Prozess am Landgericht Traunstein

Flüchtling entschuldigt sich für Brandstiftung

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Neuötting/Traunstein - Lange hatte er die Tat bestritten, doch im Berufungsprozess war der afghanische Flüchtling geständig. Nach dem Gefängnis droht ihm die Abschiebung.

Fünfmal hatte es in einer Nacht Ende August 2014 in der Asylbewerberunterkunft in Neuötting gebrannt. Jedes Mal hatte es sich um kleinere Brandherde gehandelt, niemand war verletzt worden und der Sachschaden war ebenfalls überschaubar gewesen. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund konnte die Polizei schnell ausschließen, im September wurde schließlich einer der Bewohner des Heims festgenommen.

In einem ersten Prozess vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Mühldorf bestritt der junge Afghane die Tat. Das Gericht hatte nach der Beweisaufnahme aber keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten und verurteilte ihn wegen versuchter schwerer Brandstiftung in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Verteidigung legte Rechtsmittel ein und am Mittwoch musste sich der Flüchtling im Berufungsprozess am Landgericht Traunstein verantworten.

Richter: "Notruf in einer verzweifelten Situation"

Dort räumte der Angeklagte - anders als im Januar in Mühldorf - die Tat ein. Zugleich entschuldigte sich der junge Mann für alle Sorgen, die er bereitet habe, und auch für den Schaden, berichtet der Alt-Neuöttinger Anzeiger. Er wolle doch nur "ein Leben in Freiheit" und "Bildung genießen", so die Zeitung weiter, die den Angeklagten als "aufrichtig beschämt" beschreibt.

Am Ende der Verhandlung stand eine weitaus geringere Strafe als beim Prozess im Januar in Mühldorf. Der Afghane wurde zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, einen Teil davon hat er bereits in Untersuchungshaft abgesessen. Der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann äußerte Mitgefühl für den Asylbewerber, nannte die Tat einen "Notruf in einer verzweifelten Situation".

Jetzt droht die Abschiebung

Laut Alt-Neuöttinger Anzeiger erfüllt sich die Hoffnung des jungen Mannes auf ein Leben in Deutschland wohl nicht. Aufgrund der Straftat stehe ihm wohl die Abschiebung nach Schweden bevor und von dort aus nach Afghanistan. Wie der junge Mann bereits in der Verhandlung am Amtsgericht Mühldorf erzählte, war in seiner Heimat vor Jahren sein Vater von den Taliban ermordet und er selbst von einer Kugel getroffen worden. Dies war der Grund für seine Flucht nach Europa gewesen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa (Symbolbild)

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