängerzone mit bengalischem Feuer und Schellenlärm durch den Torbogen in den Markt einzogen.

Voran schritt die ortsansässige Rauschbergpass. Zwei an die früheren Holzknechte und den Bergbau erinnernde Burschen mit rußgeschwärztem Gesicht bildeten mit dem Schild, einer großen Holzgabel und Ruten in ihren Kraxen die Spitze, gefolgt von Engerln. Auch eine Hexe und zottelige, tierisch anmutende Fellwesen gehören zur Ruhpoldinger Pass.

Noch wilder ging es bei der "Kalchofenpass" aus Unken zu. Die dämonischen Gestalten trugen geschnitzte Holzmasken mit Teufelsfratzen und ehrfurchtgebietende Hörner. Bei dem sich anschließenden Perchtentreiben im Markt wollten sich viele mit den Perchten fotografieren lassen. Unter den Jugendlichen gab es ein großes Gekreische und Geschubse, wenn einer Rutenschläge bekam. "Das ist immer eine besondere Atmosphäre beim Perchtenlauf", äußert sich Markt-Organisator Wolfgang Heigermoser erfreut, während er "Almnussen" aus Quarkteig in Fett ausbäckt. "Der Brauch ist zwar umstritten, aber die Nachfrage regelt das Angebot." Immerhin ist der Ursprung offenkundig heidnisch: Die Perchten sollten mit ihren Schellen die bösen Geister des Winters austreiben.

Mit dem Besuch des insgesamt neunten Raunachtsmarktes, der die Vorjahre nochmal übertraf, zeigte sich Heigermoser nach zwei von drei Markttagen zufrieden, ebenso wie mit dem Wetter: Am sonnigen Mittwoch seien am Abend auch viele Skifahrer gekommen. Am Donnerstag fiel nach dem verregneten Vormittag während der Marktzeit kein Tropfen.

Zufrieden äußerten sich auf Anfrage auch mehrere der über 20 Standbetreiber, darunter Inge Ritter aus Siegsdorf, obwohl es für sie "überall schwierig" sei: "Wir sind in einem Preissegment, das nicht so locker gekauft wird." Seit drei Jahren kreiert sie mit einer Freundin aus gewalkter Strickware individuelle Kinderkleidung. Wert legt sie auf Handarbeit und Naturmaterialien. Bei Drechsler Armin Neudorfer, der sich auf Holzleuchten spezialisiert hat, ist das Holzhandwerk in der Familie tief verwurzelt: Sein Opa war akademischer Bildhauer, sein Vater früher Holzknecht. Mit einem befreundeten Schreiner ergriff er die Initiative für diesen Markt zwischen den Jahren, weil der Christkindlmarkt so vor sich hin "totelte". Weil in dieser Zeit viele Urlauber da seien und sich was rühre, kämen auch die Einheimischen. "Das ist jedes Jahr eine Steigerung."

Ganz ohne Erwartungen kam Hildegard Reichardt aus Landau an der Isar. Sie formt hohle Gebilde aus Ton und schneidet mit dem Skalpell feine Muster aus. Unter ihren kunstvollen Händen entstehen filigrane Leuchtkugeln für den Tisch und Spruchherzen. "Das ist ein schöner Platz hier und eine schöne Atmosphäre", meint sie begeistert.

Chiemgau-Zeitung

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